Eine Schlacht der Sachverständigen

Berlin. Das Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs CAS im Fall der Doping-gesperrten Eisschnellläuferin Claudia Pechstein (Foto: ddp) wird im Herbst fallen. Das sagte ein CAS-Richter gestern. Er prophezeite für die Verhandlung "eine Schlacht der Sachverständigen"

Berlin. Das Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs CAS im Fall der Doping-gesperrten Eisschnellläuferin Claudia Pechstein (Foto: ddp) wird im Herbst fallen. Das sagte ein CAS-Richter gestern. Er prophezeite für die Verhandlung "eine Schlacht der Sachverständigen". In der für den Sport richtungweisenden Sache wird es für Pechsteins Anwälte darum gehen, die Verlässlichkeit der Messtechnik zu untergraben. Bei einem Erfolg droht dem Eisschnelllauf-Weltverband ISU eine Schadensersatzklage in Millionenhöhe, bestätigt Pechstein. Die ISU hatte über die zweijährige Sperre Pechsteins ohne positiven Befund entschieden und so für ein Novum gesorgt. Bisher war nur US-Sprinterin Marion Jones ohne Positiv-Test gesperrt worden, hatte aber Doping selbst zugegeben. Doping-Experte Fritz Sörgel sieht Pechstein vor dem CAS nicht chancenlos. Er fordert eine aktivere Rolle der Nationalen Anti-Doping Agentur Nada, die mit dem Deutschen Olympischen Sportbund eine statistische Erhebung vorlegen soll: "Experten müssen an einen Tisch und eine Wahrscheinlichkeit ermitteln, wie häufig so ein Retikulozyten-Wert in der Bevölkerung überhaupt entstehen kann." Die "absolut ungewöhnlichen" Profile der fünfmaligen Olympiasiegerin überraschten ihn: "Es ist phänomenal, wie niedrig ihre Hämatokrit- und Hämoglobin-Werte sind. Sie liegen ja sogar teilweise unter den Normalwerten." Aus Sörgels Sicht stellt die Verhandlung harte Anforderungen an die Wissenschaft. Die Sache werde keine triviale Geschichte. Der neue Code der Welt-Anti-Doping-Agentur sei nicht zu Ende gedacht: Die gültigen Bestimmungen ermöglichen Doping-Jägern, Athleten nur anhand einer Indizienkette zu sperren. "Wir brauchen mehr Mathematik und Statistik - mehr Wahrscheinlichkeitsrechnung", sagt Sörgel. dpa

Auf einen BlickSpektakuläre Doping-Skandale im deutschen Sport:Katrin Krabbe: 1992 wird bei der Sprint-Weltmeisterin Clenbuterol gefunden. Der Deutsche Leichtathletik-Verband sperrt sie für ein Jahr, der Weltverband verlängert die Strafe auf zwei Jahre. Roland Wohlfahrt: Der Fußball-Profi hat 1995 über Appetitzügler das Stimulanzmittel Norephedrin genommen. Zwei Monate Sperre. Dieter Baumann: 1999 wird beim 5000-m-Olympiasieger Nandrolon gefunden. Er wird nach der Zahnpasta-Affäre von den Olympischen Spielen 2000 ausgeschlossen. Alexander Leipold: 2000 wird dem Freistilringer Olympia-Gold wegen Nandrolon-Dopings aberkannt. Johann Mühlegg: 2002 gewinnt er bei Olympia drei Mal Ski-nordisch-Gold. Er muss wegen Blutdopings alle Medaillen zurückgeben. Ludger Beerbaum: 2004 wird bei Olympia bei seinem Pferd Goldfever Betamethason gefunden. Das deutsche Springreiter-Team verliert Gold. Jan Ullrich: 2006 wird er von der Tour de France ausgeschlossen, weil er in den Skandal um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes verwickelt sein soll. Sechs Radprofis, drei Ärzte: 2007 gestehen Jörg Jaksche, Bert Dietz, Christian Henn, Udo Bölts, Rolf Aldag und Erik Zabel Blutdoping. Die Ärzte Lothar Heinrich, Andreas Schmid und Georg Huber werden von der Uniklinik Freiburg suspendiert. Stefan Schumacher: 2008 wird bei ihm Cera entdeckt. Zwei Jahre Sperre für den Radprofi. Isabell Werth: Im Juni wird bei ihrem Pferd Whisper Fluphenazin gefunden. Die fünfmalige Dressur-Olympiasiegerin ist suspendiert. Claudia Pechstein: Am 3. Juli sperrt die Internationale Eisschnelllauf-Union die fünfmalige Olympiasiegerin wegen Blutdopings. dpa

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