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"Es ist alles möglich"Pro KSV: Köllerbach bringt den Vorsprung nach HauseContra KSV: Mömbris ist so schwer ausrechenbar wie nie

Ein Bild, das sich die Köllerbach-Fans am Samstag in Aschaffenburg wieder wünschen: Ihr Ringer Melonin Noumonvi, links, ist obenauf, sein Gegner liegt besiegt und erschöpft auf der Matte. Foto: Ruppenthal
Ein Bild, das sich die Köllerbach-Fans am Samstag in Aschaffenburg wieder wünschen: Ihr Ringer Melonin Noumonvi, links, ist obenauf, sein Gegner liegt besiegt und erschöpft auf der Matte. Foto: Ruppenthal
Vier Punkte Vorsprung hat der KSV Köllerbach - und das wird auf jeden Fall reichen, um bei der RWG Mömbris-Königshofen zu bestehen. Was mich so sicher macht? Zum einen ist da die Aufstellung. Der Stilartwechsel in vier Klassen kommt den Köllerbachern etwas mehr entgegen. Zum anderen ist da die Stimmung in der f.a.n-Arena in Aschaffenburg. Ja, Sie lesen richtig - die Stimmung Von SZ-Mitarbeiter Michael Aubert

Vier Punkte Vorsprung hat der KSV Köllerbach - und das wird auf jeden Fall reichen, um bei der RWG Mömbris-Königshofen zu bestehen. Was mich so sicher macht? Zum einen ist da die Aufstellung. Der Stilartwechsel in vier Klassen kommt den Köllerbachern etwas mehr entgegen. Zum anderen ist da die Stimmung in der f.a.n-Arena in Aschaffenburg. Ja, Sie lesen richtig - die Stimmung. Die RWG-Fans haben im Hinkampf die Hermann-Neuberger-Halle in Völklingen zur Heimarena gemacht, leidenschaftlich gesungen und angefeuert. Genau das werden die Köllerbacher auch tun. Das ist ihnen trotz der zahlenmäßigen Unterlegenheit auch drei Jahre hintereinander in der berüchtigten "Fläming-Hölle" des 1. Luckenwalder SC gelungen. Und am Ende stand jeweils der Meistertitel.



Der dickste Pluspunkt ist aber der Mannschaftsgeist. Wenn den KSV seit Jahren etwas besonders auszeichnet, dann ist es dieser Zusammenhalt, diese Verschworenheit. Vom Betreuer über die Ringer bis zum Trainerteam, das zum Teil schon seit Jahrzehnten gemeinsam durch Dick und Dünn gegangen ist und auf einen riesigen Schatz an Erfahrungen zurückgreifen kann - ob am Mattenrand oder selbst als Aktiver. Und das wird in der Summe der 20 Kämpfe den Ausschlag für den KSV Köllerbach geben.Nicht nur nur mit breitem Kreuz, sondern auch mit breiter Brust kann die RWG Mömbris-Königshofen in den Rückkampf gegen Köllerbach gehen. Denn wer den deutschen Meister der vergangenen beiden Jahre, Germania Weingarten, aufs (zu schmale) Kreuz legt und ausschaltet, dem muss vor keiner Staffel bange sein.

Einen Vier-Punkte-Rückstand aufzuholen, ist kein Pappenstil. Dass und wie das geht, mussten die Mömbriser in der vorigen Saison leidvoll am eigenen Leibe erfahren, als sie im Halbfinale gar einen Fünf-Zähler-Vorsprung aus der Hand gaben. Doch seitdem ist die Mannschaft gereift, junge Athleten wie Saba Bolaghi nicht mehr so ungestüm. Und die Truppe ist heiß: Im Gegensatz zu Köllerbach (sechs Titel) wartet die RWG, personell noch nie so stark und schwer ausrechenbar wie in dieser Saison, noch immer auf ihre erste Mannschaftsmeisterschaft.

An der Unterstützung von den Rängen wird es nicht liegen. Dazu kommt der Zusammenhalt im Team und die Tatsache, dass die Kahlgründer die mittlerweile schon drei Niederlagen gegen den KSV im bisherigen Saisonverlauf richtig wurmen. Reißt nicht jede Serie irgendwann einmal?

Thomas Steigerwald ist Redakteur des Main-Echos in Aschaffenburg.



Köllerbach. "La lutte, mon sport - La gréco, mon style". Ringen ist mein Sport, griechisch-römisch mein Stil. So beschreibt Melonin Noumonvi seinen Sport. Der Ringer in Diensten des KSV Köllerbach hat immer ein Lächeln auf den Lippen. Für ihn ist das Halbfinale um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft nur ein Zwischenschritt. "Es ist alles möglich", sagt der Franzose.

Mit dem gewonnenen Hinkampf (19:15) gegen die RWG Mömbris-Königshofen hat sich der KSV Köllerbach eine gute Ausgangssituation für den Rückkampf an diesem Samstag in der f.a.n.-Arena in Aschaffenburg (19.30 Uhr) geschaffen. Aber die RWG Mömbris-Königshofen muss und wird alles dagegensetzen. "Ich bin zuversichtlich, dass wir es zu Hause noch drehen können", sagt Peter Behl, Trainer der RWG-Mömbris-Königshofen.

Der Stilartenwechsel in den unteren und oberen Gewichtsklassen spielt allerdings eher dem KSV in die Karten. Für Freistilringer Lyuben Iliev, der mit seinem 3:0-Sieg gegen Michail Ganev entscheidend zum Teilerfolg des KSV beigetragen hat, kommt Noumonvi zum Zug. Es muss ein beruhigendes Gefühl für den KSV sein, dass sie mit "Melo" auch einen Weltklasseringer im griechisch-römischen Stil bis 96 Kilo in ihren Reihen haben. Noch dazu passt er in die Mannschaft und fühlt sich beim KSV sehr wohl.

"Das Umfeld hier ist toll. Außerdem kenne ich die meisten Ringer aus der Bundesliga oder von den internationalen Turnieren. Mit Ibrahim Aldatov hab ich in Frankreich bei "Bagnolet" gerungen", erklärt er. "Bagnolet Lutte 93" ist sein Heimatverein in Paris.

Als zehntes von elf Kindern ist nur er in Frankreich geboren. Weil sein togolesischer Vater viel arbeiten musste und seine Mutter aus Benin nur zu seiner Geburt nach Paris kam, wuchs er dort bei Pflegeeltern auf. Mit acht Jahren stand er in Paris zum ersten Mal auf der Matte, entschied sich mit 18 Jahren erst spät für den klassischen Stil. Neben zahlreichen nationalen Titeln, qualifizierte er sich drei Mal für die Olympischen Spiele (2004, 2008 und 2012) und wurde zweimal Fünfter. 2009 wurde Noumonvi Vizeweltmeister, außerdem gewann er drei Bronzemedaillen bei Europameisterschaften.

Doch so sehr sich Noumonvi endlich einen "großen" Titel wünscht - der 30-Jährige will sich keine langfristigen Ziele mehr setzen. "Ich plane nur noch Jahr für Jahr", sagt er und strahlt über das ganze Gesicht, als er ein Bild mit seinem zweijährigen Sohn Loan im Ringerdress hervorholt. "Er ist ein echter Kämpfer", sagt er stolz. Ganz der Vater also, der auf der Matte nie aufgibt und gerne auch über fünf Runden ringt, wenn es sein muss. "Ich gebe immer 100 Prozent", sagt "Melo", "für den Verein, die Mannschaft, den Trainer und für mich." Und deshalb ist er an diesem Samstag so wichtig.