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Eine neue goldene Generation

Eine neue goldene Generation

Belgiens Jungstars stehen hoch im Kurs. Die goldene Generation ist das Produkt eines radikalen Systemwechsels. An den damaligen Misserfolgen war auch der heutige Nationaltrainer Marc Wilmots als Spieler beteiligt.

Axel Witsel und Eden Hazard waren ihren Clubs je 40 Millionen Euro Ablöse wert, Marouane Fellaini kostete 32, Romelu Lukaku und Kevin de Bruyne 22 Millionen - die Roten Teufelchen stehen hoch im Kurs. "Belgien ist das heißeste Versprechen im europäischen Fußball", sagt Jean-Marie Pfaff. Der Vize-Europameister von 1980 hat wie seine Landsleute verdammt lange auf diese goldene Generation warten müssen.

Dass Nationaltrainer Marc Wilmots bei der WM in Brasilien eine faszinierende Ansammlung begehrter Jungstars hat, hat viel mit einem Tiefpunkt seiner Spielerkarriere zu tun. Nach dem enttäuschenden Scheitern des damaligen Schalkers in der Vorrunde bei der Heim-EM 2000 und dem Achtelfinal-Aus eines in die Jahre gekommenen Teams bei der WM 2002 lag der belgische Fußball in Trümmern.

"Die Belgier haben ihre Nationalmannschaft infrage gestellt. Sie war ihnen peinlich", erinnert sich Michel Sablon. Der damalige technische Direktor des belgischen Verbands spürte: "Wir mussten komplett neu starten. Ich hatte einen Plan, alles umzukrempeln."

Nachdem er sich in den Nachbarländern Frankreich, Niederlande und Deutschland informiert hatte, entwarf Sablon ein Programm, das den belgischen Fußball revolutionierte. Jedes Jugendteam im ganzen Land sollte das flexible 4-3-3-System der Nationalmannschaft spielen. In den untersten Altersklassen wurden die Tabellen abgeschafft, nicht das Ergebnis, sondern die Entwicklung der Spieler sollte zählen. Überdurchschnittliche Talente sollten schneller in älteren Teams spielen. Die Besten wurden in acht Leistungszentren trainiert. "Das hat mich am Anfang nicht besonders populär gemacht", erinnert sich Sablon. Aber nach einigen Jahren trug das neue Programm Früchte. "Unsere Jugendmannschaften waren auf einmal in den Top 10." Spieler wie Witsel, Fellaini oder Hazard entsprangen diesem System.

Und das Ausland wurde auf die neue Generation aufmerksam. Der heute 25 Jahre alte Mittelfeldspieler Witsel wechselte 2012 für 40 Millionen Euro zu Zenit St. Petersburg, Linksaußen Hazard (23) für dieselbe Summe zum FC Chelsea , Mittelfeldmann Fellaini (26) ein Jahr später für 32 Millionen zu Manchester United . Der vorerst letzte Großtransfer ging im Januar über die Bühne, als der VfL Wolfsburg für de Bruyne (23) 22 Millionen zahlte. Vergleichsweise günstig war Torhüter Thibaut Courtois (22), den Chelsea vor drei Jahren für neun Millionen bekam.

Das drittjüngste WM-Team mit einem Durchschnittsalter von 26 Jahren hat laut transfermarkt.de einen Marktwert von 348 Millionen - Platz fünf hinter Spanien, Deutschland, Argentinien und Frankreich - vor England und Italien. "Früher hatten wir einige Stars. Jetzt sind alle Stars", sagt Pfaff, Torwart des WM-Vierten 1986.

Dass nur drei der 23 WM-Spieler von Trainer Wilmots in der heimischen Jupiler Pro League spielen, ist aber nicht nur für sie selbst von Vorteil. Weil die Besten schon früh ins Ausland wechseln, dürfen die nächsten Talente in Lüttich, Anderlecht und Genk viel früher in die Profimannschaften als in der Vergangenheit.

Das jüngste Beispiel ist Youri Tielemans. Das Supertalent gab 2013 als 16-Jähriger für den RSC Anderlecht sein Ligadebüt - und zwei Monate später als jüngster Belgier in der Champions League. Angeblich soll Borussia Dortmund bereits 15 Millionen geboten haben. Es wäre beinahe ein Schnäppchen.

Zum Thema:

Auf einen BlickBelgiens Nationaltrainer Marc Wilmots plagen vor dem Achtelfinale gegen die USA (22 Uhr/ZDF ) Abwehrsorgen. Nach dem WM-Aus von Anthony Vanden Borre, der sich im letzten Gruppenspiel gegen Südkorea einen Wadenbeinbruch zugezogen hatte, plagen sich weitere Defensivspieler mit Verletzungsproblemen. Thomas Vermaelen, Laurent Ciman und Kapitän Vincent Kompany sind angeschlagen. Bei den USA soll Mittelfeldspieler Jermaine Jones trotz eines Nasenbeinbruchs auflaufen (mit einer Spezialmaske), Torjäger Jozy Altidore steht nach seiner Oberschenkel-Zerrung vor dem Comeback. dpa/sid