Erster kleiner Dämpfer

Erster kleiner Dämpfer

Nach dem 1:1 gegen Vize-Europameister Norwegen steht den deutschen Fußballerinnen ein Fernduell um den Gruppensieg bevor. Die starke erste Halbzeit macht Mut für den weiteren Turnierverlauf, die zweite war nicht so gut.

In Winnipeg gingen die deutschen Fußballerinnen erst einmal baden. Nach dem Umzug und dem zweieinhalbstündigen Flug von Ottawa gen Westen stand für das DFB-Team am Freitag Regeneration im Schwimmbad des Team-Hotels Delta an. Die Abkühlung hatten sich die Spielerinnen nach der Hitzeschlacht im zweiten WM-Spiel gegen Norwegen verdient.

Erst zeigte die deutsche Mannschaft 45 Minuten Fußball aus dem Bilderbuch, dann schaltete sie in der zweiten Hälfte, wie Nadine Angerer monierte, "einen Gang zurück". Der erste Erklärungsversuch der Spielführerin nach dem 1:1 (1:0) und ersten kleinen Dämpfer: "Unser Spiel ist sehr kraftraubend."

Weil vorne viele toll herausgespielte Torchancen ins Leere liefen, wurde dem zweimaligen Welt- und achtmaligen Europameister das laufintensive Pressing der ersten Hälfte am Ende zum Verhängnis. Die frühe Führung durch einen Abstauber von Anja Mittag (6. Minute) - Dzsenifer Marozsan hatte zuvor aufs Tor geschossen - glich Maren Mjelde (61.) mit einem direkt verwandelten Traum-Freistoß aus 17 Metern genau in den Winkel aus. Angerer zog ihren Hut vor der Schützin: "Springen konnte ich mir sparen. Das wäre verschwendete Energie gewesen. Der war einfach grandios geschossen."

Bundestrainerin Silvia Neid betonte, den gewünschten Power-Fußball könne das Team auch über 90 Minuten durchziehen, "aber man muss mental stark bleiben, braucht gute Aktionen und muss hart arbeiten". Die 51-Jährige zog aber ein positives Fazit: "Ich fand uns insgesamt besser als Norwegen."

Auch im Fernduell besser sein als die punktgleichen Norwegerinnen - das ist die Marschroute für das abschließende deutsche Gruppenspiel am Montag (22 Uhr/ZDF und Eurosport) gegen Außenseiter Thailand. Denn da sich die Skandinavierinnen zeitgleich gegen die Elfenbeinküste beim besten Willen auch keine Blöße geben werden, entscheidet bei Punktgleichheit als erstes Kriterium die Tordifferenz über die Platzierung. Der Gruppensieger gewinnt den Vorteil einer weniger strapaziösen Reiseroute. Statt vom Achtelfinale in Ottawa mal eben über 4000 Kilometer an die Westküste nach Vancouver fliegen zu müssen, stünden dann Viertel- und Halbfinale im nur 200 Kilometer entfernten Montréal auf dem Programm.

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