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Er hatte viele Stars in den Händen

Er hatte viele Stars in den Händen

In der Fußball-Regionalliga tritt der FC Homburg bei Drittliga-Absteiger Kickers Offenbach an. Auch der neue Physiotherapeut Karel Malis, der mit vielen großen Fußballern arbeitete, hofft auf eine Trendwende.

Zwei Punkte aus den letzten vier Spielen - so lautet die triste Zwischenbilanz des FC Homburg vor der Begegnung bei Kickers Offenbach an diesem Samstag um 14 Uhr in der Fußball-Regionalliga. Während FCH-Trainer Christian Titz und seine Spieler auf der Suche nach dem verlorenen sportlichen Niveau sind, ist der Verein in der medizinischen Betreuung seiner kickenden Angestellten weiter. So weit, wie es bei einem Regionalligisten kaum zu vermuten wäre.

Wenn Karel Malis, seit Kurzem neuer Physiotherapeut beim FCH, seinen beruflichen Werdegang erzählt, kann einem von den vielen großen Namen, die darin auftauchen, schon schwindlig werden. "Ich habe mit Ronaldo, Bebeto, Leonardo, Hagi und vielen anderen großen Fußballern gearbeitet. Pavel Nedved habe ich während seiner gesamten Karriere begleitet", erzählt der in der damaligen Tschechoslowakei geborene Sohn einer deutschen Mutter und eines frankoitalienischen Vaters, während er durch ein Album mit Fotos, auf denen er mit unzähligen Stars abgebildet ist, blättert. Auch Wayne Gretzky, der beste Eishockeyspieler aller Zeiten, hat bei Malis während dessen Zeit als Physiotherapeut der kanadischen Eishockey-Nationalmannschaft in den frühen neunziger Jahren oft auf dem Behandlungstisch gelegen.

Doch der heute 54-Jährige wollte zurück in den Fußball. "Ich bin ein Fußballverrückter. Fußball ist mein Leben", sagt der frühere Torwart des tschechischen Clubs Banik Ostrau, der wegen eines Kreuzbandrisses mit 24 Jahren seine aktive Karriere beenden musste.

Im deutschen Fußball hat Malis anschließend beim Bundesligisten SC Freiburg angefangen. 1996 kam dann das Angebot, die tschechische Nationalmannschaft als Physiotherapeut zu betreuen - gerade rechtzeitig vor der Europameisterschaft, wo Tschechien sich erst im Endspiel den Deutschen mit 1:2 geschlagen geben musste. "Das war eine tolle Zeit, die erfolgreichste der tschechischen Fußball-Geschichte", erzählt Malis mit sichtlichem Stolz.

Zwölf Jahre lang, in denen sich die Stars der internationalen Top-Clubs die Klinke bei dem Physiotherapeuten in die Hand gaben, blieb er bei den Tschechen, bevor es ihn 2008 zum griechischen Erstligisten Skoda Xanthi zog. Dort blieb er bis Ende der letzten Saison. "Dann kam die Finanzkrise, und der Verein bekam riesige finanzielle Probleme. Danach sollte ich zu Dynamo Moskau. Doch der Sportdirektor, der mich haben wollte, wurde eine Woche später entlassen. Es ist schwierig, einen Job zu finden, während die Saison läuft", erklärt Malis, wie er plötzlich ohne Job dastand.

Durch einen Bekannten habe der Tscheche, der Verwandte in Merzig hat, dann gehört, dass der FCH einen Physiotherapeuten sucht und dort kurzentschlossen einen Einjahresvertrag unterschrieben. "Ich kann nicht zu Hause sitzen, wenn Fußball im Fernsehen läuft. Ich muss in der Kabine bei den Spielern sein", sagt er. Ist Homburg also nur eine kurze Übergangslösung? "Wir sind dabei, hier etwas zu entwickeln. Wenn ich sehe, dass es vorangeht, kann ich mir vorstellen, länger zu bleiben. Ich hoffe, dass die Mannschaft in die 3. Liga aufsteigt", sagt Malis: "Ich muss immer ein Ziel haben. Wenn du siehst, dass es besser wird, dann siehst du auch, dass es einen Sinn hat."