1. Sport
  2. Saar-Sport

Erst der Erfolg, dann die Förderung?

Erst der Erfolg, dann die Förderung?

Die mit Spannung erwartete Reform zur Förderung des deutschen Spitzensports liegt in ihrer Rohform auf dem Tisch. Zunächst fallen morgen die Sportpolitiker im Sportausschuss des Bundestages darüber her.

Was wird aus dem deutschen Spitzensport ? Wollen wir mehr Medaillen bei Olympischen Spielen? Sind wir bereit, dafür mehr Geld auszugeben? Diese und andere Fragen um die Bedeutung des Sports in unserer Gesellschaft begleiten die Debatte um die Reform zur Spitzensportförderung, die morgen in ihrer Rohform im Sportausschuss des Deutschen Bundestages das Licht der Welt erblickt. "Es ist unstrittig, dass wir eine Reform benötigen. Aber die große Frage ist, nach welchen Kriterien sich die Förderung in Zukunft richtet", sagt Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik Verbandes (DLV). Der DLV ist einer der Spitzenverbände im deutschen Leistungssport.

Seit Monaten basteln das für den Sport zuständige Bundesinnenministerium (BMI) und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) im Hinterzimmer an dem Konstrukt. Bundesinnenminister Thomas de Maizière persönlich will morgen das erste Ergebnis vorstellen. Dem CDU-Politiker ist das Werk ans Herz gewachsen, der enorme Einfluss seines Hauses auf die Neufassung ist längst kein Geheimnis mehr.

Sukzessive wandert die Neuordnung des deutschen Sports durch die Gremien. Für den 18. Oktober ist eine Aussprache mit den Spitzensportverbänden terminiert. Am 19. Oktober findet die öffentliche Anhörung im Sportausschuss des Deutschen Bundestages mit ausgewählten Gästen aus der Welt des Sports statt. "Wir sind erstaunlich weit", sagt Ole Schröder , Parlamentarischer Staatssekretär im BMI. Über die Finanzierung herrschen dennoch unterschiedliche Meinungen. Während aus dem BMI zu hören ist, dass der augenblickliche Etat (162,6 Millionen Euro für 2017) nicht großartig verändert werden müsse, rechnet der Sport mit deutlichen Mehrausgaben.

Angesichts des weitreichenden Ausmaßes der Reform ist kein Schnellschuss zu erwarten. Wahrscheinlich erst zu 2018 werden alle neuen Maßnahmen greifen. Die Vorbereitungen auf die nächsten Olympischen Spiele Anfang 2018 in Pyeongchang/Südkorea folgen demnach noch den alten Vorgaben.

Inhaltlich haben sich die Macher an einem Paradigmenwechsel versucht. In Zukunft bekommen die Verbände nicht mehr eine Summe x ausgezahlt. Stattdessen richtet sich die Förderung verstärkt nach Sportlern und Gruppen, die bei Großereignissen Chancen auf Edelmetall haben. Ist der Athlet ein ausgewiesener Kandidat auf Gold, Silber oder Bronze, soll das komplette Umfeld außerordentlich unterstützt werden.

Das neue Fördersystem dringt intensiver in das Eigenleben der Verbände ein und hinterfragt sämtliche Unterdisziplinen wie etwa beim Schwimmen das Synchronschwimmen. Bei fehlender Perspektive sollen ganze Disziplinen durchs Raster fallen. Mit einem überzeugenden Konzept könnten sie in die Förderung zurückkommen. Der dreimalige Kanu-Olympiasieger Sebastian Brendel begrüßt einen erfolgsorientierten Ansatz. "Wichtig ist, dass erst der Erfolg kommt und dann die Förderung", sagt der Potsdamer, auch wenn eine solche Reihenfolge auf Kosten der Vielfalt gehe. "Aber an irgendwelchen Stellen muss man ja ansetzen", sagt der 28-Jährige.

DLV-Präsident Prokop weist darauf hin, dass sich die Förderung nicht allein nach der Menge der Medaillen richten dürfe. So habe es in der Leichtathletik beispielsweise eine sehr lange Durstphase im Dreisprung gegeben, ehe in diesem Sommer bei den Europameisterschaften in Amsterdam urplötzlich Max Heß dort Gold gewann. "Solche Überraschungen wären nicht mehr möglich, wenn man die Förderung für den Dreisprung gestoppt hätte", sagt Prokop.