Ein wortgewaltiges Schwergewicht

Losheim. Er kam am Montagabend auf Einladung der Sparkasse Merzig-Wadern zu einer Benefizveranstaltung nach Losheim - und die 450 Zuhörer in der Eisenbahnhalle erlebten Referent Reiner "Calli" Calmund, wie er leibt und lebt: deftig-derb, witzig, scharfsinnig, hintergründig, schlagfertig, rhetorisch einfach unschlagbar und nie um gute Sprüche verlegen

Losheim. Er kam am Montagabend auf Einladung der Sparkasse Merzig-Wadern zu einer Benefizveranstaltung nach Losheim - und die 450 Zuhörer in der Eisenbahnhalle erlebten Referent Reiner "Calli" Calmund, wie er leibt und lebt: deftig-derb, witzig, scharfsinnig, hintergründig, schlagfertig, rhetorisch einfach unschlagbar und nie um gute Sprüche verlegen. Ganz nach dem Motto "Große Klappe, viel dahinter".

Der gefragte Fußball-Experte, Ex-Manager und Ex-Geschäftsführer von Bayer Leverkusen zeigte sich auch einfühlsam und sensibel. Vor allem beim Thema Nationalmannschaft und Michael Ballack. "Ich habe eine große Liebe zu ihm, weil wir lange zusammengearbeitet haben", bekennt Calmund. "Er hat unwahrscheinliche Verdienste. Das hat aber nix damit zu tun, wenn die jungen Leute an der Front sind und mit Disziplin, Kraft, Kompetenz und Leidenschaft aufspielen. Das muss man ohne Einschränkungen positiv sehen", urteilte er.

Was dem "gemütlichen Dicken" aber gegen den Strich geht, ist, wenn man "die anderen lobt, die auf der Position der Verletzten spielen, und den eigentlichen Spielern dann mit dem Absatz noch ins Gesicht tritt". Und überhaupt: Die Heuchelei stört Calmund gewaltig. "Wir haben in Deutschland mehr Meckerer, Nörgler und Chef-Bedenkenträger als in ganz Europa zusammen. Mir wird zu viel geheuchelt. Heute hosianna, morgen kreuzigt ihn, das ist nicht in Ordnung."

Von den jungen Spielern, besonders von denen, die von den Verletzten profitieren, erwartet Calmund "ein bisschen mehr Demut und Respekt". Mitgefühl fordert er "von jedem Menschen, der normal entwickelt ist, denn man gönnt ja niemandem eine Verletzung, selbst wenn es nicht mein Lieblingsspieler ist". Calmund ist aber überzeugt, dass "die deutsche Elf mit einem gesunden und zu 100 Prozent fitten Michael Ballack, noch stärker auftrumpft".

Auftrumpfen und oben mitspielen wird nach Calmunds Ansicht auch wieder der FC Bayern. "Die werden sich fangen, in der Winterpause noch ein, zwei Spieler verpflichten, und dann geht die Post ab." Uli Hoeneß hält er mit dessen sozialer Kompetenz und Geradlinigkeit für den "besten Manager der letzten Jahrzehnte". Der beste Trainer der letzten Jahre sei Felix Magath. "Ich muss den Felix jetzt verteidigen. Nach zwei Niederlagen mit Schalke stand er schon in der Schusslinie." Lobende Worte gab's auch für Marco Kurz und den 1. FC Kaiserslautern. "Die gehören einfach in die Bundesliga. Ich glaube, dass die junge Mannschaft mit ihrer forschen und unbekümmerten Art bald auf gutem Wege ist und der Betze wieder brennt."

Ganz große Stücke hält Calmund aber auf Jürgen Luginger, den Trainer des Drittligisten 1. FC Saarbrücken, und gerät geradezu ins Schwärmen: "Jürgen ist ein unwahrscheinlich anständiger Kerl, charakterlich gefestigt, geradlinig, sehr, sehr kompetent und unwahrscheinlich fleißig." Calmund findet den FCS-Trainer aber ein bisschen "zu brav und zu nett" und empfiehlt: "Vielleicht hätte er ein bisschen mehr Drecksack sein müssen." Dem FCS und seiner Führung empfiehlt Calmund, "immer schön bescheiden zu bleiben, auch wenn die Erwartungshaltung und die Euphorie nach dem Aufstieg groß sind. Der Klub soll sich jetzt erst mal stabilisieren, in ein, zwei Jahren dann angreifen und das ein oder andere Ziel anstreben". "Wir haben in Deutschland mehr Meckerer als in ganz Europa zusammen."

Reiner "Calli" Calmund