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Einen Käsekuchen, bitte

Einen Käsekuchen, bitte

New York. Im schönsten Jahr seines Lebens nahm Maestro Roger Federer sogar die Endspiel-Niederlage bei den US Open gelassen hin. "Es war ein sagenhaftes Jahr mit der Heirat und der Geburt unserer wunderbaren Töchter. Ich stand in vier Grand-Slam-Finals, habe in Roland Garros und Wimbledon gewonnen

New York. Im schönsten Jahr seines Lebens nahm Maestro Roger Federer sogar die Endspiel-Niederlage bei den US Open gelassen hin. "Es war ein sagenhaftes Jahr mit der Heirat und der Geburt unserer wunderbaren Töchter. Ich stand in vier Grand-Slam-Finals, habe in Roland Garros und Wimbledon gewonnen. Was will ich mehr?" sagte der entthronte fünfmalige Champion und gratulierte seinem Bezwinger Juan Martin del Potro.Beifall von Guillermo VilasTränen wie nach der Fünfsatz-Pleite in Melbourne gegen Rafael Nadal vergoss diesmal nicht Roger Federer, sondern der Überraschungssieger. "Es ist unglaublich", stammelte del Potro: "Das ist die größte Sensation meines Lebens." Auf der Tribüne klatschte Guillermo Vilas begeistert Beifall. Er hatte es 1977 als einziger Argentinier vor del Potro geschafft, in Flushing Meadows zu gewinnen. Mit dem silbernen Pokal für seinen ersten Sieg im ersten Grand-Slam-Finale stand del Potro wie entgeistert auf dem Center Court. Dass sein größter Traum durch das 3:6, 7:6 (7:5), 4:6, 7:6 (7:4), 6:2 in 4:06 Stunden schon mit 20 Jahren in Erfüllung gegangen war, konnte er nicht gleich begreifen. Selbst der größte Preisgeldscheck seiner Karriere entlockte ihm keine Jubelschreie. Zusätzlich zu den 1,6 Millionen Dollar für den Sieg kassierte er 250 000 Dollar für Platz drei in der US-Turnierserie. Und der Sponsor spendierte als Zugabe eine Luxus-Karosse - ein Zahltag mit summa summarum mehr als zwei Millionen Dollar. Del Potro trieb das keine Schweißperlen auf die Stirn. Auf die Frage, was er für das Geld kaufen wolle, antwortete er cool: "Einen Käsekuchen für meinen 21. Geburtstag am nächsten Mittwoch."Federer fehlt die PräzisionWie vom Blitz getroffen war er nach dem Matchball auf den Hartplatz gesunken und hatte - alle Viere von sich gestreckt - für ein paar Sekunden die Welt um sich herum vergessen. "Ich habe an meine Eltern und meine Freunde gedacht", erzählte del Potro. "Ihnen gehört ein Teil dieses Erfolgs. Sie haben immer an mich geglaubt."Der Endspiel-Debütant hatte bei seinem Lieblingsturnier soviel Spaß, dass er nach einem grandiosen Longline-Winner die Zuschauer in der ersten Reihe mit "High Five" abklatschte. "Dafür hat es auch schon eine Verwarnung gegeben", meckerte ausgerechnet der einstige Heißsporn John McEnroe. Doch der Altmeister hatte auch Lob für den Youngster:"Es ist unglaublich, wie schnell der Junge gelernt hat."Branchenprimus Federer nahm die Niederlage mit 800 000 Dollar "Abfindung" wie ein Gentleman hin. "Im zweiten Satz habe ich gedacht: Okay, ich habe ihn unter Kontrolle. Das war wohl mein Problem", erkannte er - zu spät für einen möglichen 16. Grand-Slam-Sieg und die Option, die erste Niederlage im sechsten US-Open-Endspiel noch abzuwenden. "Es ist eins von den Finals, die ich hätte gewinnen müssen", resümierte Federer. Doch ihm fehlten diesmal die Präzision und die Bedingungslosigkeit, mit der er seine Gegner sonst in Schach hält. dpa