Etienne Kinsinger vom KSV Köllerbach startet bei Ringer-WM in Kasachstan

Kostenpflichtiger Inhalt: Ringer-WM in Kasachstan : Kinsingers erste große Olympia-Chance

Ringer des KSV Köllerbach kann sich bei der WM im griechisch-römischen Stil in Kasachstan für die Olympischen Spiele qualifizieren.

Am vergangenen Sonntag feierte Etienne Kinsinger seinen 23. Geburtstag. Wobei die ganz große Party erst am kommenden Dienstag starten soll. Denn dann werden in Nur-Sultan in Kasachstan, dem früheren Astana, die Finalkämpfe der Weltmeisterschaften im Ringen ausgetragen. Und die haben nicht nur für den saarländischen Vorzeigeathleten in diesem Jahr eine besondere Bedeutung.

„Ich weiß, dass ich einen besonderen Tag erwischen muss. Aber ich weiß auch, dass es fast allen anderen auch so gehen wird“, sagt Kinsinger vor dem Hintergrund, dass sich die fünf Erstplatzierten der WM direkt für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 qualifizieren: „Jeder Sportler träumt davon, bei Olympia dabei zu sein. Es ist jetzt in meinem Sportlerleben die erste Chance dazu. Aber es wäre fatal und der völlig falsche Ansatz, mit dem Ziel ‚Platz 5‘ ins Turnier zu gehen. Man hört doch dann im Halbfinale nicht auf zu kämpfen.“

Kinsinger ist Student für Wirtschaft und Recht an der Universität des Saarlandes. Ein schlauer Kopf ruht auf dem austrainierten Körper. Manchmal allerdings ist der Köllerbacher aber zu grüblerisch, beinahe kopflastig. Eine (Selbst-)Erkenntnis, die mit in die Vorbereitung eingeflossen ist. Mehrfach hat er im Trainingszentrum seines Nationalmannschaftskollegen Frank Stäbler trainiert, sich vom dreifachen Weltmeister Anregungen geholt. „Frank und ich liegen bei Lehrgängen der Nationalmannschaft immer auf einem Zimmer. Die Arbeit mit ihm hat inhaltlich enorm viel gebracht. Er sagt von sich selbst, er sei technisch und körperlich sicher nicht der beste Ringer der Welt – aber im Kopf“, berichtet Kinsinger, „er geht auf die Matte und lässt sich weder Müdigkeit noch Schwäche ansehen. Entscheidungen gegen ihn hakt er einfach ab und zieht daraus noch mehr Motivation.“

Von den Besten lernen – das war auch das Prinzip der Trainingsarbeit. „Es sind meine dritten Weltmeisterschaften bei den Herren, da hat man natürlich Erfahrungswerte. Gerade die Zusammenarbeit mit der Ernährungsberaterin hat sich ja bewährt“, sagt Kinsinger, „wir haben auch nicht viel verändert, eher ein paar kleine Stellschrauben gedreht.“ Tausende von Flugkilometern zu Trainingsmaßnahmen in Dänemark, Finnland und Russland nahm Kinsinger in diesem Jahr für das ganz große Ziel in Kauf.

„Die Bedingungen an der Landessportschule in Saarbrücken sind unbestritten gut“, sagt Kinsinger, „allerdings fehlen mir da oft die entsprechenden Trainingspartner. Gerade bei den Russen ist die Leistungsdichte enorm groß. In jedem Training profitiert man davon. Da gibt es dann auch manchmal richtig auf die Ohren, aber das bringt dich weiter.“ Dass man dabei den Konkurrenten aber auch Rückschlüsse auf die eigenen Möglichkeiten bietet, stört den Saarländer nicht.

„Heutzutage kannst du jeden Kampf von jedem Sportler im Internet finden. Ich weiß auch über die Stärken von Türken und Chinesen gegen die ich noch nie auf der Matte gestanden habe“, sagt Kinsinger, der es in der kasachischen Steppe nicht nur mit Top-Favorit und Titelverteidiger Sergej Emelin aus Russland zu tun bekommt. „Die Klasse bis 60 Kilo ist eine der am dichtesten besetzten überhaupt. Insgesamt werden es zwischen 15 und 20 Athleten sein, die den Titel holen können. Das macht es zwar nicht einfacher, aber es kann auch keiner auf ein leichtes Los hoffen. Man muss von der ersten Runde an Gas geben.“

Die beginnt am Montagmorgen deutscher Zeit, am Dienstag ist die Endrunde angesetzt. Um den Körper an die Zeit- und Klimaumstellung zu gewöhnen, ist das deutsche Team bereits am Mittwoch gen Osten aufgebrochen, wobei das große Ziel noch weiter östlich liegt. „Es gibt danach zwar weitere Olympia-Qualifikationsturniere, aber wir haben den Fokus klar auf die WM gelegt“, stellt Kinsinger klar, „wie es danach weitergeht, werden wir dann planen. Im Moment gibt es keinen Plan B.“ Den braucht es auch nicht, wenn man am Dienstag nach einem besonderen Tag Plan A und den Geburtstag feiern kann.

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