„Eine taktische Meisterleistung“

Saarbrücken · Jürgen Doberstein zeigte am Samstagabend eine starke Vorstellung gegen William Gare. Am Ende siegte der Boxer aus St. Ingbert nach Punkten. Raja Amasheh holte sich den WM-Titel im Superfliegengewicht.

Mit diesem Schlag hat William Gare nicht gerechnet. Die Rechte von Jürgen Doberstein kommt für den Boxer aus Südafrika genauso überraschend wie für die 2500 Zuschauer in der Saarbrücker Saarlandhalle. Gare taumelt benommen in die Ringmitte, Doberstein springt ihm hinterher und trifft den wehrlosen Herausforderer mit einem krachenden linken Haken. Dann ist es passiert. Zum ersten Mal in seiner Karriere geht der 38-Jährige zu Boden. "Dass Jürgen einen so erfahrenen Mann zu Boden schickt, kam für uns alle unerwartet", gestand sein Manager Bernhard Notar vom Veranstalter Dog Event & Boxing Company. Gare rappelte sich wieder auf, aber am Ende siegte der Lokalmatador am Samstagabend klar nach Punkten (119:107, 118:109, 120:108).

Die spektakuläre Szene in der zehnten Runde des Duells um den WBF-Intercontinental-Gürtel war der Höhepunkt des Hauptkampfes zwischen Doberstein und Gare. Zuvor hatte der Supermittelgewichtler aus St. Ingbert bei seiner Titelverteidigung meist alles im Griff. Von Beginn an nutzte der 1,87 Meter große "Dobermann" seine Reichweiten-Vorteile gegen den zehn Zentimeter kleineren Gare aus. Der 24-Jährige attackierte immer wieder mit schnellen Händen gegen seinen ständig im Vorwärtsgang befindlichen Gegner. Bevor Gare kontern konnte, war der Saarländer Dank starker Beinarbeit schon wieder außerhalb der Schlagdistanz. So sicherte er sich die ersten vier Runden. Eine "taktische Meisterleistung", fand Manager Notar.

Dabei musste Doberstein seine Taktik früh umstellen. "Wir wollten viel mehr mit dem linken Haken arbeiten, aber Jürgen hat sich bereits in der zweiten Runde eine Verletzung an der Hand zugezogen. Deswegen hat er dann links oft angetäuscht und die Rechte gebracht", erläuterte sein Trainer Sergej Ostrovski. "Ich glaube, dass die Kapsel am linken Zeigefinger gerissen ist. Ich lasse mich jetzt untersuchen", bestätigte Doberstein gestern.

Vielleicht ließ Doberstein auch aufgrund der Blessur in der fünften und sechsten Runde etwas nach. Da traf sein bis dato chancenloser Kontrahent ein ums andere Mal ins Schwarze. Doch der deutsche Meister fing sich ab Runde sieben wieder und diktierte das Geschehen wie zu Anfang des Kampfes. Gare sah seine Felle davonschwimmen. Nach Punkten konnte er nicht mehr gewinnen. Doch auch ein "Lucky Punch", ein Glückstreffer, wollte ihm nicht gelingen - im Gegenteil. Als viele Zuschauer schon wegen den wenig aufregenden Runden zu Ende des Duells unruhig wurden, riss sie die Rechte von Doberstein aus der Lethargie.

Plötzlich war das Publikum wieder da, Gare für einen Moment weggetreten. "Der Schlag kam so schnell, den habe ich selbst nicht genau gesehen", sagte Doberstein augenzwinkernd. Der vorzeitige Sieg blieb aus, souverän war es dennoch. "Jürgen ist ein sehr guter Kämpfer. Wenn er weiter hart arbeitet, kann er ein Großer werden. Aber er muss noch viel lernen", sagte Gare.

Der Kampfabend war aus Sicht des Gastgebers von Dog Event ein voller Erfolg. So stellt der saarländische Boxstall nun auch eine Weltmeisterin. Raja Amasheh siegte in einem hochklassigen und temporeichen Kampf gegen die Österreicherin Eva Voraberger nach Punkten. Amasheh konnte sich anschließend den zuvor vakanten WBF-Titel im Superfliegengewicht um die Hüfte schnallen. "Ich wollte sie ständig unter Druck setzen, deswegen bin ich wie ein Berserker auf sie losgegangen", sagte die neue Weltmeisterin. Auch ein dritter Titel wanderte ins Saarland. Ben Donfack siegte durch Aufgabe in der vierten Runde über Said Juma Mbelwa und hat nun den WBF-International-Titel inne. Damit war zu rechnen - im Gegensatz zu dem K.o.-Schlag von Jürgen Doberstein.