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Eine Nation im DopingschockDeckname "Asterix"

Eine Nation im DopingschockDeckname "Asterix"

Madrid. Die Sportnation Spanien steht unter Schock. Als wären Wirtschafts- und Schuldenkrise nicht genug, macht das Land nun auch wegen eines Leichtathletik-Dopingskandals mit 14 Festnahmen international negative Schlagzeilen

Madrid. Die Sportnation Spanien steht unter Schock. Als wären Wirtschafts- und Schuldenkrise nicht genug, macht das Land nun auch wegen eines Leichtathletik-Dopingskandals mit 14 Festnahmen international negative Schlagzeilen. Dabei hatten die Iberer nach Erfolgen wie dem Weltmeister-Titel im Fußball oder dem Wimbledon-Sieg Rafael Nadals monatelang das "Goldene Zeitalter" des spanischen Sports gefeiert. "Das ist der Todesstoß für unsere Leichtathletik", meinte das Fachblatt "Sport".

Im Mittelpunkt der Ermittlungen der "Operación Galgo" (Operation Windhund) steht der Mediziner Eufemiano Fuentes, der schon 2006 die Schlüsselfigur im Radsportskandal der "Operación Puerto" (Operation Bergpass) gewesen war. Dies nährt zugleich einen Verdacht: Schon 2006 hieß es, nicht nur Radsportler hätten die Dienste von Fuentes in Anspruch genommen. Beweise gab es dafür bislang nicht. Der frühere Vorsitzende der spanischen Antidopingkommission, Guillermo Jiménez, sagte am Freitag: "Es gibt in Spanien ein Dopingnetzwerk. Ihm gehören Ärzte und Sportler an, die unseren Sport beschmutzen."

Dass ausgerechnet Spaniens erfolgreichste Leichtathletin Marta Domínguez in den Skandal verwickelt sein soll, stößt die Spanier zusätzlich vor den Kopf. Zumal die gefeierte Läuferin im Lichte der Ermittlungen nun als abgebrühte Dealerin dasteht, die andere Sportler mit Dopingmitteln versorgt haben soll. In ihrer Wohnung seien verdächtige Substanzen mit verschlüsselten Etiketten gefunden worden, hieß es.

In Leichtathletik-Kreisen soll es aber ein offenes Geheimnis gewesen sein, dass mit der 35-Jährigen etwas nicht stimme. Ihr ebenfalls festgenommener Trainer César Pérez sei als "der Dealer von Fuentes" bekannt gewesen, hieß es. Die Weltmeisterin im 3000-Meter-Hindernislauf wurde jedenfalls bis auf weiteres als Vizepräsidentin des Leichtathletik-Verbandes (RFEA) abgesetzt. Die Affäre habe dem Image der spanischen Leichtathletik schweren Schaden zugefügt, schrieb Verbands-Chef José María Odriozola in einem Brief. Der RFEA rief zwar dazu auf, Dopingsünder hart zu bestrafen. "Wir werden das ohne Rücksicht tun, wenn nachgewiesen wird, dass ein Sportler betrogen hat." Es müsse aber die Unschuldsvermutung gelten.

Spaniens Sport-Staatssekretär Jaime Lissavetzky, der sich stets für "Null Toleranz" beim Doping ausspricht, hielt sich zurück: "Solange die Ermittlungen noch laufen, kann ich zur Situation von Domínguez nichts sagen." Es sei aber "sehr traurig" über die Vorwürfe.

Abgehörte Telefongespräche brachten die Fahnder auf die Spur des neuen Dopingskandals. Die Polizei habe die Verdächtigen monatelang beobachtet und überwacht, berichtete die Presse. Zudem habe der im vorigen Jahr des Dopings überführte Geher Paquillo Fernández der Polizei wichtige Hinweise geliefert. dpa

Madrid. Viereinhalb Jahre sind vergangen, seit Eufemiano Fuentes am 23. Mai 2006 beim Verlassen eines Hotels in Madrid erstmals festgenommen wurde. Die Polizei legte dem spanischen Arzt zur Last, Drahtzieher des bislang größten Dopingskandals in der Geschichte des Radsports zu sein. Unter dem Decknamen "Asterix" soll er Dutzende Profis mit präparierten Blutkonserven versorgt haben. Stars wie Jan Ullrich, Ivan Basso oder Alejandro Valverde gerieten in der "Operación Puerto" (Operation Bergpass) in Verdacht, wiesen aber alle Vorwürfe zurück.

Fuentes verbrachte eine Nacht in Haft und kam nach Zahlung einer Kaution von 120 000 Euro wieder frei. Doping war seinerzeit in Spanien noch nicht strafbar. Nachdem der Prozess 2009 neu aufgerollt wurde, wartet der heute 55 Jahre alte Mediziner aus Las Palmas auf Gran Canaria noch immer auf sein Verfahren. Er muss sich darin lediglich wegen eines Verstoßes gegen die öffentliche Gesundheit verantworten. Das könnte sich ändern, nachdem er nun im Zusammenhang mit dem Dopingskandal der "Operación Galgo" (Operation Windhund) erneut festgenommen wurde.

"Ich wurde damals gelyncht. Der Schaden, der mir zugefügt wurde, ist nicht zu reparieren", sagte der von seiner Unschuld überzeugte Fuentes vor wenigen Monaten der Zeitung "El Mundo". Er habe als Familienarzt in einer staatlichen Klinik in Las Palmas "bei Null" anfangen müssen. "Der Sport interessiert mich nicht mehr, ich will meine Ruhe", versicherte der dreimalige Familienvater.

Nach den neuen Vorwürfen der Ermittler sieht die Realität jedoch anders aus. Fuentes und seine Schwester Yolanda - sie ist ebenfalls Ärztin - sollen systematisch Dopingpläne für mehrere Leichtathleten entworfen und dabei Epo, Anabolika, Steroide oder Eigenbluttransfusionen eingesetzt haben - wie damals bei der "Operación Puerto".

 Eufemiano Fuentes wurde auf Kaution freigelassen. Foto: dpa
Eufemiano Fuentes wurde auf Kaution freigelassen. Foto: dpa

In seiner Jugend war Fuentes selbst Sportler: 1976 wurde er Hochschulmeister im 400-Meter-Hürdenlauf. Sein Trainer war Manuel Pascua Piqueras, der nun auch festgenommen wurde. Nach dem Studium arbeitete er als Arzt für Spaniens Leichtathletik-Verband. Sein Aufgabengebiet: Leistungssteigerung der Athleten. Zu diesen zählte auch seine heutige Frau, Cristina Pérez. Als diese 1988 positiv auf Anabolika getestet wurde, schied Fuentes aus dem Verband aus. dpa