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LSVS-Skandal
Erste Positionierungen für die Wiederwahl

Unser Foto zeigt eine Außerordentliche Vorstandssitzung des Landessportverbandes. Neben LSVS-Präsident Klaus Meiser (Mitte) hat sich das aktuelle Präsidium versammelt. Ganz links außen sitzt das neue Geschäftsführer-Duo André Forsch und Karin Becker, links neben Meiser sitzt Landtagsdirektor Christof Zeyer.
Unser Foto zeigt eine Außerordentliche Vorstandssitzung des Landessportverbandes. Neben LSVS-Präsident Klaus Meiser (Mitte) hat sich das aktuelle Präsidium versammelt. Ganz links außen sitzt das neue Geschäftsführer-Duo André Forsch und Karin Becker, links neben Meiser sitzt Landtagsdirektor Christof Zeyer. FOTO: Andreas Schlichter
Saarbrücken. Noch 2018 muss sich das durch den Skandal beschädigte Präsidium des Landessportverbandes der Mitgliederversammlung stellen. Tobias Fuchs

Was sagt das Präsidium des Landessportverbandes für das Saarland (LSVS) über den Finanzskandal? Darüber ließ sich einige Zeit nur spekulieren. Die Führung der Dachorganisation des Saarsports sprach mit einer Stimme – der von Präsident Klaus Meiser. Ihm sekundierten Anwälte. Am Freitag vergangener Woche machte sich die zweite Reihe hinter Meiser dann bemerkbar. Als Reaktion auf eine SZ-Umfrage unter den Sportfachverbänden, die der LSVS vertritt, erschien eine „klarstellende Erklärung“, drei Seiten lang. Unterzeichnet vom „LSVS-Präsidium.“ Nun äußerten sich Franz Josef Schumann und Franz Josef Kiefer, die beiden Vize-Präsidenten, über den Skandal. Mit Lothar Altmeyer beantwortete ein weiteres Präsidiumsmitglied die Fragen der SZ.


An der Spitze des LSVS steht der CDU-Politiker und Landtagspräsident Meiser. Ansonsten bildet die Führung die Sportlandschaft der Region ab. Nach eigenen Angaben gehören dem LSVS rund 370 000 Menschen an. Sie verteilen sich auf über 50 Verbände, tausende Vereine. Allein der Saarländische Fußball-Verband (SFV), dessen Präsident Schumann ist, hat gut 100 000 Mitglieder. Kiefer, der zweite LSVS-Vize, führt den Saarländischen Turnerbund, den zweitgrößten Einzelverband im Land. Alle drei Jahre wird das Präsidium des Landesssportverbands neu gewählt. Wann die nächste Mitgliederversammlung stattfindet? In diesem Jahr. Nach Einschätzung von LSVS-Geschäftsführerin Karin Becker könnte die Aufarbeitung des Skandals bis 2019 andauern.

„Frau Becker ist sehr vorsichtig“, sagt Schumann: „Ich gehe davon aus, dass wir früher zu Ergebnissen kommen.“ Will Schumann im Präsidium weitermachen? 2015 hatte der 69-Jährige darüber nachgedacht, nicht mehr anzutreten. „Jetzt haben wir eine andere Situation“, meint er. Angesichts des Skandals erwägt Schumann eine erneute Kandidatur. Es soll nicht so aussehen, als ob er kneife. An einen Rücktritt denkt der Sportfunktionär nicht. Natürlich prüfe sich jeder selbst, sagt Schumann. Aber: Der frühere Chef des Sparkassenverbands Saar verweist auf ausgeglichene Haushaltspläne und Jahresabschlüsse, die ein Wirtschaftsprüfer für den LSVS kontrollierte. Seine Aufsichtspflichten will Schumann erfüllt haben: „Die Prüfberichte sind kleine Bücher, die schaue ich mir natürlich an“, sagt er: „Mehr können Sie nicht machen.“

Auch Kiefer möchte seine Arbeit im Präsidium fortsetzen. „Natürlich werde ich wieder kandidieren“, kündigte der LSVS-Vize an. Er fühle sich in keiner Weise verantwortlich für das, was passiert sei, sagt er. Wobei Kiefer auf die Historie des Finanzlochs beim LSVS verweist: „Wenn es denn so ist, wie es uns von den Wirtschaftsprüfern und Juristen gesagt wird, geht das ja schon sehr weit zurück.“ Kiefer war 2015 erstmals ins LSVS-Präsidium gewählt worden, sechs Jahre nach der Einstellung des suspendierten Geschäftsführers H.

Neben den Vize-Präsidenten gehören der Führung noch Altmeyer (Saarländischer Leichtathletik-Bund), Eugen Roth (Handball-Verband Saar), Karin Nonnweiler (Saarländischer Judo­bund), Andrea Pielen (Kneippbund) und Udo Genetsch von der Saarländischen Sportjugend an. Aus diesem Kreis äußerte sich Altmeyer zu möglichen Kürzungen für die Verbände, die für 2019 nicht ausgeschlossen werden – ausgehend von einem strukturellen Defizit, das sich laut LSVS auf eine halbe Million Euro jährlich belaufen soll: „Wenn es jetzt insgesamt um eine Summe von 500 000 Euro geht, wird der einzelne Fachverband davon hoffentlich nur marginal betroffen sein“, sagt Altmeyer. Die etwas größeren Verbände hätten immer Möglichkeiten, ganz kleine Beträge einzusparen. Altmeyer nannte eine Größenordnung von ein bis zwei Prozent. 2017 beliefen sich die Zuwendungen des LSVS an seine Mitglieder auf 3,4 Millionen Euro.



Weiterhin unklar erscheinen unterdessen die Umstände, unter denen die Lebensgefährtin von Verbands-Chef Klaus Meiser einen Nebenjob beim LSVS bekam. Die Stelle war nicht offen ausgeschrieben gewesen. Dem SR sagte Meiser, das Präsidium sei über die Personalie informiert worden. Nach SZ-Informationen wurde die 54-Jährige bei einer Klausturtagung vorgestellt – als Ansprechpartnerin im Landtag. Dort leitete sie das Büro von Meiser. Dass sie auch vom LSVS entlohnt werden würde, soll nicht allen im Präsidium klar gewesen sein. Erst am vergangenen Donnerstag befasste man sich eingehend mit dem Beschäftigungsverhältnis.