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LSVS-Finanzskandal
Fachverbände gehen auf Konfrontation

Der Parkplatz vor dem Verwaltungsgebäude des Landessportverbandes für das Saarland LSVS. Hier werden künftig Parkgebühren fällig.
Der Parkplatz vor dem Verwaltungsgebäude des Landessportverbandes für das Saarland LSVS. Hier werden künftig Parkgebühren fällig. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Angeführt vom Saarländischen Leichtathletik-Bund fordern viele Sportfachverbände Einblick in das LSVS-Sanierungskonzept. Von Mark Weishaupt und Kai Klankert
Mark Weishaupt

Im saarländischen Sport regt sich massiver Widerstand gegen das Sanierungskonzept für den hoch verschuldeten Landessportverband für das Saarland (LSVS). Viele Sportfachverbände, die am kommenden Donnerstag, 21. Juni, in einer Gesamtvorstandssitzung über das Konzept von LSVS-Konsolidierungsberater Michael Blank abstimmen sollen, laufen Sturm, weil sie sich bislang nicht ausreichend informiert sehen.


Der Saarländische Leichtathletik-Bund (SLB) hatte Blank am Montag – auf Basis eines Beschlusses des geschäftsführenden Präsidiums – aufgefordert, das von ihm erarbeitete Konzept binnen zwei Tagen schriftlich zuzusenden. Zugleich informierte der SLB den Gesamtvorstand des LSVS, in dem Vertreter aller Verbände sitzen, und bat um Unterstützung. „Eine große Mehrheit hat uns geantwortet und steht uneingeschränkt hinter uns“, sagt Monika Schwarz, Vizepräsidentin Kinder und Jugend des SLB. Nur: Blank hat die Frist, Stand Mittwochabend, verstreichen lassen.

Als Folge sieht der SLB vor, sich an die nächsthöhere Stelle, also das Innenministerium, zu wenden. Mit gleichem Auftrag. „Als Vertreterin des SLB sehe ich mich außerstande, ohne entsprechenden Vorlauf und ohne Absprache mit meinem Präsidium überhaupt über ein Konzept mit derart weitreichenden Auswirkungen zu beraten, geschweige denn abzustimmen“, sagt Schwarz. Dass SLB-Präsident Lothar Altmeyer im LSVS-Präsidium sitzt und dem Konzept wie alle anderen Präsidiumsmitglieder zugestimmt hat, will Schwarz nicht weiter bewerten. „Die Beschlüsse des geschäftsführenden Präsidiums des SLB trägt Lothar Altmeyer als Präsident mit. Dass die Situation sowohl für den SLB wie auch für ihn schwierig ist, wissen alle Beteiligten“, sagt Schwarz.

Im Klartext bedeutet das Vorhaben des SLB: Legt Sanierer Blank den Verbänden sein Konzept nicht schriftlich vor, auch nicht nach einer eventuellen Aufforderung des Innenministers Klaus Bouillon, lassen die Verbände es womöglich platzen. Nach SZ-Informationen haben einzelne Fachverbands-Präsidenten in den nächsten Tagen Termine bei Blank. Allerdings soll es über die Pressemitteilung hinaus keine schriftlichen Informationen geben.

In besagter Mitteilung steht unter anderem, dass nur 77 der 182 Beschäftigten ihre Arbeit behalten sollen. Dass die Mensa an der Hermann-Neuberger-Sportschule geschlossen wird, die notwendige Versorgung von einem externen Caterer übernommen wird, dass Parkplatz-Gebühren erhoben werden. Mehreinnahmen sollen generiert werden durch den Verkauf der Namensrechte von Sportstätten an der Sportschule an Investoren oder Sponsoren. Doch auch dies ruft Skeptiker auf den Plan.



Patrick Ries etwa, langjähriger Vorsitzender der Saarländischen Sportjugend und damals auch LSVS-Gesamtvorstandsmitglied, wandte sich in einem offenen, acht Seiten langen Brief an die Fachverbände. Der ehemalige deutsche Vizemeister im Karate, der mittlerweile als selbständiger Unternehmer tätig ist, forderte die Verbände darin auf, das Sanierungskonzept kritisch zu hinterfragen und ihm nicht ohne weiteres zuzustimmen.

Einige Verbände, wie der Saarländische Radfahrer-Bund oder der Saarländische Schwimm-Bund, haben dem Konzept bereits eine Absage erteilt, wenn sie nicht vorab detailliert informiert werden. SRB-Präsident Jörg Aumann sagte: „Die hier zu treffenden Entscheidungen sind von solcher Tragweite, dass ich mich als Präsident nicht im Stande sehe, sie ohne Rücksprache mit meinem Präsidiums- und Gesamtvorstandskollegen zu treffen.“

Die Einsparungen werden die Verbände wohl härter treffen als angenommen. So liegt der SZ eine E-Mail vor, in der die Hauptgeschäftsführung des LSVS die Geschäftsführer der diversen Geschäftsstellen darauf hinweist, dass der LSVS keine Kosten mehr für Hardware, Toner sowie sonstiges EDV-Zubehör und Verbrauchsmaterialen übernimmt. „Die Verbände müssen den Einkauf ab sofort selbständig auf dem freien Markt tätigen“, heißt es in dem Schreiben. Nach SZ-Infos werden einige Fachverbände diese Kosten direkt an ihre Mitglieder weiterleiten.

Laut Pressemitteilung von Konsolidierungsberater Blank werden künftig auch „die Aufgaben der EDV-Abteilung“ beim LSVS ausgelagert, um zu sparen. Auch hier müssen sich die Fachverbände darauf einrichten, die Kosten künftig selbst zu tragen. Dem bisherigen Leiter der IT-Stabsstelle beim LSVS wurde nach SZ-Informationen bereits ein Aufhebungsvertrag vorgelegt. Dazu passt, dass mehrere Fachverbände quasi zeitgleich schon ein Angebot einer IT-Firma aus Saarbrücken erhalten haben, die ihre Dienste als Ersatz anbietet. Im Anschreiben der Firma heißt es vollmundig: „Machen Sie mal wieder Sport – um Ihre IT kümmern wir uns!“ Woher die Saarbrücker Firma wusste, dass beim LSVS die EDV ausgelagert werden soll, bevor das Sanierungskonzept dem LSVS-Präsidium überhaupt vorgestellt wurde, darüber war nichts in Erfahrung zu bringen.

SLB-Vizepräsidentin Schwarz verfolgt die Entwicklungen mit „riesengroßer Sorge“. Schon zu Beginn des Finanzskandals habe der SLB mehrfach eine Reform der Satzung des LSVS gefordert, passiert sei nichts. Stattdessen ziehe die Affäre immer weitere Kreise – mit dem Sanierungskonzept als vorläufigen Tiefpunkt. „Das ist keine Konsolidierungs-Maßnahme, das ist eine Demontage-Anleitung. Das ist meine persönliche Meinung“, sagt Schwarz: „Das gesamte Ehrenamt ist beschädigt. Alle werden dadurch über einen Kamm geschoren.“