Eine Meisterfeier mit Pokalspiel im Kopf

München · Bayern München feierte nach dem 1:0 gegen den VfB Stuttgart seinen lange feststehenden 24. Meistertitel. Die Party wurde vom Gedanken an Borussia Dortmund begleitet. Erst in einer Woche wird die Saison des Rekordmeisters definiert.

Die Weißbierdusche ließ Pep Guardiola über sich ergehen, als wäre es ein Champagnerbad. "Es ist kalt, es brennt in den Augen", stellte er grinsend fest. Dass ihm kurz danach die Meisterschale aus den Hände glitt - geschenkt.

Für einige Momente genoss der Trainer von Bayern München seinen ersten Bundesliga-Titel in tiefen Zügen, ehe ihn im Feiertrubel die Realität einholte. Erst in einer Woche im DFB-Pokalfinale gegen Borussia Dortmund wird sich entscheiden, ob es nun eine gute oder sogar eine sehr gute Saison für den Rekordmeister war. "Der Pokalsieg würde uns natürlich gut tun", sagte Guardiola.

Zuerst aber wurde ausgiebig gefeiert. Kurz nach 21 Uhr am Samstagabend bewältigte Guardiola eine weitere Tradition: Vor 15 000 Anhängern hielt er, vorschriftsmäßig in Trachtenjanker und Lederhose gekleidet, eine kurze Rede, die in dem Satz gipfelte: "Ich liebe euch, ich bin ein Munschener, mia san mia." Ehe es weiter ging zur internen Feier in den Postpalast, wo eine Bühne in Form der Meisterschale aufgebaut war, rief Clubchef Karl-Heinz Rummenigge den Fans zu: "Ich hoffe, dass wir uns nächsten Sonntag wieder gemeinsam hier sehen." Reserviert haben die Bayern Rathausbalkon und Marienplatz schon mal vorsorglich.

Und doch war am Samstag alles auch ein bisschen anders. Nach dem mühsamen 1:0 (0:0) gegen den VfB Stuttgart schlussfolgerte Guardiola schon mal, dass die Stimmung nicht so sei, als hätten die Münchner den Titel erst jetzt perfekt gemacht. "Es fühlt sich ein bisschen komisch an", sagte auch Arjen Robben, weil die früheste Meisterschaft der Bundesliga-Geschichte ja bereits seit dem 25. März feststand. Auch der Niederländer hat den BVB längst im Kopf. "Wir alle wissen, worum es geht am nächsten Samstag. Das sind für alle doch die schönsten Spiele."

Und so war die Meistersause diesmal reichlich unspektakulär. Kein vulkanartiger Ausbruch der Freude wie im Vorjahr, als die Schale endlich wieder dorthin zurückkam, wo sie aus Bayern-Sicht hingehört. Die verpasste Triple-Verteidigung nagt noch, sie überlagerte auch die Freudentänze auf dem Spielfeld, den Jubel im Stadion - einfach alles. "Im Vergleich zum Vorjahr", meinte Nationalspieler Thomas Müller, "hatten wir nicht den durchschlagenden Erfolg". Außerdem gestand er, dass "natürlich noch ein bisschen Unruhe drin" sei.

Zur Unruhe gesellt sich nun auch die Sorge um Bastian Schweinsteiger. Der Vize-Kapitän reckte zwar den Daumen hoch, als er nach dem Spiel wortlos durch die Mixed-Zone ging, doch sein Blick sagte nicht das Gleiche aus. In der 37. Minute war Schweinsteiger mit Knieproblemen unfreiwillig vom Platz gegangen, es sei eine Vorsichtsmaßnahme gewesen. "Der Doktor hat mir gesagt, es ist die Patellasehne. Wir haben noch sechs Tage Zeit", sagte Guardiola, der die angeschlagenen Philipp Lahm, Mario Götze und Franck Ribéry bereits für das Finale in Berlin geschont hatte.Als gestern das Ende der heilen Mainzer Welt verkündet wurde, durfte Thomas Tuchel gar nichts mehr sagen. In Abwesenheit des 40-Jährigen sprach FSV-Manager Christian Heidel über das Ende der Zusammenarbeit mit dem vertraglich weiterhin gebundenen Trainer.

"Er hat mir klar und deutlich zu verstehen gegeben, dass er seine Mission als beendet ansieht", berichtete Heidel über die Gespräche mit dem Trainer, die der Club wochenlang vor der Öffentlichkeit geheim gehalten hatte: "Es war eine sehr emotionale Situation. Fakt ist, dass Thomas sich gestern (Samstag, Anm. der Red.) von der Mannschaft mit bewegenden Worten verabschiedet hat."

Fakt ist aber auch, dass Tuchels noch bis zum 30. Juni 2015 laufender Vertrag nicht aufgelöst werden wird. Auf dem Papier bleibt Tuchel damit auch in der kommenden Saison Trainer der Rheinhessen. Ebenso Fakt ist, dass Tuchel mit der Situation äußerst unzufrieden zu sein scheint. "Meinem Wunsch nach einer einvernehmlichen Lösung ist seit Januar ebenso wenig entsprochen worden, wie die Möglichkeit einer gemeinsamen öffentlichen Erklärung", ließ Tuchel per schriftlichem Statement gestern noch ausrichten: "Beides bedauere ich sehr. Ich hoffe nach wie vor auf eine zeitnahe Lösung." Auch Heidel sei "an einer Lösung interessiert, aber Verträge sind Verträge, und die werden bei Mainz 05 erfüllt. Ihm war immer klar, dass es einen Vereinswechsel ohne Mainz 05 nicht geben wird", sagte Heidel. Die Situation sei ein "Novum", auch juristisch. "Für mich persönlich wäre das eine Katastrophe, wenn sich Thomas Tuchel und Mainz 05 vor einem Arbeitsgericht wiederfinden."

Eine Lösung könne ein Jahr unbezahlter Urlaub sein, Tuchel habe schließlich zu verstehen gegeben, dass er in der kommenden Saison keine Mannschaft betreuen wolle. Allerdings bestätigte Heidel Tuchels geheime Gespräche mit Schalke 04. Auch mit Bayer Leverkusen habe Tuchel verhandelt. Allen Interessenten habe Heidel zu verstehen gegeben, dass "die Chance bei 0,0 Prozent liegt, dass Thomas am 1. Juli Trainer bei einem anderen Verein ist." Tuchel meinte dazu: "In keinem Gespräch mit einem Verantwortlichen von Mainz 05 habe ich um eine Freigabe gebeten." Der frühere Jugendtrainer Tuchel hatte den FSV 2009 von Jörn Andersen übernommen und jetzt zum Ende in die Europa League geführt. Zehn-Millionen-Mann Heung-Min Son sprang seinem Torhüter Bernd Leno auf die Schultern und herzte jeden, der ihm in den Weg kam. Jugendleiter Sascha Lewandowski wehrte sich mit Händen und Füßen gegen den Sprung auf den Zaun zu den Fans. So unterschiedlich die beiden Helden von Bayer Leverkusen sind, so unterschiedlich feierten sie auch den Einzug in die Champions-League-Qualifikation.

Der Südkoreaner Son holte mit dem Tor (53. Minute) zum 2:1 gegen Werder Bremen seine zweistellige Ablöse praktisch mit nur einem Kopfball wieder rein und sprach sichtlich bewegt von einem "geilen Gefühl". Interimstrainer Lewandowski landete nach der Erfüllung seiner "schier unmöglichen Mission" (Geschäftsführer Michael Schade) doch noch auf dem Zaun. "Ein Interimstrainer hat da nichts zu suchen. Aber aus der Nummer kam ich nicht raus", sagte der 42-Jährige.

Schade zollte Lewandowski "ein großes Riesenkompliment" - von daher wäre es logisch gewesen, Lewandowski zu behalten, anstatt geschätzte 1,5 Millionen Euro Ablöse für den neuen Trainer Roger Schmidt zu zahlen. Doch der Coach sprach von einer "Grundsatzentscheidung" gegen den Profi-Fußball. "Es gab auch Anfragen von anderen Vereinen, aber es war nicht mit ihm zu reden", betonte Sportchef Rudi Völler. Am Samstag schloss Lewandowski eine Rückkehr in die Bundesliga allerdings "nicht auf alle Ewigkeit aus". Seine Aufgabe als Jugendleiter in Leverkusen sei aber "ein Langzeitprojekt".

Mit 13 von 15 möglichen Punkten erfüllte er nach der Mission Europa League 2011 und der Mission Champions League 2012 auch die wohl schwierigste dritte. Denn bei der Entlassung seines Vorgängers und vorherigen Partners Sami Hyypiä hatte Bayer die Königsklasse eigentlich schon abgeschrieben. "Wir haben geglaubt, dass wir 15 Punkte brauchen", verriet Schade: "Aber wir haben nicht damit gerechnet, 13 Punkte zu holen."

Zum Thema:

Auf einen BlickTorschützenliste der Fußball-Bundesliga (nach 306 Spielen): 20 Tore: Robert Lewandowski (Borussia Dortmund).18 Tore: Mario Mandzukic (Bayern München).17 Tore: Josip Drmic (1. FC Nürnberg).16 Tore: Roberto Firmino (1899 Hoffenheim), Marco Reus (Borussia Dortmund), Adrián Ramos (Hertha BSC).15 Tore: Stefan Kießling (Bayer Leverkusen), Raffael (Bor. Mönchengladbach), Shinji Okazaki (FSV Mainz 05).14 Tore: Ivica Olic (VfL Wolfsburg).13 Tore: Pierre-Emerick Aubameyang (Borussia Dortmund), Pierre-Michel Lasogga (Hamburger SV), Thomas Müller (Bayern München). dpa