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Eine Trennung mit Ansage

Thomas Tuchel ist nicht mehr Trainer des BVB. Foto: Fassbender/dpa
Thomas Tuchel ist nicht mehr Trainer des BVB. Foto: Fassbender/dpa FOTO: Fassbender/dpa
Dortmund. Pokalsieger Borussia Dortmund löst den Vertrag mit Trainer Thomas Tuchel auf. sid

Borussia Dortmund hat das Intrigenspiel um Thomas Tuchel nach monatelangen Querelen beendet. Gestern bestätigte der DFB-Pokalsieger die Vertragsauflösung nach zwei sportlich erfolgreichen Jahren. "Wir bedanken uns bei Thomas Tuchel und seinem Trainerstab für die sportlich erfolgreiche Arbeit beim BVB, die am vergangenen Samstag im DFB-Pokal-Sieg gegen Frankfurt ihren verdienten Höhepunkt fand", hieß es in der Mitteilung: "Für seine berufliche Zukunft wünschen wir Thomas Tuchel nur das Allerbeste."


Die Trennung lässt sich der BVB geschätzte 2,5 Millionen Euro Abfindung kosten. Angeblich steht Lucien Favre von OGC Nizza als Nachfolger bereit. Der BVB betonte, er lege "großen Wert auf die Feststellung, dass es sich bei der Ursache der Trennung keinesfalls um eine Meinungsverschiedenheit zwischen zwei Personen handelt". Das Wohl des Vereins werde "immer wichtiger sein als Einzelpersonen und mögliche Differenzen zwischen diesen".

Tuchel verpasste seinem bisherigen Arbeitgeber einen letzten Schlag. Der Trainer kam dem BVB über Twitter zuvor. "Ich bin dankbar für zwei schöne, ereignisreiche, aufregende Jahre. Schade, dass es nicht weitergeht", schrieb er. Der mächtige Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatte mit seinem brisanten Interview ("Klarer Dissens") vor dem enorm wichtigen Spiel gegen 1899 Hoffenheim am 6. Mai den letzten Anstoß gegeben. Beide Seiten haben seitdem auf jede erdenkliche Weise versucht, ihre Deutung des internen Zerwürfnisses zu platzieren - und sie damit öffentlich als Wahrheit zu verankern. Über Berater, lancierte Interviews oder bewusst gestreute Hintergründe.



Vieles bleibt allerdings auch jetzt unklar. War der Trainer intern derart unerträglich? Lügt er gar, wie Watzke andeutete? Oder liegt die Wahrheit ganz woanders? Konnte Watzke es schlicht nicht ertragen, wie glänzend Tuchel menschlich nach dem Bomben-Attentat vom 11. April dastand? War das Verhältnis zur Mannschaft irreparabel beschädigt? Die Reaktionen auf die Ausbootung von Nuri Sahin für das Pokalfinale am Samstag wies darauf hin.

Es ist die Scheidung einer Ehe, die das Potenzial zur Traumbeziehung gehabt hätte. Tuchel verlässt den BVB als Pokalsieger, er führte das Team direkt in die Champions League, sein Punkteschnitt (2,12 inklusive Pokal/Europapokal) ist der beste der Vereinsgeschichte. Sportliche Gründe für eine Trennung existieren nicht. Doch: Es geht eben auch um das Menschliche. Der 43-Jährige hat sich - wie schon 2014 beim FSV Mainz 05 - zum zweiten Mal innerhalb des Vereins derart isoliert, dass die Trennung als einziger Ausweg blieb. Für den BVB stellt sich nun die Frage, ob Favre (59) der richtige Nachfolger ist. Der Schweizer war bisher überall erfolgreich, er gilt aber auch als eigenbrötlerisch.