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"Es hätte auch 2019 sein können"

"Es hätte auch 2019 sein können"

Herr Spandauw, Sie haben in der vergangenen Woche ihren Vertrag in Saarlouis um vier Jahre bis 2013 verlängert. Lange Vertragslaufzeiten sind im Spitzensport eher unüblich. Was hat sie dazu bewogen, sich so lange zu binden?René Spandauw: Der Grund ist eigentlich in einem Satz zusammenzufassen: Es gefällt mir sehr in Saarlouis. Und 2013 ist nur eine Zahl

Herr Spandauw, Sie haben in der vergangenen Woche ihren Vertrag in Saarlouis um vier Jahre bis 2013 verlängert. Lange Vertragslaufzeiten sind im Spitzensport eher unüblich. Was hat sie dazu bewogen, sich so lange zu binden?

René Spandauw: Der Grund ist eigentlich in einem Satz zusammenzufassen: Es gefällt mir sehr in Saarlouis. Und 2013 ist nur eine Zahl. Es hätte auch 2016 oder 2019 sein können. Ich brauche hier nicht weg zu gehen, solange alles so läuft wie in den bisherigen fünf Jahren.

Sie haben sich hier eine Wohnung gekauft, engagieren sich auch abseits der Sporthallen. Sind sie schon so etwas wie ein halber Saarländer?

Spandauw: Ich würde eher sagen Dreiviertel. Mittlerweile beherrsche ich sogar schon etwas das saarländische Vokabular. Ich habe mich mit meinem Co-Trainer und Freund Mariusz Dziurdzia vor allem im 'unn' spezialisiert (grinst).

Sie sind jetzt 50. Auf der Pressekonferenz anlässlich der Vertragsunterschrift fiel scherzhaft das Wort "Rentenvertrag". Sehen Sie das ähnlich?

Spandauw: Es kann sein. Ich denke nicht, dass ich noch jemals einen anderen Verein in Deutschland trainieren werde. Wenn ich allerdings zu diesem Vertragsende in Rente gehen könnte - ich bin dann 55 - wäre es schön, aber ich befürchte, dass es dann finanziell noch nicht reicht. Ich bin eben ein Damen-Basketball-Trainer und kein Fußball-Trainer.

Haben Sie nicht Angst davor, eines Morgens aufzuwachen und sagen zu müssen: Ich habe hier alles erreicht, jeden Titel gewonnen - jetzt will ich woanders hin?

Spandauw: Nein, noch nicht (lacht). Erstens haben wir bislang nur einen Titel geholt, also ist die Herausforderung, den anderen zu holen, noch immer da. Außerdem ist ein Titel schön, aber für mich nur eine Bestätigung von guter Arbeit. Und es gibt hier noch mehr gute Arbeit zu leisten. Wer mich kennt, weiß, dass ich den Weg, der zu den Erfolgen führt, bestimmt so wichtig finde wie das Erreichen des Zieles. Wie wäre es damit, einen Titel mit einer rein deutschen Mannschaft zu holen? Und dann am liebsten alle noch jünger als 23!

Apropos Titel: An diesem Sonntag können Sie mit den Royals ihren zweiten Titel gewinnen. Wie hoch schätzen Sie die Chancen beim Pokalfinale ein?

Spandauw: Hoch, wobei man ganz klar sagen muss, dass Freiburg im Halbfinale zuerst mal geschlagen werden muss. Danach muss man wohl davon ausgehen, dass Oberhausen der Gegner im Endspiel ist, und wenn die den Großteil des Publikums hinter sich haben, kann man nie sagen, was passiert. Wenn wir allerdings so spielen, wie wir können, und wie wir das vor allem in Wasserburg gezeigt haben, kann keine Mannschaft uns diese Saison von einem Titel abhalten.

Sie haben vor der Saison angekündigt, zu Fuß bis nach Kaiserslautern laufen zu wollen, wenn diese junge Mannschaft wieder nur drei Spiele in der Hauptrunde verliert. Das ist nun eingetreten, die Niederlage am Grünen Tisch gegen Oberhausen haben Sie nicht mitgezählt. Laufen Sie wirklich?

Spandauw: Ich werde laufen, denn ich habe es versprochen. Die Frage ist nur, wann ich das mache, denn bis Anfang Mai ist der Terminkalender voll. Ich hätte leicht sagen können, dass die Niederlage am grünen Tisch dazu zählt und hätte mir den Weg sparen können. Aber das Spiel in Oberhausen ist für mich nicht gespielt, und deswegen gab es auch keine Niederlage. Also: ein Mann, ein Wort.

In diesem Jahr scheint sogar das "Double" - also Meisterschaft und Pokalsieg in einer Saison - möglich zu sein. Wie gehen Sie und die Mannschaft mit dem Druck um?

Spandauw: Ich empfinde keinen Druck, und ich spüre auch keinen im Team. Wir haben noch immer Spaß und im Training habe ich oft das Gefühl, dass wir noch in der Vorbereitung sind. So soll es auch sein. Wir versuchen, in jedem Training oder Spiel unser Bestes zu zeigen, und mehr kann man nicht tun. Es gelingt oft, aber es gibt auch Tage, an denen es nicht geht.

Welches ist der größte Unterschied zwischen den Royals dieser und denen der vergangenen Saison?

Spandauw: Diese Mannschaft ist jünger, aber selbstbewusster. Die Spielerinnen haben ihre Ziele klar vor Augen und trauen sich, darüber zu reden. Dazu gibt es noch etwas Außergewöhnliches in dieser Mannschaft, aber darüber werde ich mich - wenn überhaupt - erst nach der Saison äußern.

Angenommen, Sie verteidigen an diesem Sonntag ihren Titel im Pokal - wie lange dürfte gefeiert werden?

Spandauw: Bis Montagabend. Dann heißt es ab ins Bett. Dienstag um 13.15 Uhr erwarte ich die Spielerinnen wieder fit in der Stadtgartenhalle zum Training. Schließlich steht am Freitag schon das erste Play-off-Viertelfinale gegen Göttingen an.