Eliteschule des Frauen- und Mädchenfußballs in Saarbrücken feiert Jubiläum

Eliteschule des Frauen- und Mädchenfußballs : Ein Tag voller Glanz und Freude

Eliteschule des Frauen- und Mädchenfußballs in Saarbrücken feiert Jubiläum mit prominenten Gästen wie Ex-Weltfußballerin Nadine Keßler.

Strahlender Sonnenschein liegt am Samstag über dem Gelände der Saarbrücker Hermann-Neuberger-Sportschule. Im vollbesetzten Konferenzsaal im Haus der Athleten sorgen ehemalige Weltstars des Frauenfußballs auf andere Weise für Glanz. Sie haben sich für die Jubiläumsfeier der Eliteschule des Frauen- und Mädchenfußballs mächtig in Schale geworfen: Nadine Keßler elegant ganz in Schwarz, Josephine Henning in schicker Seidenbluse samt Hochsteckfrisur. Dazu viele weitere aktuelle und ehemalige Fußballerinnen, die für die Erfolgsgeschichte der Eliteschule stehen.

Nach dem ersten Reigen offizieller Reden unterstreicht Margret Kratz das anhand von Zahlen: Nicht weniger als 623 Länderspiele vereinen die bis dato 77 Eliteschülerinnen, seit der Schulzweig mit ihr als Leiterin vor elf Jahren und elf Monaten in Saarbrücken am Rotenbühl-Gymnasium und an der Gesamtschule Rastbachtal gegründet wurde. Imponierende 22 national und 44 international hochrangige Titel wurden in dieser Zeit von den Eliteschülerinnen eingefahren. Dazu kommen die Olympiasiegerinnen 2016, Henning und Dzsenifer Marozsán, die aber nicht vor Ort ist, weil sie mit Serien-Champions-League-Sieger Olympique Lyon in der Vorbereitung steckt.

Nadine Keßler, die Weltfußballerin 2014, lässt sich die Rückkehr an jenen Ort, von dem sie sich zu einer Weltkarriere mit vier deutschen Meisterschaften und je drei Champions-League- und DFB-Pokalsiegen mit dem VfL Wolfsburg aufschwang, nicht entgehen. „Es ist überwältigend schön“, sagt die 31-jährige Europameisterin 2013, die ihre Karriere vor drei Jahren wegen Knieproblemen beenden musste: „Ich freue mich, wieder daheim zu sein und alte Zeiten aufleben zu lassen. Damit sind so viele positive Erinnerungen und Emotionen verbunden. Der Anteil der handelnden Personen an meiner Laufbahn ist riesig. Alles, was wir gebraucht haben, um uns bestmöglich zu entwickeln, haben wir hier bekommen“, blickt Keßler auf ihre Anfänge.

Die professionellen Strukturen am Olympiastützpunkt seien ein wichtiges Fundament für alles Weitere gewesen, erzählt sie. Dazu das Vertrauen der Menschen, die an sie geglaubt haben: „In erster Linie natürlich Margret Kratz.“ Nach dem Karriereende wandelt die 29-fache Nationalspielerin nun auf ähnlichen Pfaden wie die Eliteschulleiterin. Keßler ist inzwischen Leiterin der Uefa-Abteilung Frauenfußball: „Ich wollte im Fußball bleiben und eine Rolle übernehmen, in der ich etwas zurückgeben kann“, sagt Keßler: „Dass es so eine Position geworden ist, in der die Zuständigkeit auf ganz Europa fällt, ist nicht planbar. Aber ich bin super glücklich und hoffe, auch als Funktionärin eine so erfolgreiche Karriere wie „Meggie“ hinlegen zu können.“

Für Kratz selbst war es „ein besonderer Moment, als die Spielerinnen nacheinander die Treppe hochkamen. Man hat allen angemerkt, wie sehr sie sich gefreut haben. Wenn Weltklasse-Spielerinnen aus dem Auto steigen und einen so herzlich begrüßen, ist das ein besonderes Gefühl“, sagt die 57-Jährige gerührt.

Begonnen hat alles vor elf Jahren und elf Monaten. Die ersten „Probanden“: Lisa Schwab und „Josi“ Henning, die 2007 mit dem 1. FC Saarbrücken in die Bundesliga aufstiegen und ein Jahr später mit dem DFB-Pokalfinaleinzug (1:5 gegen den 1. FFC Frankfurt) zum größten Erfolg der blau-schwarzen Frauen beitrugen – in einer Elf mit Selina Wagner, Keßler oder Marozsán, die später einige der größten Titel im Frauenfußball einheimsen und teilweise Weltruhm erlangen sollten. Wie Keßler hat auch Henning ihre Karriere 2018 schon früh beendet – aber freiwillig, denn die 29-Jährige widmet sich nun der Kunst. „Es war genial, dass ich damals das Angebot von Meggie bekommen habe“, sagt Henning. „Diese vier Jahre hier haben den Grundstein für meine Karriere gelegt – das muss man so sagen.“

Die gebürtige Mainzerin spielte bis 2009 für den 1. FC Saarbrücken, dank der Eliteschule fiel das Pendeln in die Heimat weg, und sie konnte Sport und Schule besser vereinbaren: „Es ist wichtig, dass es Strukturen gibt, die solche Karrieren begünstigen“, sagt Henning. Während der Feier gibt sie auch einen Einblick in ihr neues Betätigungsfeld: Ein Gemälde, das vor dem Hintergrund der saarländischen Landeshauptstadt die Profile der „Goldenen Generation“ um Keßler und Marozsán zeigt, wird am Samstag feierlich enthüllt: „Ein bewegender Moment“, sagt Kratz: „Da wird dir selbst noch mal richtig bewusst, dass du diese Spielerinnen mit entwickeln und fördern durftest.“ Es werde schwer, das zu wiederholen. Wenn aber die Konstellation stimme, „ist alles machbar“.

Wiedersehen macht Freude: Margret Kratz und ihre ehemaligen Schützlinge Jacqueline De Backer und Romina Holz (von rechts). Foto: Thomas Wieck
U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz aus Neunkirchen ließ es sich nicht nehmen, junge Spielerinnen der Eliteschule zu ehren. Foto: Thomas Wieck

Die Jubiläumsfeier war auch für diejenigen ein Erlebnis, die den Stargästen nacheifern wollen: die aktuellen Eliteschülerinnen, etwa Sarah Ritter vom FC Homburg: „Das sind absolute Vorbilder. Es ist etwas ganz Besonderes, diesen Spielerinnen mal so nahe zu sein und ein gemeinsames Foto zu machen“, sagt die 13-jährige Defensivspielerin – die beim nächsten Jubiläum der Eliteschule dann vielleicht zum nächsten Kapitel einer beispiellosen Erfolgsgeschichte beiträgt.

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