„Es war seltsam“

Das war skurril. Die Spieler des FC Bayern München hatten gestern Abend trotz ihres 1:0-Siegs in der Champions League bei ZSKA Moskau wenig Spaß. Die Atmosphäre im leeren Stadion war gespenstisch. 50 Bayern-Fans waren trotzdem dabei.

Der FC Bayern hat seine Pflichtaufgabe in der Champions League erfüllt und im zweiten Gruppenspiel den zweiten Sieg eingefahren. Bei ZSKA Moskau zeigten sich die Münchner weitgehend unbeeindruckt von den widrigen Umständen mit einem Bombenalarm im Hotel und der Geisterkulisse von 400 Augenzeugen und gewannen verdient, aber auch wenig überzeugend mit 1:0 (1:0). Den Treffer für die überlegenen Bayern erzielte an einem äußerst gespenstischen Abend Thomas Müller (22./Foulelfmeter).

Das Münchner Star-Ensemble spulte die Partie vor den etwa 400 Journalisten, Vereinsoffiziellen, Sponsorengästen und Ordnern insgesamt seriös ab, auch wenn die Chancenverwertung mies war und die Abwehr bei einigen Moskauern Kontern bedenklich wackelte.

Seltsam war aber vor allem die Atmosphäre im 18 000 Zuschauer fassenden Chimki-Stadion: Die Rufe der Spieler hallten durch die Arena, von außerhalb waren die Schlachtrufe der ausgesperrten ZSKA-Fans zu hören. Die Vips drinnen stimmten bisweilen ein. Zeuge des seltenen Schauspiels wurden auch etwa 50 Bayern-Fans, die aus einem nahe gelegenen Hochhaus zuschauten.

Wegen rassistischen Verhaltens Moskauer Anhänger ließ der europäische Fußball-Verband Uefa als Bestrafung das Spiel vor (fast) leeren Rängen ausgetragen. Thomas Müller gefielen die Rahmenbedingungen nicht: "Fußball ist normal ein Spiel, dass für die Fans und Zuschauer gespielt wird. Wir sind ja in der Unterhaltungsbranche tätig. Es war seltsam."

In der Abwehr leisteten sich die Münchner einige Nachlässigkeiten, die der russische Meister nicht entschlossen genug nutzte - oder Torhüter Manuel Neuer vereitelte. Darüber hinaus gingen die Bayern, die in Müller ihren größten Aktivposten hatten, oft etwas leichtfertig mit ihren Chancen um.

Bayern dominierte das Spiel und schnürte die Moskauer früh in deren Hälfte fest. Der Brasilianer Mario Fernandes tat den Gästen dann den Gefallen, Götze im Strafraum zu Fall zu bringen. Müller guckte Torhüter Igor Akinfeev aus und schoss wuchtig hoch in die Tormitte. Die Moskauer verpassten danach ein paar gute Chancen zum Ausgleich, oft begünstigt durch den unsicher wirkenden Benatia. So musste Neuer gegen Musa retten, der dem Marokkaner davongelaufen war (37.). Wenig später streifte ein Schuss von Roman Jeremenko das Lattenkreuz (40.).

Die Bayern diktierten das Spiel auch nach der Pause mit viel Ballbesitz, aber ohne die finale Aktion. Es reichte am Ende auch so. Und Trainer Pep Guardiola meinte nach dem Spiel: "Es ist aber ein komisches Gefühl, ohne Fans zu spielen. Fußball ist für die Leute, nicht für uns."