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Erinnerungen an die "große Bundesliga"

Erinnerungen an die "große Bundesliga"

Homburg/Neustadt am Rübenberge. Die Großen der Fußballwelt, er hat sie fast alle gesehen. Und auch Homburg, die kleinste Stadt der Bundesliga-Geschichte, findet sich im Lebenslauf von Roman Wojcicki. Heute ist der 52-jährige Ex-Profi Physiotherapeut in Neustadt am Rübenberge in der Nähe von Hannover. Und scheint mit sich komplett im Reinen zu sein

Homburg/Neustadt am Rübenberge. Die Großen der Fußballwelt, er hat sie fast alle gesehen. Und auch Homburg, die kleinste Stadt der Bundesliga-Geschichte, findet sich im Lebenslauf von Roman Wojcicki. Heute ist der 52-jährige Ex-Profi Physiotherapeut in Neustadt am Rübenberge in der Nähe von Hannover. Und scheint mit sich komplett im Reinen zu sein.

Natürlich - wenn seine Profizeit zehn Jahre später gewesen wäre, hätte er durch das Bosman-Urteil deutlich mehr Geld verdienen können. "Wir haben auch gut verdient, sicher nicht so gut wie heute", sagt Wojcicki. Nach seiner Profi-Karriere absolvierte er eine Umschulung zum Physiotherapeuten. Heute hat Roman Wojcicki seine eigene Praxis. 300 Quadratmeter, ein Trainingsraum, in der Praxis arbeiten zehn Angestellte. Darunter auch Wojcickis Frau Sylwia und sein Sohn Pawel (26). "Ich bereue es nicht, mich selbstständig gemacht zu haben", sagt Wojcicki und betont, froh über seine Arbeit zu sein. "Ich bin immer in Bewegung. Ein Job am Computer wäre nichts für mich", meint der Pole mit dem deutschen Pass und lacht.

Bewegung kennzeichnete auch lange Zeit das Leben von Wojcicki. Als einer der ersten polnischen Spieler kam er 1986 zum FC Homburg. Der war gerade zum ersten Mal in die Bundesliga aufgestiegen. In 59 Bundesligaspielen traf er acht Mal für den FCH. "Ich war 28 und wollte schon immer in die Bundesliga. Das Stadion war immer voll, die Atmosphäre für eine so kleine Stadt gut. Wir hatten keinen Star in der Mannschaft", erinnert sich Wojcicki. Allerdings hakte es doch etwas bei der Integration. "Wir hatten keinen Sprachkurs, nichts. Haben uns hingesetzt und selbst gelernt. Das war nicht so profihaft. Andrzej ging es genauso", berichtet Wojcicki.

Mit Andrzej meint er seinen Landsmann Andrzej Buncol, der ebenfalls in der Saison 1986/87 beim FCH spielte. Der Mittelfeldspieler wechselte 1987 zu Bayer Leverkusen. "Andrzej war wichtig für mich. Mit ihm spielte ich auch im Nationalteam, wir haben uns auf dem Platz blind verstanden. Er trat viele Freistöße, ich war kopfballstark und wusste schon, wo der Ball hinkommt", sagt der Ex-Profi. Abwehrmann Wojcicki blieb auch nach dem Abstieg 1988. Er erlebte Vereinsboss Udo Geitlinger, Manager Manfred Ommer, die Trainer Fritz Fuchs, Uwe Klimaschefski, Udo Klug und Slobodan Cendic.

Es war die Zeit der Posse um Homburgs Trikotwerbung. Dem Deutschen Fußball-Bund gefiel die Werbung für die Kondommarke London nicht. Bis das geklärt war, spielten die Homburger mit einem schwarzen Balken auf der Brust - und London bekam noch mehr Aufmerksamkeit.

1989 folgte für Wojcicki der Wechsel zu Hannover 96. Mit den Niedersachsen wurde er 1992 Pokalsieger, verwandelte beim 4:3 im Finale gegen Borussia Mönchengladbach einen Elfmeter im Elfmeterschießen. "Das war mein schönstes Erlebnis. Eine Riesenfete und so viele Menschen auf der Straße", schwärmt Wojcicki. Die deutschen Tugenden wie Disziplin und Pünktlichkeit hat er längst verinnerlicht. In Hannovers Umland blieb der 52-Jährige mit seiner Familie auch hängen.

Vor acht Jahren war er zuletzt in Homburg, besichtigte die Stadt und das Stadion. "In einer Kneipe hingen sogar noch Bilder von uns", erinnert sich Wojcicki. Letztens rief ihn noch der ehemalige FCH-Masseur Willi Wiehn an. Für seine alten Vereine interessiert sich der Mann mit der Fußballlehrer-Lizenz immer. Was bleibt, sind die schönen Erinnerungen. An Gegenspieler wie die Brasilianer Careca, Zico oder Socrates. Und es bleiben Trikots von früher - von Ian Rush, Hans Krankl oder Paolo Rossi. "Ich habe schöne Erinnerungen an Homburg, sagen Sie allen viele Grüße", sagt Wojcicki zum Abschied. Dass man sich von Erinnerungen aber nichts kaufen kann, wissen sie auch in Homburg. So sagt Wojcicki: "Aus der großen Geschichte Bundesliga ist wieder ein kleiner Amateurverein geworden." > wird fortgesetzt

"Wir hatten keinen Sprachkurs, nichts."

Roman Wojcicki über seine Anfangszeit

in Deutschland

Zur Person

Roman Wojcicki wurde am 8. Januar 1958 im polnischen Nysa geboren. Er spielte bei Odra Opole, Slask Wroclaw und Widzew Lodz, ehe er 1986 den Sprung nach Deutschland zum FC Homburg wagte. Nach dem Bundesliga-Abstieg des FCH wechselte Wojcicki 1989 zu Hannover 96, mit denen er 1992 den DFB-Pokal gewann. Zum Karriere-Ausklang spielte der Verteidiger für den TSV Havelse. Dort wurde er auch Spielertrainer. Nach Stationen bei mehreren Amateurvereinen in der Nähe von Hannover trainiert der 52-Jährige nun nur noch bei der Fußballschule von 96.

Roman Wojcicki im Trikot des FC Homburg. Die Kondom-Werbung war mit einem schwarzen Balken verdeckt. Foto: Hartung.

Wojcicki hatte von 1978 bis 1989 62 Einsätze (zwei Tore) für die polnische Nationalmannschaft. Bei der Weltmeisterschaft 1982 wurde er im Spiel um Platz drei gegen Frankreich (3:2 für Polen) zur Pause eingewechselt. In Mexiko bei der WM 1986 bestritt er alle vier Spiele der Polen bis zum 0:4 im Achtelfinale gegen Brasilien über die volle Spielzeit. raps