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Saarsport-Tribüne
Eine Bundesliga, die den Namen kaum verdient

FOTO: Roby Lorenz / SZ
Der erste Kampftag in der Ringer-Bundesliga machte ein eklatantes Leistungsgefälle deutlich. Die Saison droht zu einer Farce zu geraten. Kai Klankert
Kai Klankert

Es mag nicht fair sein, schon nach einem Kampftag ein Urteil zu fällen. Aber die Ringer-Bundesliga ist einer Bundesliga nicht würdig. Die fünf Top-Vereine in Deutschland, die sich abgespalten haben, auf die Bundesliga pfeifen und in der eigenständigen Deutschen Ringer Liga ab 30. September gegeneinander antreten – sie fehlen einfach. Keine Duelle mehr mit Germania Weingarten, dem KAV Mansfelder Land, dem KSV Ispringen, dem ASV Nendingen oder dem Traditionsverein schlechthin, dem VfK Schifferstadt. Jedem Ringer-Fan im Saarland blutet das Herz. Und es wird jetzt, wo die Bundesliga begonnen hat, nur noch schlimmer.



Der KSV Köllerbach hat sich gegen die DRL und für den DRB und die Bundesliga entschieden. Ob das richtig war? Dass alle Zweitligisten vom DRB zu Erstligisten gemacht wurden, hat für Köllerbach fatale Folgen. Der Auftakt hat das deutlich gezeigt: 28:1 gegen den TV Aachen-Walheim – und das längst nicht in Bestbesetzung. Die Duelle mit Heusweiler, Hüttigweiler, Riegelsberg, Merken und Witten werden kaum anders aussehen. Spannung? Fehlanzeige. Die reguläre Saison bietet sportlich keinen Anreiz, selbst die ersten Playoff-Runden sollte Köllerbach überstehen, ohne auch nur halbwegs an seine Grenzen gehen zu müssen. Und sogar der Sechste von sieben Teams in der Vorrunde kann ins Achtelfinale kommen – ein schlechter Witz.

Wäre da nicht ein Start in der DRL sinnvoller gewesen? Der KSV hat den Konfrontationskurs der Abtrünnigen nicht mitgehen wollen. Und sich selbst mit der Entscheidung pro DRB aus dem Mittelmaß in die Rolle eines Favoriten auf die deutsche Meisterschaft katapultiert. Es wäre der siebte Titel nach 1966, 1968, 1972, 2007, 2008 und 2009. Doch was wäre dieser wert? Ohne die besten Vereine in Deutschland?

Der AC Heusweiler, der KV Riegelsberg und der ASV Hüttigweiler sind mit der Lösung auch nicht glücklich. Sie wären lieber in einer 2. Liga geblieben. Das Achtelfinale um die Meisterschaft zu erreichen – es ist ein zweifelhafter Anreiz. Denn jedem ist bewusst, dass er nur ein Lückenfüller ist in einem Konstrukt, das auf Dauer nicht funktionieren kann. Der Deutsche Ringer-Bund wird das Gespräch suchen müssen. Mit seinen Vereinen, mit denen aus der DRL. Ohne Kompromiss wird die Bundesliga keine Zukunft haben, das ist schon nach einem Kampftag klar.