1. Sport
  2. Saar-Sport

Erst vier Zeilen, dann drei Punkte

Erst vier Zeilen, dann drei Punkte

Mit einem Sieg heute beim FK Pirmasens kann Regionalligist 1. FC Saarbrücken einen großen Schritt Richtung Relegation machen. Derweil sorgt die Terminierung einer Mitgliederversammlung für Verwirrung.

Kaum vier Zeilen auf Briefpapier war die Pressemitteilung lang, die Fußball-Regionalligist 1. FC Saarbrücken am Montag versendete: "Der 1. FC Saarbrücken lädt alle Mitglieder im Vorfeld der kommenden Saison zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung. Veranstaltungsort am 29. Juni 2015 ist die Congresshalle in Saarbrücken. Los geht es um 19 Uhr. Der Kernpunkt der Versammlung liegt auf der Neuwahl/Nachwahl von Vereinsgremien."

Momentan sind drei Positionen vakant. Nach dem Tod von Gerhard Bermann im März wurde vom Präsidium noch kein neues Mitglied für den Ehrenrat vorgeschlagen. Der Platz des ehrenamtlichen Jugendleiters ist seit dem Rücktritt von Jan Berger und der Einsetzung der hauptamtlichen Jugendkoordinatoren Stephan Kling und Martin Forkel 2014 unbesetzt. Dies wären die von einer Mitgliederversammlung (MV) wählbaren Positionen. Den fehlenden Vize-Präsidenten bestellt der Aufsichtsrat (AR) direkt, nicht die Mitglieder.

"Ich weiß nicht, was das soll, uns den Termin einfach so vor die Nase setzen, ohne dass über die Inhalte gesprochen würde", erklärte AR-Chef Michael Arnold gestern, "aber im Moment ist es ohnehin wichtiger, Mannschaft und Trainer in den letzten Spielen unterstützen." AR-Mitglied Florian Kern zeigte sich ebenfalls überrascht, denn "bei der letzten gemeinsamen Sitzung gab es keinen Konsens über eine MV." AR-Kollege Horst Hinschberger war sogar erbost: "Es ist ein Unding, dass die einzigen demokratisch legitimierten Vereinsvertreter von nahezu allen Entscheidungen nur über die Medien erfahren."

Von einem freiwilligen Rückzug aller oder einzelner AR-Mitglieder kann man derzeit nicht ausgehen. "Ich sehe nur ein Mitglied dieses Gremiums, das über diesen Schritt nachdenken sollte", sagte Arnold, ohne Namen zu nennen, "ich für meinen Teil tue das nicht. Man muss sich auch fragen, ob die Probleme des Vereins damit gelöst werden, wenn drei oder vier Aufsichtsräte ausgetauscht würden." Hinschberger dagegen stehe "einer Neuordnung nicht im Wege, wenn dieser ein sinnvolles Konzept mit der entsprechenden Personalisierung zugrunde liegt". Dabei dürfe es nicht um "Posten und Positionen gehen, sondern um die Zukunftsfähigkeit des Vereins. Ohne eine Neuwahl des AR wird sich im Verein nichts ändern", sagte der Ex-Präsident.

Sein Nachfolger Hartmut Ostermann versteht die Aufregung nicht. "Das war doch alles besprochen und beschlossen. Ich werde den Teufel tun und eine MV einberufen, die nicht abgesprochen ist. Das einzig Neue ist doch jetzt, dass ein Termin feststeht, an dem die Mitglieder die abgelaufene Saison aufarbeiten können", sagte Ostermann. Dass der Präsident sich unmittelbar nach einer Saison mit noch offenem Ausgang dem Votum der Mitglieder stellt, ist ein durchaus mutiger und ungewöhnlicher Schritt.

Beim Zeitpunkt mussten die Hallenbelegung, die Ferien und die möglichen Relegationsspiele berücksichtigt werden. "Damit wollen wir Bewerbern auf möglicherweise frei werdende Ämter die Möglichkeit geben, die Fristen einzuhalten" sagte der FCS-Präsident und ließ offen, ob es in der MV auch um eine mögliche Ausgliederung gehen könnte: "Die Tagesordnung steht noch nicht fest."

Über 2000 Mitglieder hat der FCS. Etwa genauso viele Fans werden heute im Stadion Husterhöhe erwartet, wenn der FCS um 19 Uhr beim FK Pirmasens antritt. "Wir treffen auf eine Mannschaft, die 2015 genauso viele Punkte geholt hat wie wir. Aber man darf den Gegner auch nicht stärker reden, als er ist", sagte FCS-Trainer Fuat Kilic, "unser Ziel ist es, in Pirmasens und gegen Neckarelz sechs Punkte zu holen." Damit wären die Aufstiegsspiele zur 3. Liga erreicht.