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"Es war mir so peinlich, ich wollte einfach nur weg"

"Es war mir so peinlich, ich wollte einfach nur weg"

Melbourne. Nachdem er von Fabrice Santoro in Runde zwei der Australian Open entzaubert worden war, zettelte Philipp Kohlschreiber eine Debatte über Gepflogenheiten bei einem Grand-Slam-Turnier an. "Ich finde es eine Qual, hier immer ,best of five' (maximal fünf Sätze, Anm. d. Red.) zu spielen

Melbourne. Nachdem er von Fabrice Santoro in Runde zwei der Australian Open entzaubert worden war, zettelte Philipp Kohlschreiber eine Debatte über Gepflogenheiten bei einem Grand-Slam-Turnier an. "Ich finde es eine Qual, hier immer ,best of five' (maximal fünf Sätze, Anm. d. Red.) zu spielen. Für mich macht es keinen Sinn", sagte der 25 Jahre alte Tennis-Profi gestern nach dem 7:5, 5:7, 6:3, 5:7, 3:6 gegen den Franzosen. "In fünf Sätzen ist es klar, dass es Höhen und Tiefen gibt. Die Damen spielen ja auch nur zwei Gewinnsätze. Ist ja schön, dass es das gibt. Aber heute hat es mich halt einfach eine Runde gekostet, was mich wahnsinnig ärgert", sagte Kohlschreiber.

Französische Reporter erkundigten sich anschließend, ob sie das alles richtig verstanden hätten. Sie hatten: Kohlschreiber präsentierte sich nach dem Vier-Stunden-Spiel als schlechter Verlierer. "Federer spielt heute 80 Minuten und lacht sich kaputt", wetterte er - und legte in Richtung Santoro nach, dass er ihm im Turnierverlauf nichts zutraue. Gegen den ältesten Spieler im Feld verzweifelte Kohlschreiber an der Laufstärke, der taktischen Raffinesse und der Geduld des 36 Jahre alten Franzosen. Der steht zum 66. Mal im Teilnehmerfeld eines Grand-Slam-Turniers und ist damit Rekordhalter vor dem Amerikaner Andre Agassi (61).

Auch Florian Mayer aus Bayreuth und Andrea Petkovic aus Darmstadt sind ausgeschieden. Mayer unterlag dem Weltranglisten-Sechsten Juan Martin del Potro aus Argentinien 1:6, 5:7, 2:6. Petkovic verlor nach enttäuschender Leistung gegen die Französin Alizé Cornet 1:6, 0:6. Von 20 deutschen Tennis-Profis sind damit schon 15 gescheitert.

Mayers Resümee fiel trotz der klaren Niederlage positiv aus. "Für den Einstieg war das total gut", sagte der 25-Jährige. Nach einer Auszeit von einem halben Jahr war er Ende 2008 in den Tennis-Zirkus zurückgekehrt und hatte sich in Melbourne über die Qualifikation ins Hauptfeld gekämpft. Das Spiel gegen del Porto hatte er zuvor als Standortbestimmung bezeichnet. Nun weiß er, dass die Weltspitze weit entfernt ist. "Ich will so schnell wie möglich wieder unter die Top 100", sagte Mayer, der auf Weltranglistenplatz 450 geführt wird.

"Ich habe keinen Ball reingespielt. Heute ging gar nichts", sagte Petkovic nach ihrer enttäuschenden Vorstellung gegen Cornet. Nur 50 Minuten dauerte das Spiel. Petkovic unterliefen 28 so genannte unnötige Fehler. "Es war mir so peinlich, ich wollte einfach nur weg", räumte die 21 Jahre alte Darmstädterin ein.

Die Weltspitze gab keine Blöße. Der Weltranglisten-Zweite Roger Federer (Schweiz) und Titelverteidiger Novak Djokovic (Serbien) konnten Kräfte sparen. Federer setzte sich gegen den Russen Jewgeni Korolew 6:2, 6:3, 6:1 durch und trifft auf den früheren Weltranglisten-Ersten Marat Safin (Russland). Der Weltranglisten-Dritte Djokovic bezwang Jeremy Chardy (Frankreich) 7:5, 6:1, 6:3 und spielt gegen Amer Delic (USA). Bei den Damen sind die Weltranglisten-Erste Jelena Jankovic, ihre serbische Landsfrau Ana Ivanovic und die Russin Dinara Safina weiter.

Im Doppel besiegte die Saarbrückerin Anna-Lena Grönefeld mit Partnerin Patty Schnyder (Schweiz) in Runde eins die Urexweilerin Kristina Barrois und Tathiana Garbin (Italien) 6:2, 6:1. Im Einzel waren Grönefeld und Barrois in Runde eins gescheitert (wir berichteten). dpa "Die Damen spielen ja auch nur zwei Gewinnsätze."

Philipp Kohlschreiber

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