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Entscheidung für Kuntz fiel bei Treffen der EM-Helden von 1996

Frankfurt. Stefan Kuntz tritt in der Nachfolge von Horst Hrubesch als U21-Nationaltrainer in große Fußstapfen. Die Trainer-Erfahrung des langjährigen Vorstands-Chefs des 1. FC Kaiserslautern liegt schon geraume Zeit zurück. sid

Gestern war zumindest das Handy von Stefan Kuntz noch im Urlaubsmodus. "Genieße das Leben", stand beim Kurznachrichtendienst WhatsApp, dazu hatte der Fußball-Europameister von 1996 ein Bild vom Sonnenuntergang am Strand gestellt. Ab sofort wartet auf den neuen Trainer der U21-Nationalmannschaft aber viel Arbeit: Die Fußstapfen von Olympia-Held Horst Hrubesch sind riesig. "Ich möchte seine tolle Arbeit erfolgreich fortsetzen", sagte Kuntz (53), nachdem ihn der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Dienstag als Hrubesch-Nachfolger mit ins Boot geholt hatte.



Die Entscheidung dazu fiel offenbar auf einem Schiff. Als die EM-Helden Mitte Juni während der Europameisterschaft in Frankreich gemeinsam auf der Seine feierten und in Erinnerungen an den EM-Triumph 20 Jahre zuvor im Londoner Wembley-Stadion schwelgten, "kam uns die gemeinsame Idee", berichtete Kuntz über das Gespräch mit DFB-Sportdirektor Hansi Flick: "Der Kontakt zum DFB ist nie abgerissen. Mit Oliver Bierhoff und Andy Köpke habe ich ja durch den EM-Gewinn 1996 eine gemeinsame Vergangenheit." Die Ernennung des früheren Vorstandschefs des 1. FC Kaiserslautern kam dennoch überraschend. Seine letzte Trainerstation bei LR Ahlen liegt knapp 13 Jahre zurück, der damalige Zweitligist heißt inzwischen sogar anders. Zuvor stand Kuntz bei Waldhof Mannheim, dem Karlsruher SC und Borussia Neunkirchen an der Seitenlinie - mit seinem Heimatverein Neunkirchen wurde er 2000 Meister der Oberliga.

2008 kehrte der zweimalige Bundesliga-Torschützenkönig zu "seinem" FCK zurück, mit dem er als Spieler 1991 die Meisterschaft und 1990 den DFB-Pokal gewonnen hatte. Als Vorstandsvorsitzender prägte Kuntz die Pfälzer, allerdings ohne die Erfolge der 1990er-Jahre wiederholen zu können. Auch wenn die Trennung im vergangenen Januar nicht besonders harmonisch verlief - aufgrund seiner Verbundenheit zu den Roten Teufeln kam kein anderer Job in Deutschland infrage. "Die Identifikation mit dem FCK ist sehr groß, ich kann jetzt nicht einfach als Sportdirektor zu einem anderen Verein gehen", sagte er der Rheinpfalz. Die Idee, wieder als Trainer zu arbeiten, sei aber lange in ihm gereift.