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Eiskalt im Hexenkessel

Eiskalt im Hexenkessel

Varazdin. Vor ziemlich genau zwei Jahren fegte der Orkan "Kyrill" über Deutschland. Gestern Abend fegte Kiril 30 Minuten durch die Abwehr der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Acht Treffer erzielte Mazedoniens Topstar Kiril Lazarow in den ersten 30 Minuten des Weltmeisterschafts-Vorrundenspiels gegen Deutschland

Varazdin. Vor ziemlich genau zwei Jahren fegte der Orkan "Kyrill" über Deutschland. Gestern Abend fegte Kiril 30 Minuten durch die Abwehr der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Acht Treffer erzielte Mazedoniens Topstar Kiril Lazarow in den ersten 30 Minuten des Weltmeisterschafts-Vorrundenspiels gegen Deutschland. Als er nach der Pause komplett ausgeschaltet wurde, war das der Schlüssel zum 33:23 (13:14)-Kantersieg, der den Einzug in die Hauptrunde bedeutete. Lazarow war so frustriert, dass er sich nach 46 Minuten zu einem Ellbogenschlag ins Gesicht von Dominik Klein hinreißen ließ. Der Schlag wurde mit der Roten Karte geahndet. Spätestens da - es stand 24:20 - war die Partie entschieden, obwohl kurze Zeit später auch der deutsche Abwehrchef Oliver Roggisch mit Rot vom Feld musste.

300 mazedonische Fans, darunter viele Fußball-Ultras, machten einen Höllenlärm, warfen mit Münzen und beschimpften die Schiedsrichter als "Mafia, Mafia". Doch die Deutschen ließen sich von der Hexenkessel-Atmosphäre nur anfangs beeindrucken. Die Mazedonier lagen bis zur 18. Minute in Führung, ehe Deutschland zum 8:8 ausglich und beim 12:11 (23. Minute) erstmals führte. Dass die Deutschen zur Pause dennoch mit 13:14 hinten lagen, resultierte aus vier Zeitstrafen in der Schlussphase - als man Lazarow eigentlich schon unter Kontrolle gebracht hatte.

Nach dem Seitenwechsel zeigten die deutschen Handballer dann ihre bislang beste Turnierleistung. Holger Glandorf (neun Tore) und Michael Kraus (7) trafen nach Belieben. Die Abwehr und Torwart Johannes Bitter steigerten sich. Nach 42 Minuten lag die Mannschaft von Bundestrainer Heiner Brand mit 21:17 vorne. Am Ende einer teilweise überharten Partie - es gab insgesamt 30 Strafminuten - betrug der Vorsprung sogar zehn Tore.

Zuvor hätte Außenseiter Algerien beinahe für Jubel im Lager der Deutschen gesorgt. Bis zum Schlusspfiff hielten die Nordafrikaner die Partie gegen Russland spannend, am Ende setzte sich der Rekord-Olympia-Sieger mit 29:28 durch. Hätten die Russen verloren, wäre ihre Chance auf das Weiterkommen arg geschmolzen. Bei einem Ausscheiden der Russen würden die Ergebnisse ihrer Spiele nicht mit in die Hauptrunde genommen. Das wäre ein Vorteil für die deutschen Handballer, da sie beim 26:26 nur einen Punkt holten.

Am Vorabend des Spiels hatte Brand einen Spieler nachnominieren müssen. Weil Rechtsaußen Stefan Schröder erkrankte, reiste der Göppinger Christian Schöne an. Er fügte sich gegen Mazedonien mit acht Treffern sensationell ein. "Es ging für mich alles sehr schnell. Vor 24 Stunden war ich noch zu Hause. Jetzt bin ich hier mittendrin. Das ist riesig", sagte Schöne ein wenig ungläubig nach seinem tollen WM-Einstand. Erst wenige Stunden vor dem Spiel war er im Mannschaftshotel eingetroffen. "Christian Schöne war immer ein verlässlicher Mann in der Nationalmannschaft", begründete Brand seine Entscheidung.

Heute geht es um 17.30 Uhr (live bei RTL) in der Neuauflage des WM-Finals von 2007 gegen Polen um den Gruppensieg.

Auf einen Blick

Deutschland - Mazedonien 33:23 (13:14).

Deutschland: Bitter (HSV Hamburg), Lichtlein (TBV Lemgo) - Hens (Hamburg) 1, Roggisch (Rhein-Neckar Löwen), Klein (THW Kiel) 1, Müller (TV Großwallstadt) 1, Strobel, Preiß (beide Lemgo) 3, Tiedtke (TV Großwallstadt), Glandorf (HSG Nordhorn) 9, Jansen (HSV Hamburg) 3/1, Kraus (TBV Lemgo) 7/1, Schöne (FA Göppingen) 8, Kaufmann (TBV Lemgo).

Mazedonien: Ristovski, Angelov - Stoilov, Alushovski 1, Kiril Lazarov 9/3, Mitkov 1, Temelkov 7, Mirkulovski, Markovski, Mojsovski 1, Dimovski 2, Filip Lazarov 1, Makalovski 1, Gjorgonovski.

Schiedsrichter: Opava/Valek (Tschechien). - Zuschauer: 3800. - Strafminuten: 12 / 13. - Disqualifikation: Lazarov (46./grobes Foul) / Roggisch (54./3. Zeitstrafe). dpa