2. Handball-Bundesliga: Enttäuschender Abschied und Kritik von vielen Seiten

2. Handball-Bundesliga : Enttäuschender Abschied und Kritik von vielen Seiten

Die HG Saarlouis hat im letzten Saison-Heimspiel in der 2. Handball-Bundesliga ein Debakel erlebt. Danach fielen deutliche Worte – auch gegen den Verein.

Stinksauer waren Trainer Philipp Kessler und der Vorsitzende Richard Jungmann nach dem vorerst letzten Zweitliga-Heimspiel der HG Saarlouis. Die nach der Saison auseinanderfallende Mannschaft präsentierte sich bei der 23:35 (9:16)-Pleite gegen Wilhelmshavener HV wie ein verdienter Absteiger und geht dadurch sicher als Tabellenletzter in die 3. Liga.

„Es ist eine Katastrophe, die wir abgeliefert haben. Vielleicht war die Abschlussfahrt nach Mallorca heute mehr in den Köpfen als Handball“, wetterte Kessler über den „grausamen“ und „peinlichen“ Auftritt seiner Mannschaft, für den er sich beim Publikum entschuldigte. Jungmann pflichtete ihm bei: „Das kann man unterschreiben.“

Nicht unterschrieben bei der HG haben alle diejenigen, die im Anschluss offiziell verabschiedet wurden: Jerome Müller (zu Eulen Ludwigshafen), Lars Weissgerber (HSG Wetzlar), Martin Murawski (wohl zum HC Erlangen), Yann Polydore (Hätzfelder Bullen), Moritz Barkow (HB Esch), Tom Paetow (VTZ Saarpfalz), Marcel Engels (TV Großwallstadt), Michael Schulz (Rimpar) sowie Julius Lindskog Andersson (wohl TuS Ferndorf) und Falk Kolodziej. Kolodziej hoffte offenbar vergebens auf Angebote aus der 2. Liga. „Er hat lange gepokert“, sagte Trainer Kessler, der den Spielmacher gerne in seinem neuen Team gesehen hätte: „Leider hat er uns relativ spät gesagt, dass er sich anders orientieren wird.“ Kolodziej machte zu seiner Zukunft keine Aussage.

Michael Schulz schon. Nach acht Jahren bei der HG Saarlouis wechselt der 22-Jährige für die kommenden zwei Jahre zu Zweitligist DJK Rimpar. „Das war die schwerste Entscheidung, die ich je treffen musste. Ich habe bis zur letzten Sekunde mit mir gerungen, aber die sportliche Perspektive gab letztlich den Ausschlag“, erklärte „Schulle“, der sich Kesslers Entschuldigung für die desaströse Leistung im Namen der Mannschaft anschloss: „In Rimpar herrscht eine klare sportliche Struktur, hinter der der ganze Verein steht. Das hat mich sehr beeindruckt.“ Er habe mit ihm „als Führungsspieler geplant“, bedauerte Kessler: „Der Verein hat viel in ihn investiert. Für uns ist es ein herber Verlust.“

Das Abschiedsgeschenk von Arthur Muller blieb unberührt. Der Franzose gehört schon seit Mitte Mai nicht mehr zur Mannschaft, „weil er die Fähigkeiten, die es braucht, um Leistungssport zu treiben, vermissen ließ“, wie Philipp Kessler erklärte. Neben Muller gehören auch Polydore und Engels laut Kessler zu den Spielern, „mit denen wir nicht weiterarbeiten wollten“.

Marcel Engels gab selbstkritisch zu: „Vieles lief unrund, kein Spieler kam an sein Optimum heran. Das gilt auch für mich persönlich.“ Er sieht die Freistellung von Trainer Jörg Bohrmann im November 2017 als einen von vielen Knackpunkten: „Danach herrschte viel Unruhe. Philipp hat uns immer gut und engagiert vorbereitet, aber er ist halt auch unerfahren. Vielleicht hätte ein erfahrenerer Trainer in dieser Situation die richtigen Schrauben bei uns drehen können.“ Auch das Verhalten einiger Zuschauer sieht Engels kritisch: „Nach einer schlechten Aktion wurde sofort negativ auf uns eingewirkt – bis hin zu Beleidigungen. Das war kontraproduktiv.“

Auch Kessler gab sich selbstkritisch. „Es war nicht ganz einfach, weil ich mit vielen vor einem Jahr noch selbst zusammengespielt habe. Aber ich habe sehr viel dazugelernt, was mir weiterhelfen wird“, sagte der vom Co- zum Cheftrainer beförderte Kessler und bedankte sich für das Vertrauen des Vorstandes: „Das ist nicht selbstverständlich.“ Kapitän Murawski hatte schon im März 2018 in der SZ gesagt, dass Trainerwechsel seiner Erfahrung nach „nichts bringen“. Dafür musste er intern scharfe Kritik einstecken, sieht sich aber im Ergebnis bestätigt: „Wir hatten einfach zu viele Baustellen und nie wirklich Ruhe drin.“

Nach SZ-Informationen steht die HG Saarlouis vor der Verpflichtung des 22-jährigen Rechtshänders Toms Lielais für den linken Rückraum. Der lettische Junioren-Nationalspieler steht bei Ligakonkurrent ThSV Eisenach unter Vertrag und nahm in der abgelaufenen Drittliga-Saison ein Zweitspielrecht beim HSV Bad Blankenburg wahr.

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