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Evolution statt Umbruch

Evolution statt Umbruch

Eintracht Braunschweig befindet sich nach dem Aufstieg in die Fußball-Bundesliga im Rausch. Trainer Torsten Lieberknecht und Sportdirektor Marc Arnold wollen im Oberhaus kein Kanonenfutter sein.

Als die Party in Braunschweig ihren Höhepunkt erreichte, beobachtete Marc Arnold das bunte Treiben mit vor der Brust verschränkten Armen aus sicherer Entfernung. Wie einst Franz Beckenbauer 1990 in Rom schritt der Eintracht-Sportdirektor einsam durch den Mittelkreis. Niemand rief ihm zu: "Wir wollen Dich tanzen sehen" - wie bei Trainer Torsten Lieberknecht, der die Fans prompt mit ein paar wilden Schritten zum Kochen brachte.

"Ich halte mich gerne im Hintergrund, das gefällt mir besser", sagte Arnold nach der mühsamen, aber umso stimmungsvolleren Nullnummer gegen Energie Cottbus am Montagabend. Arnold ist der Mann im Schatten - nüchtern, seriös, fleißig. Im Gegensatz zu Lieberknecht (39) taugt er nicht zum Volkstribun. Doch zusammen bilden sie ein kongeniales Duo, das die Eintracht nach 28 Jahren wieder in die Bundesliga geführt hat. Und auch im Oberhaus wollen die Löwen für Furore sorgen.

Die Planungen laufen auf Hochtouren. "Die Basis haben wir gelegt. Der Großteil der Mannschaft steht, weil wir mit allen Leistungsträgern teilweise langfristig verlängert haben. Wir werden mit einer eingespielten Truppe in die Saison gehen", sagte Arnold, machte aber auch klar: "Natürlich werden wir uns punktuell verstärken. Aber wir setzen auf Evolution statt Umbruch." Vier bis sechs neue Spieler sollen es sein. Im Gespräch sind Christoph Kramer (Bayer Leverkusen) und Marcel Gaus (FSV Frankfurt). Auch die Gerüchte um eine Rückkehr von Karim Bellarabi (Leverkusen) halten sich hartnäckig. Zudem absolviert der südafrikanische Nationalspieler Daylon Kayton Claasen (Lierse SK) in dieser Woche ein Probetraining.

Braunschweig setzt auch im Rausch um die Bundesliga-Rückkehr auf ein gesundes Wachstum. Der Meister von 1967 wird seine Philosophie der stetigen Entwicklung nicht ablegen, um in der Eliteklasse bestehen zu können. "Wir wollen unangenehm sein, mannschaftlich geschlossen auftreten und mit dem einen oder anderen taktischen Kniff anderen Clubs das Leben schwer machen", sagte Arnold, "wir wissen aber auch, dass es in der Bundesliga ein anderes Anforderungsprofil gibt."

Den Vergleich mit Greuther Fürth, das schon wieder den Gang in die 2. Liga antritt, lässt der ehemalige Bundesliga-Profi nicht gelten: "Fürth hat vor der Saison wichtige Spieler verloren, wir nicht. Und bei aller Liebe - ein Heimspiel in Braunschweig ist ein bisschen was anderes als in Fürth."

So richtig können sie ihr Glück in Braunschweig noch gar nicht fassen. Seit Tagen befindet sich die Stadt im Ausnahmezustand, am Montag feierten die Fans gegen Cottbus eine einzige Party und träumten schon vom Europapokal. Dabei ist der Club vor ein paar Jahren "dem Tod von der Schippe gesprungen", wie der ehemalige Saarbrücker Lieberknecht sagt. Er und Arnold haben mit kleinem Geld eine Mannschaft geformt, die in nur drei Jahren einen Durchmarsch von der 3. Liga in die Bundesliga geschafft hat. "Die Entwicklung ist Wahnsinn. Der Aufstieg setzt dem ganzen die Krone auf", sagte Arnold. Und die Party soll noch nicht zu Ende sein.