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Ski alpin
Dreßen bewahrt sich seine Lockerheit

Thomas Dreßen gehört seit seinem Sieg auf der legendären Streif in Kitzbühel zu den deutschen Stars im alpinen Ski-Zirkus.
Thomas Dreßen gehört seit seinem Sieg auf der legendären Streif in Kitzbühel zu den deutschen Stars im alpinen Ski-Zirkus. FOTO: dpa / Michael Kappeler
Lake Louise. Kitzbühel-Sieger startet an diesem Wochenende mit Abfahrt und Super-G in Lake Louise in die Saison. sid

Thomas Dreßen steht mit leuchtenden Augen am Fuße der „Men’s Olympic“ in Lake Louise, die Vorfreude auf die WM-Saison ist ihm anzusehen. „Jetzt geht’s endlich wieder los, wir sind alle heiß“, sagt der beste deutsche Abfahrer vor dem Start der Geschwindigkeits-Saison am Wochenende in Kanada: „So schön das Trainieren ist: Wir sind Rennfahrer und wollen zeigen, was wir können.“


Dass das bei Dreßen eine ganze Menge ist, ist spätestens seit dem 20. Januar bekannt. Damals gewann er die Weltcup-Abfahrt auf der legendären „Streif“ in Kitzbühel, als erster Deutscher seit 39 Jahren. Dreßen ließ diesem Triumph einen weiteren in Kvitfjell folgen, dazu kamen zwei weitere Podestplätze, Rang drei im Abfahrtsweltcup und Platz fünf bei Olympia in Pyeongchang. Und weil Gaudibursch Dreßen abseits der Piste oft einen lockeren Spruch auf den Lippen hat, hatte der Deutsche Skiverband in seiner Alpin-Sparte neben Felix Neureuther plötzlich einen zweiten Star.

„Ein richtiges Halligalli“ nennt Dreßen das, was folgte. Der Kitzbühel-Sieger wurde herumgereicht, tauschte mit Fußball-Weltmeister Thomas Müller Trikot und Startnummer sowie mit Formel-1-Held Sebastian Vettel den Rennhelm. Er bekam eine Gondel in Kitzbühel und trug sich in seiner Heimatgemeinde Mittenwald ins Goldene Buch ein. Dabei sei er gar „nicht der Typ“ für große Aufläufe, sagt Dreßen: „Ich habe es lieber ein bisschen ruhiger.“ Die Wünsche der Fans erfüllt er gerne, doch er ist froh, dass der Rummel Grenzen hat. „Es hat noch nie einer bei mir daheim geklingelt, der nicht eingeladen war – außer der Dopingkontrolle“, sagt er und lacht.



Diese Lockerheit will er sich auch auf Skiern bewahren. „Ich setze mir nie ein Ergebnis als Ziel, da machst du dich nur kaputt“, sagt er. Das gelte für den Auftakt mit Abfahrt (Samstag, 20.15 Uhr) und Super-G (Sonntag, 20 Uhr) genauso wie für den Saisonhöhepunkt, die WM im Februar in Are. „Wenn du den Gedanken zulässt: Boah, es ist WM, das ist etwas Besonderes, dann wird es schwierig“, sagt der seit Donnerstag 25-Jährige.

Dass er inzwischen zu den Favoriten zählt, soll an seiner Herangehensweise nichts ändern. Etwas habe sich aber doch geändert, betont er: „Die Motivation ist auf alle Fälle größer.“ Der Sprung aufs Stockerl sei „nicht mehr länger ein Traum, sondern realistisch. Wenn man das merkt, will man mehr davon, weil es einfach geil ist. Dafür stehst du jeden Morgen auf und reißt dir den Arsch auf“, sagt Dreßen. Außerdem habe er keine Lust drauf, dass Kitzbühel „ein einmaliger Geschichtsbucheintrag wird“.