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Etappensieg für Robisch

Triathletin Rebecca Robisch in Hamburg an der Alster. Dort startet sie am Wochenende beim WM-Rennen.
Triathletin Rebecca Robisch in Hamburg an der Alster. Dort startet sie am Wochenende beim WM-Rennen. FOTO: John
Saarbrücken. Rebecca Robisch (Triathlon-Freunde Saarlouis) hat auf dem Weg der Sportgerichtsbarkeit ihren Verband dazu gezwungen, sie dem Deutschen Olympischen Sportbund zur Olympia-Nominierung vorzuschlagen. Mark Weishaupt

Heute könnte sich der größte Traum von Rebecca Robisch erfüllen. Wenn der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) heute in seiner letzten Nominierungsrunde das Aufgebot der deutschen Triathleten bekannt geben wird, dann könnte auch der Name der Sportlerin von den Triathlon-Freunden Saarlouis auf der Liste stehen. Dafür hat die 28-Jährige in den letzten Jahren geschuftet wie verrückt, ist an ihre körperlichen Leistungsgrenzen und darüber hinaus gegangen.


Im Gegensatz zu anderen musste Robisch aber sogar noch einen Schritt weiter gehen - abseits des Schwimmens, des Radfahrens und des Laufens. Denn Robisch hat ihren Verband, die Deutsche Triathlon-Union (DTU), verklagt. Besser gesagt verklagen müssen, denn die DTU hatte nicht vor, sie dem DOSB vorzuschlagen. Auf der Liste, die die DTU dem DOSB am 19. Juni übergeben hatte, standen Anne Haug, Laura Lindemann und Anja Knapp. Der Name von Robisch - und der von Hanna Philippin vom LAZ Saarbrücken - fehlte. "Das hat mich getroffen wie ein Hammerschlag", erinnert sich Robisch, die zu der Zeit gerade in den Pyrenäen im Höhentrainingslager war - alles ausgerichtet auf das große Ziel Olympia in Rio.

Zur Erklärung: Haug hatte als einzige Deutsche die ursprünglich festen Qualifikations-Kriterien der DTU erfüllt, die anderen vier nicht. Die Entscheidung pro Lindemann und Knapp erklärte die DTU damals mit "teamtaktischen und verbandspolitischen Hintergründen". DTU-Vizepräsident Reinhold Häußlein wurde damals zitiert mit den Worten: "Für uns geht es in Rio darum, dass Anne in der Spitzengruppe vom Rad steigen kann. Somit ist es elementar, dass sie bei Verpassen der ersten Schwimmgruppe von ihren Teamkolleginnen unterstützt werden kann. Mit Anja Knapp und Laura Lindemann haben wir daher die stärksten Schwimmerinnen vorgeschlagen." Dass Robisch und auch Philippin in allen möglichen Ranglisten, die der Weltverband ITU führt, vor Lindemann und Knapp liegen, spielte für die DTU keine Rolle.



Robisch entschloss sich, zu klagen, und rief mit Hilfe des renommierten Sportrechtlers Michael Lehner das Deutsche Sportschiedsgericht an. Am späten Sonntagabend dann die Erlösung: Claudia Wisser vom Deutschen Sportschiedsgericht folgte Lehners Argumentation und verdonnerte die DTU dazu, Robisch dem DOSB für die Olympia-Nominierung vorzuschlagen. "Es geht hier um objektive sportliche Kriterien", sagt Lehner, "und da ist es nun mal so, dass Frau Robisch vorzuschlagen ist." Außerdem läuft die DTU-Argumentation der Teamtaktik voll ins Leere, denn "teamtaktische Anweisungen und deren Umsetzung im olympischen Wettkampf widersprechen dem olympischen Grundsatz", stellte Richterin Wisser fest. Im Klartext: Durch das öffentliche Äußern der DTU, in Rio eine Art Mannschaftstaktik durchführen zu wollen, würden die Athletinnen gar eine Disqualifikation riskieren, weil das nicht erlaubt ist.

Nun steht Robisch also auf der Liste - ein erster Etappensieg, aber nicht mehr, denn die DTU hat ja fünf Triathletinnen auf diese Liste gesetzt. Ein Verhalten, dass Lehner nicht nachvollziehen kann. "Die DTU hat dem DOSB jetzt den schwarzen Peter zugeschoben", kritisiert Lehner, "dabei ist es seine Aufgabe als Spitzenverband, eine Auswahl zu treffen." Heute im Laufe des Tages wird der DOSB entscheiden müssen, wer nach Rio darf - und ob sich Robischs Traum erfüllt.

Es kann nur eine geben


Spannung vor Olympia-Nominierung der Speerwerferinnen: Obergföll oder Molitor - eine bleibt zu Hause

Amsterdam. Weltmeisterin gegen Ex-Weltmeisterin, Katharina Molitor gegen Christina Obergföll - es kann nur eine geben. Der Kampf um das letzte Olympia-Ticket im Speerwurf spitzt sich zu. Eine absolute Hochkaräterin muss sich Rio im Fernsehen anschauen. Zoff ist da programmiert.

Vor dem Tag der Entscheidung ist Obergföll öffentlich vorgeprescht und hat den Druck auf den deutschen Cheftrainer Idriss Gonschinska erhöht. "Im direkten Duell mit Molitor sehe ich mich mit der Nase vorne", sagte die 34-Jährige, die in London 2012 Olympia-Silber und vier Jahre zuvor Bronze gewonnen hatte: "Alle Fakten sprechen für mich." Saisonbestleistung liegt mit 64,96 Metern über der von Molitor (63,20).

Gonschinska steht vor einer kniffligen Entscheidung. Es werde eine "enge Entscheidung" geben, sagte Gonschinska. Die Wahl zwischen zwei Weltklasse-Werferinnen sei ein "Luxusproblem". Der DLV beriet sich gestern, die endgültige Entscheidung trifft dann der DOSB heute.

Die Stimmung im Lager der Werferinnen ist gereizt. Einzig die deutsche Meisterin Christin Hussong (LAZ Zweibrücken) hat ihr Ticket bereits sicher, zudem scheint Linda Stahl (65,25/Leverkusen) nach ihrem EM-Silber gesetzt zu sein. Molitor muss nach ihrem vierten Platz von Amsterdam bangen. Die Zahlen sprechen auf den ersten Blick für Obergföll, die Nummer sieben der Welt. Molitor rangiert nur auf Platz 16. Aber sie warf ihre Saisonbestleistung erst am Wochenende, scheint immer besser in Form zu kommen. Obergfölls Wurf auf 64,96 Meter liegt schon fast zwei Monate zurück. Für den Fall einer Nichtnominierung kündigte Obergföll an, sich "juristische Unterstützung" zu holen: "Ich werde meinen Platz einfordern."