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4:1-Sieg in der Europa League gegen Lazio Rom
Wenn Trauer ein Fußballfest überschattet

Frankfurt. Eintracht Frankfurt hat nach einer Galavorstellung beste Aussichten auf die nächste Runde in der Europa League. Die Freude über das 4:1 gegen Lazio Rom wurde aber von der Tragödie in der Familie von Mittelfeldspieler Torró gedämpft. sid

Die Sekunden verrannen langsam, als die plötzlich niedergeschlagenen Frankfurter Europapokal-Helden Arm in Arm und mit gesenkten Köpfen auf dem Rasen standen. Um sie herum explodierte längst der tosende Jubel von über 45 000 Fans. Zum Feiern war in diesen Momenten nach dem überzeugenden 4:1 (2:1) in der Europa League gegen Lazio Rom keinem Eintracht-Profi zumute. Lucas Torró weinte bittere Tränen.


„Dem Team wurde mitgeteilt, dass Lucas‘ Bruder unerwartet verstorben ist“, sagte Trainer Adi Hütter, der seine Mannschaft unmittelbar nach dem Schlusspfiff am Mittelkreis versammelt hatte: „Das ist eine traurige Nachricht, die unsere Feierfreude nach dem Spiel getrübt hat. Lucas wollte unbedingt dabei sein. Wir stützen ihn und sind in Gedanken bei ihm.“

Mittelfeldspieler Torró habe am Vormittag nur das Trainerteam informiert. „Ich habe ihn gefragt, ob er im Stande ist, zu spielen, ob er das möchte“, berichtete Hütter. Torro wollte, „und das war fußballerisch überragend. Wahnsinn“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic: „Wir hoffen nun sehr, dass Lucas genug Kraft hat. Wir als Verein sind für ihn da.“ Die Todesursache des 27-Jährigen ist bisher noch unklar.



An diesem Sonntag (15.30/Sky) bei der TSG Hoffenheim wird der Spanier, der sich umgehend auf den Weg in die Heimat zu seiner Familie machte, fehlen. Hütter hat nur wenig Zeit, um den Fokus nach den vielen, gegensätzlichen Emotionen auf die Bundesliga zu richten. „Das war ein toller Sieg mit einer tollen Stimmung. Aber es gibt auch die menschliche Seite“, sagte Bobic.

Danny da Costa (4. und 90.+4), Filip Kostic (28.) und Luka Jovic (52.) mit einem tollen Heber nach klasse Vorarbeit von Sébastien Haller hatten die Frankfurter vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw für eine über weite Strecken berauschende Vorstellung belohnt. Marco Parolo (23.) erzielte den zwischenzeitlichen Ausgleich, der aber auch deshalb wertlos war, weil Roms Dusan Basta nach wiederholtem Foulspiel (45.+3) und sein Teamkollege Joaquin Correa nach hartem Einsteigen im Mittelfeld (58.) vom Platz flogen.

„Das war ein perfektes Spiel von uns“, sagte Torhüter Kevin Trapp. Der Saarländer analysierte: „Wir haben genau die Dinge, die wir angesprochen haben, umgesetzt. Ein 4:1 gegen Lazio Rom kommt nicht von ungefähr. Das haben wir uns verdient.“ Nach dem überraschenden 2:1 im ersten Gruppenspiel bei Olympique Marseille hat die Eintracht mit jetzt sechs Punkten in Gruppe H beste Voraussetzungen zum Weiterkommen.

Für eine weitere emotionale Szene sorgte Kapitän Marco Russ, der nach dem Abpfiff sein Trikot mit Francesco Acerbi tauschte. Bei beiden war im Verlauf ihrer Karrieren Hodenkrebs diagnostiziert worden, beide gewannen den Kampf. „Wir haben das schon vorher abgemacht“, sagte Russ: „Es ist nicht normal, nach so einer Krankheit zurückzukommen.“

Sportlich herrschte am Main große Zufriedenheit. Mit der Maximalausbeute von sechs Punkten in der Gruppe H fehlt den Hessen nicht viel, um die nächste Runde zu erreichen. „Wir haben ein Ausrufezeichen gesetzt“, sagte Kevin Trapp: „Wir nehmen viel Selbstvertrauen mit, weil wir gezeigt haben, dass wir uns nicht verstecken müssen. Aber wir dürfen jetzt nicht durchdrehen, sondern müssen weiter konzentriert bleiben.“ Die Partie am Sonntag in Sinsheim werde „mindestens genauso intensiv“, sagte Trapp: „Und klar, auch da wollen wir gewinnen.“ Auch für Lucas Torró.