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LSVS-Finanzskandal
Eugen Roth zieht die Konsequenzen und tritt zurück

Eugen Roth (rechts), hier mit LSVS-Präsident Klaus Meiser, hat sein Amt im LSVS-Präsidium niedergelegt.
Eugen Roth (rechts), hier mit LSVS-Präsident Klaus Meiser, hat sein Amt im LSVS-Präsidium niedergelegt. FOTO: Andreas Schlichter
Saarbrücken. Der Präsident des Handball-Verbandes Saar stellt sein Amt im LSVS-Präsidium zur Verfügung und entschuldigt sich. Von Mark Weishaupt
Mark Weishaupt

Mit Eugen Roth hat gestern das erste Präsidiumsmitglied des Landessportverbandes für das Saarland persönliche Konsequenzen aus der Finanzaffäre beim LSVS gezogen. In einer persönlichen Erklärung, versandt von der Pressestelle der SPD-Fraktion im Landtag des Saarlandes, teilte der SPD-Landtagsabgeordnete gestern Mittag mit: „Um die gegen mich in der Öffentlichkeit erhobenen Vorwürfe einer objektiven Aufklärung zuführen zu können, stelle ich mein Amt als Präsidiumsmitglied des Landessportverbandes zur Verfügung.“ Hintergrund dürfte die Aufhebung der Immunität als Landtagsabgeordneter sein, die die Staatsanwaltschaft Saarbrücken erbeten hatte und die der Rechtsausschuss des Landtags einstimmig beschlossen hatte. Nach einer vorgeschriebenen 48-Stunden-Frist kann die Staatsanwaltschaft ab dem heutigen Freitagmittag offiziell gegen Roth und Meiser vorgehen.



Mittlerweile wird gegen Roth, Meiser und die anderen sechs LSVS-Präsidiumsmitglieder wegen des Anfangsverdachts der Untreue ermittelt. Gegen sieben der acht – Roth, Meiser, Vize-Präsident Franz Josef Schumann (Saarländischer Fußball-Verband) sowie die Präsidiumsmitglieder Udo Genetsch (Saarländische Sportjugend), Lothar Altmeyer (Saarländischer Leichtahletik-Bund), Karin Nonnweiler (Saarländischer Judobund) und Andrea Pielen (Kneipp-Bund Saar) – steht auch der Vorwurf der Vorteilsgewährung im Raum. Anfang der Woche war bekannt geworden, dass das LSVS-Präsidium am 7. Oktober 2017 auf seiner Präsidiumssitzung in St. Wendel einstimmig beschlossen hatte, die Kosten für die Feier zum 70. Geburtstag von Innenminister Klaus Bouillon (CDU) in der Mensa des LSVS am 20. November teilweise zu übernehmen. Bouillons Ministerium hat die Rechtsaufsicht über den LSVS. Laut eigener Aussage hatte Bouillon die Kostenübernahme abgelehnt. LSVS-Vize-Präsident Franz Josef Kiefer war auf der Präsidiumssitzung am 7. Oktober nicht zugegen, deswegen wird gegen ihn nur wegen des Verdachts der Untreue und nicht wegen des Verdachts der Vorteilsgewährung ermittelt.

Für Handball-Präsident Roth „ist mittlerweile klar, dass ein längerer Prozess bis zur nächsten Mitgliederversammlung beim LSVS (geplant im September) dem Saarsport insgesamt schadet und ihn auch zu lange lähmt. Die aktuellen Ereignisse und die auch aus meiner Sicht notwendige Aufklärung der Verantwortung für Fehlentscheidungen im LSVS sind für mich nun Grund anzuregen, dass die Mitgliederversammlung des LSVS auf einen baldmöglichen Zeitpunkt vorgezogen wird. Dabei schließe ich eine erneute Kandidatur für mich aus.“

Die Staatsanwaltschaft war im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Finanzloch beim LSVS, das im Dezember 2017 öffentlich wurde, hellhörig geworden. Das Präsidium des LSVS hatte damals mehrfach erklärt, dass der seitdem freigestellte LSVS-Hauptgeschäftsführer Paul Hans für das Millionenloch verantwortlich sei, weil er einen Planungsfehler begangen habe. Auch Mitte Januar, als sich das Präsidium in einer Pressekonferenz erneut zum Sachverhalt äußerte, hielten die Präsidiumsmitglieder an dieser Version fest und wiesen jegliche Eigenverantwortung von sich. „Allein aufgrund der Aktenlage war es unmöglich, den Fehler zu finden“, sagte Roth damals. In seiner gestrigen Erklärung schrieb Roth nun: „Soweit mir persönliches Fehlverhalten und Fehlentscheidungen vorgeworfen werden, übernehme ich die Verantwortung dafür, nicht ausreichend Ungereimtheiten und Unzulänglichkeiten erkannt zu haben. Das tut mir leid.“