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| 19:46 Uhr

Enttäuschungen reihen sich aneinander

David Storl vergräbt sein Gesicht hinter den Händen. Der Kugelstoßer erlebte im olympischen Finale ein Debakel und kam nicht annähernd an seine Bestform heran. Foto: Kappeler/dpa
David Storl vergräbt sein Gesicht hinter den Händen. Der Kugelstoßer erlebte im olympischen Finale ein Debakel und kam nicht annähernd an seine Bestform heran. Foto: Kappeler/dpa FOTO: Kappeler/dpa
Rio de Janeiro. Kugelstoßer David Storl und die Speerwerferinnen Christina Obergföll, Linda Stahl und Christin Hussong setzten die Reihe der Enttäuschungen der deutschen Leichtathleten fort. Von Medaillen sind sie weit entfernt. sid-Mitarbeiter Christoph Leuchtenberg

Die Stars schwächeln, positive Überraschungen bleiben fast komplett aus: Nach den Schwimmern bahnt sich auch bei den Leichtathleten eine herbe Pleite für das deutsche Team an. In Rio reiht sich auch in der zweiten olympischen Kernsportart eine Enttäuschung an die andere.

Bis Freitagabend gab es lediglich zwei Podestplätze: Gold und Bronze durch die Diskuswerfer Christoph Harting und Daniel Jasinksi. Die acht Medaillen von London? Nicht mehr zu erreichen. Die offizielle Zielvorgabe des Deutschen Olympischen Sportbundes von mindestens vier Mal Edelmetall? Steht auf der Kippe. Der Hauptgrund: Ausgerechnet in den sonst so medaillenträchtigen Disziplinen gehen die Topathleten des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV) überraschend leer aus.

In der Nacht zu Freitag setzte der zweimalige Kugelstoß-Weltmeister David Storl mit Platz sieben die Pleitenserie fort. "Keine Technik, nur die Brechstange. Ein beschissenes Jahr geht mit dem Tiefpunkt zu Ende", sagte Storl. 20,64 Meter brachte er mit dem noch besten von sechs teils schauerlichen Versuchen zustande - eine Weite, die er sonst quasi in Straßenschuhen stößt. Fast zwei Meter lag er hinter dem amerikanischen Sieger Ryan Crouser zurück, der freilich mit 22,52 Meter ein schon fast beängstigendes Resultat erzielte.

Auch die hochgehandelten deutschen Speerwerferinnen erlebten einen Wettkampf zum Vergessen. Beste war noch die ehemalige Weltmeisterin Christina Obergföll - auf Platz acht mit 62,92 Metern. "Ich habe meinen Seelenfrieden, weil ich beste Deutsche bin", sagte Obergföll: "Ich muss mich nicht rechtfertigen." Die EM-Zweite Linda Stahl , vor vier Jahren in London hinter Obergföll Olympiadritte, wurde nur Elfte (59,71 Meter). Erstmals seit 16 Jahren gab es keine Medaille durch eine deutsche Speerwerferin. Zudem steht dort ein Generationenwechsel an. Obergföll und Stahl hören auf. Die deutsche Meisterin Christin Hussong vom LAZ Zweibrücken beendete ihre Olympia-Premiere als enttäuschte Zwölfte (57,70).

Schon zuvor hatten einige Stars geschwächelt: Qualifikations-Aus für Robert Harting (Diskus) und Raphael Holzdeppe (Stabhochsprung), Platz sechs für Christina Schwanitz (Kugel). Alle hatten wie Storl nach Verletzungen eine schwierige Saison. Dazu gab es noch Rang vier für Betty Heidler (Hammer). Die Diskuswerferinnen mit Nadine Müller und Julia Fischer landeten ebenfalls nicht auf dem Podest. Vize-Weltmeisterin Cindy Roleder hatte gegen die Übermacht der US-Sprinterinnen trotz guter Leistung das Nachsehen. "Es ist teils individuelles Pech, kein strukturelles Problem", sagte DLV-Chef Clemens Prokop: "Es kommen neue Namen nach."

Sprinterin Gina Lückenkemper (20) etwa oder Weitspringerin Malaika Mihambo (22). Sie sprang Bestleistung (6,95), wurde Vierte. "Wenn das nicht reicht, dann ist das in Ordnung", sagte Mihambo. Das konnten aber nur die wenigsten der deutschen Athleten von sich behaupten. Auch Zehnkämpfer Arthur Abele nicht, der als Nummer zwei der Welt angereist war und enttäuschte: 8013 Punkte, Platz 15. Kai Kazmirek machte es beim erwarteten Sieg des US-Amerikaners Ashton Eaton (8893) besser. Doch auch hier reichte eine Bestleistung (8580) nicht zur Medaille, sondern nur zu Rang vier.Muhammad Ali , Pelé , Usain Bolt . Unaufhaltsam sprintet der jamaikanische Leichtathletik-Star in den Olymp des Sports. Nach dem unwiderstehlichen Sturm zu seiner achten Goldmedaille bei Sommerspielen fühlt sich der 29-Jährige bereit für die Aufnahme in die Heldenriege der Athleten. "Ich habe der Welt bewiesen, dass ich der Größte bin. Dafür bin ich hier, und das mache ich auch. Das sind meine letzten Olympischen Spiele, ich kann nichts anderes mehr beweisen", betonte Bolt nach seinem Triumph über die 200 Meter. "Ich versuche, einer der Größten zu sein - einer inmitten von Ali und Pelé . Ich hoffe, dass ich nach den Spielen von Rio zu dieser Gruppe gehöre."

Bolts Auftritt war wieder einmal Extraklasse. Auf seiner Galastrecke spurtete er, seiner Konkurrenz selbst bei Wind und Regen enteilt, in 19,78 Sekunden durchs Ziel. Silbermedaillengewinner Andre de Grasse (20,02) und der Dritte Christophe Lemaitre (20,12) kamen da nicht mit. "Er ist ein Meisterschaftstyp, ein unglaublicher Kerl", schwärmte Lemaitre.

Nur einmal strauchelte Bolt - nach dem Ziel. "Ich bin happy, dass ich mir den Weltrekord geholt habe", sagte er, bemerkte den Fauxpas aber sofort: "Äh, das Gold!" In der Tat war es die langsamste Zeit, mit der er jemals ein großes Finale über seine Lieblingsstrecke gewann. Von der oft gesehenen aufreizenden Lässigkeit war auf den letzten Metern keine Spur. Er hatte für seine Verhältnisse mit sich zu kämpfen, biss auf die Zähne, verzog vor Anstrengung die Mundwinkel. "Ich wollte schneller laufen, ich wollte Weltrekord laufen. Aber ich werde älter", erklärte der 29-Jährige. Seit sieben Jahren jagt er schon seiner eigenen Fabelzeit von 19,19 Sekunden hinterher. Sie bleibt weiter bestehen.