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Eine Geschichte, die Mut macht: Otmar Jenal kämpfte sich ins Leben zurück

Fußball : Wenn die Welt plötzlich aus den Fugen gerät

Otmar Jenal war eigentlich auf dem Weg zum Fußballplatz, am Ende landete er auf der Intensivstation, lag fast sechs Wochen im Koma. Doch er kämpfte sich zurück. Eine bewegende Geschichte, die Mut macht.

Dieser 5. Mai 2019, es war ein Sonntag, begann für Otmar Jenal eigentlich, wie schon viele andere Sonntage zuvor. Und trotzdem sollte sich im Verlauf dieses Tages das Leben des Otmar Jenal grundlegend ändern. „Doch um ehrlich zu sein, so richtig fit habe ich mich nicht gefühlt an diesem Tag. Mir war, wie man so sagt, ein wenig flau. Ich bastelte um die Mittagszeit an der Aufstellung meiner Mannschaft, die am Nachmittag gegen Düppenweiler antreten musste“, erinnert sich der 57-jährige Fußball-Trainer der SF Saarfels.

„Mein Unwohlsein nahm dann immer mehr zu, und ich habe dann zu meiner Lebensgefährtin gesagt, dass sie mich ins Krankenhaus nach Merzig fahren solle.“ Dort angekommen, diagnostizierten die Ärzte eine übergangene Lungenentzündung, die das Herz angegriffen hatte. Danach überschlugen sich die Ereignisse.

Nur wenig später, mittlerweile auf die Intensiv-Station überwiesen, fiel Jenal ins Koma – aus dem er erst knapp sechs Wochen später wieder erwachen sollte. Eine fürchterliche Zeit für seine Familie, seine Freunde – und die Mannschaft.

„Ich hab an die rund 40 Tage im Koma keine Erinnerung. Nichts, gar nichts. Nur eines war mir klar nach meinem Erwachen: Es war nicht mehr viel so, wie es zuvor war.“

Die ersten Wochen musste Jenal im Rollstuhl verbringen, da der Muskel-Apparat stark geschwächt war. „Auch in meinem Bewegungs-Ablauf hat nicht mehr viel gestimmt. Ich musste vieles neu erlernen. Ich, der so gut wie nie ernsthaft erkrankt war, brauchte nun für fast alles, was ich tat oder machen wollte, die Hilfe von anderen Menschen. Auch das war ein Lern-Prozess.“

Jenals großer Rückhalt in dieser schweren Zeit war seine Familie. Die Kinder und seine Freundin standen ihm immer zur Seite. „Ich war keinen Tag allein. Das war schon klasse von meinen Leuten, wie man sich um mich gekümmert hat“, sagt der 57-Jährige. Auch von seinen Sportfreunden aus Saarfels, anderen Weggefährten und Freunden kamen jede Menge Zuspruch und Unterstützung.

„Ich hatte aber auch direkt nach meinem Erwachen, den unbedingten Willen zu leben. Aufgeben und mich dem Schicksal, so wie es war, ergeben – das war für mich nie eine Option. Wenn ein Schicksals-Schlag kommt, dann muss man ihn halt annehmen und alles dafür tun, dass es sobald wie möglich, wieder in normalen Bahnen läuft“, war Jenal immer optimistisch, dass er die Krankheit und das, was mit ihr verbunden war, meistern würde.

Und es ging vorwärts. Schritt für Schritt – selbst wenn diese Schritte manchmal klein waren und auch der eine oder andere Rückschritt dabei war. So konnte Jenal am 28. Juni 2019 das Merziger Krankenhaus verlassen und seine weitere Genesung von zu Hause aus vorantreiben. „An die Menschen, die sich in der Klinik um mich gekümmert haben, geht ein Riesendank“, sagt er.

Sehr gute Erinnerungen verbindet der Trainer auch mit der anschließenden Reha-Maßnahme im hessischen Bad Ems. Die ruhig gelegene Kur-Klinik war der ideale Ort, Kräfte zu sammeln und der Gesundung ein Stück näherzukommen. „Diese Wochen waren Balsam für mich und meine Seele. Es war alles da, um sich wohl zu fühlen und gesund zu werden.“

Und nur wenige Wochen später passierte dann das, was für alle, die Jenal näher und besser kennen, längst klar war. „Mitte Oktober habe ich wieder das Training meiner Mannschaft geleitet. Das war ein Moment, den ich so sehr herbeigesehnt habe – und von dem ich doch lange meilenweit entfernt war“, sagt er sichtlich bewegt.

In der Zeit seiner Krankheit waren Frank Tiné-Burbach und Nofav Özgin verantwortlich für die Saarfelser Fußballer. „Sie haben mich einfach klasse vertreten“, sagt Jenal dankbar.

Mittlerweile ist er auch wieder ins Arbeitsleben bei der Dillinger Hütte zurückgekehrt. „Ein weiterer Schritt zur Normalität für mich.“ Doch diese Normalität ist für die nächste Zeit zunächst mal Geschichte, denn der Corona-Virus hat auch Jenals Arbeitgeber lahmgelegt. Aber auch diese Zeit wird Jenal meistern. Dennoch werden die zurückliegenden zehn Monate mit vielen Ängsten, großen Hoffnungen, dem schrittweisen „wieder gesund werden“ und „ins tägliche Leben zurückkehren“ für Jenal eine Ära bleiben, an die er nicht gerne, aber immer wieder zurückdenken wird.