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Eine Königin von schierer Kraft

Sotschi. Skilanglauf-Königin Marit Björgen hat Olympia-Geschichte geschrieben. Die 33-Jährige holte über 30 Kilometer ihr insgesamt sechstes Gold. An ein mögliches Karriere-Ende denkt Björgen noch lange nicht. Von sid-MitarbeiterChristoph Leuchtenberg

Was zwei Wochen zuvor mit bitteren Tränen begonnen hatte, endete für Marit Björgen am Samstag im größtmöglichen Freudentaumel. Ihr dritter Gold-Coup machte die Norwegerin im Marathon nicht nur zur Langlauf-Königin von Sotschi, sondern mit nun sechs Olympiasiegen, drei Silber- und einer Bronzemedaille auch zur erfolgreichsten Athletin in der Geschichte der Winterspiele. Insgesamt erfolgreicher sind nur ihre Landsmänner Ole-Einar Björndalen (8-4-1) und Björn Dählie (8-4-0).

"Das ist heute ein unglaublicher Tag. Für mich und für Norwegen", sagte Björgen kurz und knapp, nachdem ihre eigentliche olympische Mission erfüllt war - eine Dampfplauderin wird sie wohl nicht mehr. Beim Unterfangen, als erster Mensch bei Winterspielen sechs Mal Gold in einem Jahr zu gewinnen, ist die 33-Jährige gescheitert - an sich, am Material und an famosen Rivalinnen. Die Enttäuschung darüber hielt sich jedoch in Grenzen.

Björgens olympische Wochen im Kaukasus bieten insgesamt genug Stoff für einen abendfüllenden Herz- und Schmerz-Spielfilm, denn auf dem steinigen Weg in die Geschichtsbücher wurde die sonst so eisenharte Loipen-Herrscherin plötzlich ganz zerbrechlich. "Ich habe hier in Sotschi sehr an mir gezweifelt und nach den Niederlagen viel geweint", sagte Björgen, die trotz ihrer drei Goldmedaillen in Sotschi den wohl schwersten Wettkampf ihrer Karriere erlebt hatte.

Der Sieg im Skiathlon wurde von der Trauer über den Tod des Bruders ihrer Teamkollegin Astrid Jacobsen überschattet, danach platzte mit dem Sturz im Sprint-Halbfinale der Traum vom goldenen Sechser-Pack in Sotschi. Über zehn Kilometer und mit der Staffel (jeweils Platz fünf) setzte es überraschende Pleiten - Norwegens Quartett hatte zuvor vier Jahre lang kein Rennen verloren. Nun rutschten Björgen und Co. auf unterlegenen Ski hinterher.

Erst mit dem Triumph im Teamsprint kehrten Björgens Lächeln und Selbstbewusstsein zurück. Beim abschließenden 30-Kilometer-Massenstart am Samstag dominierte Norwegen mit einem Dreifachsieg und bleibt so die weltweit beherrschende Langlauf-Nation - und "Königin" Björgen hält das Zepter fest in der Hand.

Dabei könnte sie es nach 15 Jahren auf höchstem Niveau nun eigentlich ruhiger angehen lassen. Im März wird sie 34. Eigentlich hatte sie mit einem Karriereende nach der WM 2015 in Falun geliebäugelt. Doch Björgen sagt: "Ich möchte dabei bleiben, solange die Motivation da ist." Olympia 2018 in Pyeongchang ist ein Thema, auch die Spiele 2022 - sie könnten in Oslo stattfinden, ein geeigneter Rahmen für einen glanzvollen Abschied der dann 41-Jährigen. Damit wäre sie nur ein Jahr älter als Biathlet Ole-Einar Björndalen bei seinen letzten Olympischen Spielen in Sotschi. Und auch er zeigte mit seinen Goldmedaillen sieben und acht, dass das Alter allein keineswegs ein Hindernis ist. "Physisch ist es möglich", meinte Marit Björgen so nachdrücklich, dass niemand an ihren Worten zweifeln mochte.


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HintergrundRusslands Importschlager Viktor An ist der erfolgreichste Sportler der Winterspiele in Sotschi gewesen. Der gebürtige Südkoreaner gewann am Freitag im Shorttrack Gold über 500 Meter und führte anschließend auch die russische Staffel über 5000 Meter zum Olympiasieg. Für An, der erst seit 2011 die russische Staatsbürgerschaft besitzt, war es am Schwarzen Meer bereits der dritte Sieg nach dem Erfolg über 1000 Meter. Darüber hinaus hatte er über 1500 Meter die Bronzemedaille gewonnen.Drei Goldmedaillen holten bei den Spielen in Sotschi auch die norwegische Langläuferin Marit Björgen und die weißrussische Biathletin Darja Domratschewa. sid/dpa