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„Endlich haben wir das Gold“

Krasnaja Poljana. In einem wahren Schanzen-Krimi haben die deutschen Skispringer Olympia-Gold im Mannschafts-Wettbewerb geholt. Danach brachen alle Dämme. Severin Freund & Co. treten mit dem Erfolg in die Fußstapfen von Sven Hannawald, Martin Schmitt und Jens Weißflog. Von Eric Dobias und Gerald Fritsche (dpa)

Als die deutschen Skispringer Gewissheit über ihr Olympia-Gold hatten, stürzten sie überwältigt vom größten Moment ihrer Karriere jubelnd in den Schnee. Mit einem geschlossenen Formationsflug verwies das deutsche Quartett mit Andreas Wank, Marinus Kraus, Andreas Wellinger und Severin Freund gestern Abend in einem Skisprung-Krimi Österreich um 2,7 Punkte auf Platz zwei - der dritte deutsche Mannschafts-Sieg nach den Erfolgen bei den Spielen 1994 in Lillehammer und 2002 in Salt Lake City.

"Ich bin stolz auf die Jungs. Das Gold ist etwas ganz Besonderes und Lohn für die Arbeit. Wir haben hier schwere Zeiten erlebt, aber alle zusammengehalten", lobte Bundestrainer Werner Schuster, der einen von seinem Sohn gestrickten Glücksschal um den Hals hatte. Nach zwei medaillenlosen Einzel-Auftritten bei den Winterspielen in Sotschi gab es ein glücklichen Ende für die deutschen Skispringer, die ihr Glück kaum fassen konnten. "Das ist ein unbeschreibliches Gefühl. Es war an der Zeit. Endlich haben wir das Gold", jubelte Wellinger. Dieter Thoma, der 1994 in Lillehammer mit Jens Weißflog, Christof Duffner und Hansjörg Jäkle das erste Mannschafts-Gold für Deutschland ersprungen hatte, war beeindruckt: "Das tut echt gut."

Schlussspringer Freund hatte es spannend gemacht, doch als die "1" auf der Anzeigetafel aufleuchtete, fiel der gesamte Druck ab. Beim letzten Gold-Triumph 2002 hatte Deutschlands Topspringer noch aufgeregt vor dem Fernseher gesessen, als Martin Schmitt dem deutschen Quartett mit 0,1 Punkten vor Finnland den Sieg bescherte. "Als deutschem Skispringer bleibt einem natürlich Salt Lake City in Erinnerung. Wenn man die Bilder von damals sieht, dann ist das extrem beeindruckend. Wir werden alles dafür tun, dass wir wieder so etwas in den Köpfen verankern können", hatte Freund vor den Spielen in Sotschi noch erklärt.

Und wie sie es taten. Als Startspringer legte Wank, der Richard Freitag in einer internen Ausscheidung verdrängt hatte, eine gute Leistung hin. 132 und 128 Meter hielten das deutsche Quartett im Rennen. Schon 2010, als es in Vancouver Mannschafts-Silber gab, war Wank dabei gewesen.

Dann kam Kraus. Und der Bayer mit dem sonnigen Gemüt, der als Sechster im Einzel ein glänzendes Olympia-Debüt gefeiert hatte, schlug eiskalt zu. Auf 136,5 und 134,5 Meter segelte er und avancierte als Bester seiner Gruppe zum Mann des Abends. "Wir waren super drauf und haben alle viel Spaß gehabt", sagte Kraus. Der 23-Jährige verlor erst im Auslauf die Ruhe. "Beim Warten bin ich deutlich nervöser. Die Nerven gehen ein bisschen durch", bekannte er aufgeregt, ehe die Stimmung in Jubel umschlug.

Während Polen um Kamil Stoch, Doppel-Olympiasieger von Sotschi, und Slowenien zeitig aus dem Rennen waren und Japan mit Skisprung-Opa Noriaki Kasai zu Bronze flog, entwickelte sich zwischen den Deutschen und den Österreichern ein wahrer Krimi. Wellinger sprang auf 133 und 134,5 Meter und hielt damit Vierschanzentourneesieger Thomas Diethart in Schach.

So kam es auf Freund an, der sich mit Gregor Schlierenzauer duellierte. Mit 131,5 und 131 Metern zeigte der Vierte von der Großschanze keine Nerven und durfte am Ende endlich jubeln. "Das kann ein Meilenstein für seine Karriere sein", sagte Schuster - und dann begann die lange Party-Nacht.


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Auf einen BlickErgebnis Mannschaft-Springen auf der Großschanze: Gold: Deutschland 1041,1 (519,0/522,1) Punkte (Andreas Wank/Oberhof 132,0/128,0 Meter, Marinus Kraus/Oberaudorf 136,5/134,5, Andreas Wellinger/Ruhpolding 133,0/134,5, Severin Freund/Rastbüchl 131,5/131,0); Silber: Österreich 1038,4 (516,5/521,9) (Michael Hayböck 134,0/130,0, Thomas Morgenstern 129,0/133,5, Thomas Diethart 136,0/132,5, Gregor Schlierenzauer 128,5/132,0); Bronze: Japan 1024,9 (507,5/517,4) (Reruhi Shimizu 132,5/131,5, Taku Takeuchi 127,0/130,0, Daiki Ito 130,5/132,0, Noriaki Kasai 134,0/134,0); 4. Polen 1011,8 (489,2/522,6); 5. Slowenien 995,6 (488,2/507,4); 6. Norwegen 990,7 (486,0/504,7); 7. Tschechien 967,8 (476,0/491,8); 8. Finnland 942,8 (461,5/481,3); 9. Russland 422,3; 10. USA 402,5. dpa