Einmal Volleyball, immer Volleyball

Einmal Volleyball, immer Volleyball

Saarwellingen. Beifall, Pfiffe aus einer Schiedsrichterpfeife, hektische Frauenstimmen. Wer an der Wohnungstür von Barbara Borowska-Tadros steht, fühlt sich in eine Sporthalle versetzt. Die frühere polnische Nationalspielerin verfolgt derzeit die Volleyball-WM der Frauen in Japan live am PC-Bildschirm. "Das deutsche Fernsehen überträgt keine Spiele", sagt sie

Saarwellingen. Beifall, Pfiffe aus einer Schiedsrichterpfeife, hektische Frauenstimmen. Wer an der Wohnungstür von Barbara Borowska-Tadros steht, fühlt sich in eine Sporthalle versetzt. Die frühere polnische Nationalspielerin verfolgt derzeit die Volleyball-WM der Frauen in Japan live am PC-Bildschirm. "Das deutsche Fernsehen überträgt keine Spiele", sagt sie. Dennoch sind bei der an der Erweiterten Realschule in Schwalbach tätigen Sportlehrerin im Wohnzimmer an manchen Tagen fünf Spiele gleichzeitig zu sehen; dafür sorgen zwei Laptops und der PC-Bildschirm. Der Fernsehkonsum hat allerdings einen Haken: Wegen der Zeitverschiebung beginnen die Übertragungen morgens um 5 Uhr. Kein Problem: Sie geht abends früher zu Bett und verfolgt beim Frühstück die Spiele, den Rest schaut sie abends als Aufzeichnung an.

Barbara Borowska-Tadros war dreimal "beste polnische Junioren-Nationalspielerin". Sie spielte unter Trainer-Legende Andrzej Niemczyk (später deutscher Frauen-Trainer) und dem heutigen polnischen Nationaltrainer Jerzy Matlak. Insgesamt machte sie fast 600 Einsätze in der polnischen Nationalmannschaft (1971 bis 1979), war mehrfach bei Welt- und Europameisterschaften dabei und holte mehrere polnische Landestitel. 1977 und 1978 wurde sie zur "besten Zuspielerin Europas" gewählt. "Am schmerzlichsten war in dieser Zeit die Niederlage 1976 gegen die damalige DDR bei der Olympia-Qualifikation", erinnert sich die seit 1981 in Deutschland lebende Sportlerin. Sie absolvierte ein Länderspiel für Deutschland ("Ich entschied mich für die Familie") und viele Bundesliga-Einsätze für Schwerte, Wiesbaden, Stuttgart, Vilsbiburg und Freiburg.

Für wen bei der aktuellen WM ihr Herz schlägt? "Ich möchte in erster Linie gute Spiele sehen. Die polnischen Spielerinnen kenne ich, wenn sie schlecht spielen, bin ich sauer. Wenn Deutschland gut spielt, freue ich mich mit."

Nach einer längeren Pause spielte Borowska-Tadros vergangene Saison für den Oberligisten SSC Freisen und hielt mit diesem die Klasse. Kurios: Ihre Töchter Monika (34) und Anna (15) spielten an ihrer Seite - einzigartig im saarländischen Volleyballverband. "Doch dreimal pro Woche nach Freisen zu fahren, das war schon zeitaufwändig", sagt sie. Und da die Kinder ohnehin fortzogen, schloss sie sich dem Landesligisten TV Steinrausch an. Dort wusste man zunächst gar nicht, wen man da in seinen Reihen hatte. Kein Wunder: Alle Mitspielerinnen könnten ihre Töchter sein; mit 57 Jahren wirbelt sie aber noch immer auf dem Spielfeld herum, zeigt vollen Einsatz. "Es geht zwar an die Substanz aber Volleyball ist für mich wie ein Jungbrunnen."

Einst Nationalmannschaft, jetzt Landesliga? "Ich muss mir nichts mehr beweisen. Vielleicht kann ich wertvolle Tipps geben und noch einige Mädchen für Volleyball begeistern", meint Tadros und hat es plötzlich eilig. "Gleich ist Training, am Samstag haben wir zwei Heimspiele." Die Gästeliste könnte nicht extremer sein: Mit dem VC Limbach erwartet der Tabellenfünfte um 16 Uhr das Schlusslicht, danach steigt die Partie gegen Spitzenreiter Göttelborn. "Wir wollen gewinnen", sagt Tadros.red