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Saarsport-Tribüne: Euphorie ist nur auswärts sichtbar

Saarsport-Tribüne : Euphorie ist nur auswärts sichtbar

Die Zuschauerzahlen bei den Heimspielen sind so niedrig wie selten zuvor in der Vereinsgeschichte. Dabei spielt der 1. FC Saarbrücken eine starke Saison. Die angepeilte Rückkehr in den Ludwigspark löst aber nicht alle Probleme automatisch.

Auf dem Platz ist derzeit alles in Butter. Die Abwehr steht, die Stürmer treffen, mit einem Sieg am Samstag bei Kickers Offenbach könnte der 1. FC Saarbrücken Tabellenführer werden. Die Relegation zum Aufstieg in die 3. Liga ist realistisch und greifbar. Aber Diskussionsbedarf herrscht trotzdem.

Das Thema Stadion beschäftigt die Anhänger – und das schon seit Wochen. Am vergangenen Samstag war es einmal mehr offensichtlich: Offiziell 2317 Zuschauer kamen zum Heimspiel gegen den VfB Stuttgart II und sahen einen tollen 5:0-Sieg. Das Team von Trainer Dirk Lottner mischt ganz oben mit, hat acht Punkte Vorsprung auf einen Nicht-Relegationsplatz – und trotzdem kommen erschreckend wenige Fans zu den Heimspielen ins Hermann-Neuberger-Stadion nach Völklingen. Anders ist es bei den Konkurrenten in Mannheim oder Offenbach, wo bis zu 8000 Zuschauer am Start sind.

Herrscht beim FCS also keine Euphorie? Keine Lust auf den Aufstieg? Ganz so krass kann man das nicht sagen. Skurril ist, dass zu Spitzenspielen auswärts bei Traditionsvereinen beinahe mehr Fans mitfahren, als nach Völklingen kommen. 2500 waren es bei Waldhof Mannheim, in Offenbach könnte es ähnlich werden.

Heutzutage wollen die Fans im Stadion auch Komfort. Gerade im Herbst oder Winter bei Wind, Schnee und Regen. In Völklingen können nur 550 Fans gemütlich auf der Tribüne sitzen, aber gerade ältere Zuschauer wollen nicht mehr stehen. Und wenn sich die Leute erst mal dran gewöhnt haben, nicht mehr hinzugehen, sind sogar wie letzten Samstag diese 550 Plätze nicht voll besetzt.

Dass ein komfortables Stadion mit überdachten Steh- oder Sitzplätzen sowie ohne Laufbahn Fußballfans anzieht, zeigt die SV Elversberg. Früher hatte die SVE nur einen Bruchteil der Zuschauer des FCS, in den letzten drei, vier Jahren wurde der Schnitt aber mehr als verdoppelt. Sogar gegen eher unattraktive Gegner kommen 1300 oder 1400 Fans an die Kaiserlinde. Auch Mannheim oder Offenbach haben Stadien, in denen man prima Fußball schauen kann.

Abhilfe schaffen kann da aus Saarbrücker Sicht nur ein schnellstmöglicher Umzug in die alte Heimat – und der Aufstieg in die 3. Liga. Beides würde die Anhängerschaft mobilisieren und die Euphorie wieder erkennbar machen. Allerdings: Einen Fehler sollte der FCS nicht machen. Denn auch bei einem Umzug steigen die Zuschauerzahlen nicht automatisch um das Doppelte. Denn dafür muss es auch sportlich weiter bergauf gehen und im Umfeld ruhig bleiben. Denn bei vielen sitzt die Enttäuschung nach Jahren voller schlechter Entscheidungen im Verein weiterhin tief.