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Einer gegen 50

Saarbrücken. Was Otto Normalbürger in einem Monat kaum zu Fuß hinter sich bringt, legt Thomas Lurz in einer Woche im Wasser zurück. 100 Kilometer (!) schwimmt der Würzburger in Spitzenzeiten von Montag bis Sonntag. Nicht zum Spaß, sondern weil es seine Berufung ist. Denn Thomas Lurz ist Langstreckenschwimmer - einer der besten weltweit Von SZ-Redakteur Mark Weishaupt

Saarbrücken. Was Otto Normalbürger in einem Monat kaum zu Fuß hinter sich bringt, legt Thomas Lurz in einer Woche im Wasser zurück. 100 Kilometer (!) schwimmt der Würzburger in Spitzenzeiten von Montag bis Sonntag. Nicht zum Spaß, sondern weil es seine Berufung ist. Denn Thomas Lurz ist Langstreckenschwimmer - einer der besten weltweit. Sechs Mal Weltmeister, drei Mal Europameister - international war kein deutscher Schwimmer jemals erfolgreicher. Was dem 29-Jährigen noch fehlt, ist Olympia-Gold. Kein Wunder also, dass Lurz schon jetzt an die Olympischen Spiele in London 2012 denkt, denn die drei Jahre "sind ja schnell rum", sagt Lurz.


Auf seinem Weg nach London wird Lurz auch im Saarland Zwischenstation machen. Am kommenden Sonntag, beim großen Sporttag rund um den Bostalsee, wird Lurz ins Wasser steigen und fünf Kilometer schwimmen. Seine Gegner: 50 Personen an der Zahl, von denen jeder nur 100 Meter hinter sich bringen muss. Lurz sieht den Auftritt in Bosen als willkommene Abwechslung. "So was lässt sich prima in das Training integrieren." Was ihn genau erwartet, weiß Lurz noch gar nicht. Aber er hat für alle Fälle schon einmal seinen Neopren-Anzug eingepackt. "Ich rechne mit 14 bis 15 Grad Celsius Wassertemperatur", sagt Lurz, "da kann ein Neo nix schaden." Seine Gegner werden hauptsächlich Schwimmerinnen und Schwimmer der DLRG sein.

Im Bostalsee wird Lurz am Sonntag keine Kacheln zählen müssen - das, was er sonst im Training im Schwimmbad immer tut. Eine Trainingseinheit dauert schon mal zwei, zweieinhalb Stunden. Ist das nicht langweilig ohne Ende? "Klar ist das manchmal eintönig", erklärt Lurz, "aber das Training ist eine Frage der Gewohnheit." Ablenkungsmanöver funktionieren nur selten - "und die mp3-Player für Unterwasser-Nutzung habe ich zwar schon ausprobiert, die sind aber noch nicht ausgereift", sagt Lurz und lacht: "Mir bleibt ja nix anderes übrig, wenn ich in der Weltspitze mithalten will."



Der sportliche Höhepunkt in diesem Jahr für Lurz, der von seinem Bruder Stefan trainiert wird, ist die WM Ende Juli in Rom. Dort könnte er seinen siebten WM-Titel gewinnen. Im Fokus werden in Rom aber wohl wieder die deutschen Beckenschwimmer stehen - entweder, weil sie aus dem Jammertal wieder in die Erfolgsspur zurückkehren, oder weil sie erneut baden gehen. Thomas Lurz neidet den Kollegen die Aufmerksamkeit nicht. "Seit Langstrecken-Schwimmen olympisch geworden ist, ist es bei uns deutlich besser geworden", freut sich der Diplom-Sozialpädagoge. Mehr Freiwasser-Rennen, mehr Aufmerksamkeit, mehr Preisgelder. "Der Aufwand soll sich ja auch rentieren", sagt Lurz und verabschiedet sich. Zum Training. Im Wasser natürlich.

Auf Einen Blick

Der Auftritt von Thomas Lurz im Bostalsee findet im Rahmen der Feierlichkeiten zum 175. Geburtstag des Landkreises St. Wendel und zum 150. Geburtstag der Kreissparkasse St. Wendel statt. Aus diesem Anlass findet am Sonntag, 24. Mai, in Bosen ein großer Sporttag statt. Über 20 Sportvereine aus dem Kreis präsentieren sich und ihre Sportarten zum Zuschauen und zum Mitmachen, außerdem findet eine große Drachenboot-Regatta statt. Der Sporttag dauert von 10 bis 19 Uhr. Das Duell von Thomas Lurz mit der Schwimmstaffel beginnt um 11.30 Uhr. mwe