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WM-Kolumne
Eine WM-Suppe ohne Salz und Maggi

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Die Vorrunde der WM ist zur Hälfte vorbei, und irgendwie fehlen uns vor allem Italien und die Niederlande. Aber Spott ist an dieser Stelle nicht angebracht. Es könnte sich rächen. Von Stefan Regel
Stefan Regel

Vermissen Sie bei dieser Weltmeisterschaft auch etwas? Nach dem „Schland unter“ gegen Mexiko ein gutes Spiel der deutschen Mannschaft? Mehr spektakuläre Partien wie das 3:3 der Spanier gegen Portugal? Wenn ja, könnte das an denen liegen, die gar nicht dabei sind.


So fehlen in Russland Länder wie Kamerun, Ghana oder die Elfenbeinküste, die in den vergangenen 20 Jahren oft dabei waren und den afrikanischen Fußball mitgeprägt haben. Auch die USA und Chile sind überraschend nicht qualifiziert. Die Chilenen waren noch 2014 in Brasilien ein Geheimtipp, scheiterten nach starken Spielen erst gegen den Gastgeber und überzeugten auch 2017 im Confed Cup, als es im Finale 0:1 gegen Deutschland hieß.

Am schmerzlichsten fehlen aber zwei europäische Teams: Der dreifache Vize-Weltmeister Niederlande und der vierfache Weltmeister Italien gehören zur WM wie das Salz in die Suppe. Für die Azzurri ist es sogar die erste verpasste WM seit 60 Jahren. Klar, wir Deutschen haben da gerne Ressentiments wie Mauertaktik, Schauspielerei und Theatralik samt Schwalben. Aber als klassische Fußballnation und Erzrivale sorgten die Italiener abseits dieser Stereotype schon für viele spektakuläre WM-Momente – leider meistens auf Kosten unserer Nationalelf. Und gegen Schwalben oder ähnliche Vorurteile hätte ja der Videobeweis helfen können.



Ähnlich viel Schadenfreude wie beim Ausscheiden der Italiener gab es bei den vergangenen WM-Turnieren bei schlechten Ergebnissen der Niederländer. Nur: Meist kamen die Oranjes sehr weit. 2010 ins Finale, 2014 ins Halbfinale. Seltsam, was diesmal passiert ist. Wenn die Italiener das Salz in der Suppe sind, sind die Niederländer Maggi. Und was ist eine Rindfleischsuppe ohne Maggi?

Fürs bessere Karma sollten wir uns aber hüten. Noch mehr Spott à la „Treffen sich ein Holländer und ein Italiener im Reisebüro“ könnte sich rächen. Auch für uns könnte es bald „Arrivederci“ oder „Tot ziens“ heißen. Und im Grenzgebiet hinter Aachen sollen – wenn man mal kurz ganz, ganz leise war – tatsächlich Menschen schon am vergangenen Sonntagabend die Niederländer lachen gehört haben. Hoffen wir mal, dass an diesem Samstag kein Autokorso über die Grenze dazukommt.