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"Es ist Zeit, wieder nach Hause zu kommen"

"Es ist Zeit, wieder nach Hause zu kommen"

Schifferstadt. Er war ein super Techniker. Kein Grätscher, aber mit immenser Laufbereitschaft. Seine Spielart war leichtfüßig, elegant. Und er war ein Vertreter der leisen Zunft. Zum Lautsprecher taugte Stefan Jambo nie

Schifferstadt. Er war ein super Techniker. Kein Grätscher, aber mit immenser Laufbereitschaft. Seine Spielart war leichtfüßig, elegant. Und er war ein Vertreter der leisen Zunft. Zum Lautsprecher taugte Stefan Jambo nie. Die Tugend der Bescheidenheit prägt auch sein Leben nach dem Profi-Fußball: "Nach meiner Karriere bin ich in meinem erlernten Beruf zurück und habe mich als Fliesenleger selbstständig gemacht", sagt der 52-Jährige. Das war vor 20 Jahren - und in Norwegen. Dorthin verschlug es ihn seiner Frau zuliebe. Die Norwegerin lernte er zu seiner Zeit beim 1. FC Saarbrücken während eines Spanien-Urlaubs kennen. "Sie bekam immer häufiger Heimweh. Nach meiner Fußballer-Laufbahn sind wir dann weggezogen", erzählt der gebürtige Schifferstädter, der 64 Spiele in der Bundesliga und 170 in der 2. Liga absolvierte.Jetzt ist er dabei, seine Zelte im hohen Norden abzubrechen. "Mich zieht es zurück in die Heimat: Es ist Zeit, wieder nach Hause zu kommen", sagt der frühere Mittelfeldakteur. Schon jetzt arbeitet er parallel - mal ein paar Wochen im Land der Fjorde, dann in Schifferstadt. "In Norwegen habe ich schon fast alles aufgegeben", meint er. Der Schritt fiel ihm leicht: Seine Ehe wurde vor zehn Jahren geschieden, die Kinder sind erwachsen. Die in Saarbrücken geborene 25 Jahre alte Tochter Nadine studiert Sozialwesen in Alta, nördlich des Polarkreises. Sohn Mats macht eine Ausbildung als Installateur. Der 18-Jährige "hat die Gene seiner Mutter bekommen. In Punkto Fußball läuft bei ihm nichts: Ich habe alles versucht, es ist frustrierend", sagt Jambo lachend. Kontakt zu den Kindern hält er über Skype - der kostenfreien Videotelefonie übers Internet. Ein weiterer Grund für seine Rückkehr: In Skandinavien wurde er nie richtig heimisch. "Die Möglichkeiten der Freizeit-Gestaltung sind dort überschaubar. Ich wohne in Tranby, 33 Kilometer südwestlich von Oslo, da gibt's noch nicht mal ein Restaurant - dabei leben da 5500 Menschen. Und erst das Klima - eine Katastrophe. Die langen Winter, die kurzen Sommer, insgesamt sind das vielleicht 15 Sonnentage im Jahr", erklärt der Vorderpfälzer. Klima - ein Stichwort, das seine Fußballer-Laufbahn bestimmte. Wo Uwe Klimaschefski war, da war Jambo nicht weit: Der charismatische Trainer holte den Schifferstädter 1979 zum FC Homburg in die 2. Bundesliga Süd, nach drei Spielzeiten wechselten sie für vier Jahre zum FCS. Es folgte ein Gastspiel beim 1. FC Nürnberg, dann ging es erneut zum FCH - "Klima" hatte angerufen. Zu guter Letzt, als Jambo bei den norwegischen Erstligisten Mjøndalen IF beziehungsweise Strømsgodset IF spielte, folgte er 1991 noch einmal dem Lockruf von "Klima" zu Blau-Weiß Berlin. Ob er Klimaschefskis Lieblingsspieler war? "Das soll ,Klima' entscheiden, nicht ich", sagt Jambo, der heute wieder beim Heimatclub FSV Schifferstadt bei den Alten Herren kickt. ",Klima' ist ein spezieller Typ Mensch. Aber als Trainer holte er immer das Optimale aus einem Spieler heraus. Nur eben mit sonderbaren Methoden", sagt Jambo schmunzelnd - und schwelgt in Erinnerungen: "Zum FCS kam mal ein neuer Spieler, den hat er alleine Waldlauf machen lassen. Der war aber erst ein paar Tage in Saarbrücken und kannte sich nicht aus. Ernst Traser hat den armen Jungen drei Stunden später bei der Heimfahrt vom Training völlig verwirrt über die Autobahn springen sehen", sagt Jambo lachend - und lässt eine weitere Anekdote folgen: "Oder er stellte mal einen Neuzugang unter die Dusche und ließ ihn Kopfballübungen machen. Er wollte wissen, ob der auch bei Regen spielen kann. Aber das waren alles Spieler, die sich selbst überschätzten. Die hatte ,Klima' gefressen und nahm sie auf die Schippe." Jambo kam mit den Eigenheiten des Trainer-Originals zurecht. Es war eine ehrliche Art, meint er. "Man musste ein harter Hund sein, um bei ihm zu bestehen. Es hieß ,friss oder stirb' - dazwischen gab's nichts. Am Anfang hatte auch ich keinen leichten Stand bei ihm. Ich war ein Bruder Leichtfuß, das gefiel ,Klima' gar nicht. Weil er wusste: Ich war eigentlich ein guter Fußballer, habe aber zu wenig daraus gemacht", erinnert sich der 52-Jährige. Gibt er dem Trainer im Nachhinein Recht? "Was mir fehlte, war Grundschnelligkeit und ein harter Schuss. Dann hätte mehr daraus werden können."Angesichts der heute finanziell auf Rosen gebetteten Profis ärgert es ihn aber nicht, dass er 20 Jahre zu spät geboren wurde: "So war das eben. Und ich habe doch nicht wegen des Geldes Fußball gespielt." Einen Fehler gesteht er sich ein: "Ich bin zu schnell von Nürnberg weg. Trainer Heinz Höher und ich - das passte menschlich nicht. Allerdings hätte ich das beim Club durchziehen sollen. Na ja, so kam wieder die Anfrage vom FCH, und ,Klima' zählte wieder mehr als die Vernunft." Kontakt zu ehemaligen Mitspielern hat Jambo fast keinen. Dafür war er zu lange weg. Aber die Erinnerungen sind lebendig. Aus dem Nebenzimmer holt er einen riesigen Bilderahmen. Auf der Foto-Collage abgebildet: Jambo im Zweikampf mit Bernd Schuster, Karl-Heinz Körbel, Karl-Heinz Rummenigge, Lothar Matthäus. Er hat gegen und mit vielen Großen gespielt. Sein bester Mitspieler war FCH-Ikone Manfred Lenz: "Fußballerisch und charakterlich war Manni ein Vorbild für mich. Im Spiel und im Training ist er unendlich viel gelaufen. Und er war ein super Techniker. Er konnte das allerdings nicht immer zeigen, weil er sein Können zu sehr in den Dienst der Mannschaft stellte." Neben zur Kopfballverlängerung getretenen Eckbällen auf den kurzen Pfosten waren Jambos Elfmeter gefürchtet: Verzögerter Antritt, teils den Anlauf abgebrochen, geschaut, was der Torhüter macht, locker eingeschoben. "Die Elfer waren nicht schlecht, nicht wahr", freut sich der Ex-Profi: "Ich wollte sie am Anfang gar nicht schießen. Das mit dem verzögerten Anlauf ist so richtig erst in Saarbrücken entstanden. Man überlegt sich ja, was für einen Vorteil man haben könnte, und so kam ich auf die Idee mit dem Abstoppen." Überhaupt der FCS. Hier hatte er seine schönsten Erlebnisse: Aufstieg in die 1. Liga. Pokalhalbfinale gegen den späteren Pokalsieger Bayer Uerdingen. "Von Kameradschaft, Erfolgen, Mitspielern her, war das die beste Zeit. Auch das Oberliga-Jahr mit dem FCS war toll", sagt Jambo. < wird fortgesetzt

 Stefan Jambo kehrte in seinen Beruf als Fliesenleger zurück.
Stefan Jambo kehrte in seinen Beruf als Fliesenleger zurück.

Zur PersonStefan Jambo spielte 1979 in der 2. Liga Süd beim FC Homburg. In zwei Spielzeiten kam er auf 65 Einsätze. 1981 ging er zum 1. FC Saarbrücken, wo er 1985 in die Bundesliga aufstieg (103 Partien). Nach kurzer Rückkehr zum FCH wechselte er 1986 zum 1. FC Nürnberg (vier Spiele). In der Saison 1987/88 spielte er wieder für den FCH - 13 Mal in der Bundesliga, ehe er beim FSV Mainz und bei Blau-Weiß Berlin seine Karriere ausklingen ließ. Jambo kommt auf 64 Spiele in der Ersten und 169 in der 2. Liga. Er erzielte 32 Tore. msc