Tennisspielerin blickt zurück: Ein verhextes Jahr mit Aufs und Abs

Tennisspielerin blickt zurück : Ein verhextes Jahr mit Aufs und Abs

Trotz eines Sprungs in der Weltrangliste erlebte Tennisprofi Katharina Hobgarski ein holpriges Jahr mit Krankheiten und Verletzungen.

Zahlen zwicken nicht. Sie tun auch selten weh. Ginge es im Tennis nur um Zahlen, wäre 2017 ein gutes Jahr gewesen für Katharina Hobgarski. Im vergangenen August stand die Profi-Spielerin aus Haupersweiler in der Weltrangliste auf Platz 219 – so gut wie nie, 116 Ränge besser als zu Jahresbeginn. Trotzdem sagt die 20-Jährige: „Es war ein relativ holpriges Jahr. Ich war viel verletzt, krank, im Oktober hatte ich eine Operation.“ Kurz: „Es war ein Up and Down.“ Ein Auf und Ab.

Katharina Hobgarski gehört zu den großen Talenten der Region, im November war sie als „Saarsportlerin des Jahres“ nominiert. Das hat sie überrascht. „Es gibt so viele erfolgreiche saarländische Sportler“, sagt Hobgarski. Weshalb sie nicht so ganz verstanden habe, warum sie zu den Auserwählten zählte. Nach all den Rückschlägen.

Einerseits dürfte die Nominierung eine Anerkennung gewesen sein für die harte Arbeit der vergangenen Jahre. Auch für einen kurzen Auftritt bei den US Open im August. Andererseits war sie ein Vorschuss an Aufmerksamkeit. Geht es im Saarland um Frauentennis, erinnern sich die meisten an Claudia Kohde-Kilsch. Oder an Kristina Barrois, die 2014 ihre Karriere beendete. Hobgarski soll der nächste bekannte Name werden.

Daran arbeitet auch der Saarländische Tennisbund (STB). An der Hermann-Neuberger-Sportschule in Saarbrücken kümmert sich Carsten Marko um Hobgarski. „Ihre Entwicklung ist extrem gut“, sagt der stellvertretende Verbandstrainer. Marko lobt sein Top-Talent: „Katharina spielt mit Köpfchen, verfügt über ein gutes Ballgefühl, gute technische Fähigkeiten.“ Sie sei in der Lage, ein Spiel selbst zu diktieren. Diese Qualität sieht Marko auf dem Level, das Hobgarski erreicht hat, nur bei wenigen. Er ist überzeugt: „Sie kann eine sehr gute Spielerin werden in der Welt.“ Aber: „Das geht nur, wenn der Körper mitspielt.“

Beim Deutschen Tennisbund (DTB) rechnen sie ebenfalls mit Hobgarski. Der Spitzenverband fördert die Saarländerin über sein Porsche Talent Team. „Sie ist ein Riesentalent und noch weit davon entfernt, ihr gesamtes Potenzial auszuschöpfen“, meint Barbara Rittner. Die frühere Weltklasse-Spielerin stieg im vergangenen Jahr beim DTB zum „Head of Women’s Tennis“ auf, zur Chefin im deutschen Frauentennis. Gemeinsam mit ihr und Bundestrainerin Jasmin Wöhr entwarf Hobgarski eine „Grobplanung“ für die neue Saison – bis März.

Regelmäßig fährt „Kathi“ nach Stuttgart-Stammheim, zum Bundesstützpunkt des DTB, wo sie dann mit Wöhr arbeitet. Die meisten Trainingstage verbringt sie aber an der Sportschule. Morgens startet Hobgarski auf der Laufbahn, nach zwei Tenniseinheiten trainiert sie Kraft oder Kondition. Am Ende steht ein Ausdauerlauf. STB-Trainer Marko sagt: „Der Hauptweg wird sein, sie körperlich wieder auf ein höheres Level zu bringen.“

Im April vergangenen Jahres ließ Hobgarski beim WTA-Turnier in Stuttgart aufhorchen. Die Rechtshänderin verpasste das Hauptfeld nur knapp. In der Qualifikation schaltete sie erstmals eine Spielerin aus den Top 100 der Welt aus, die Japanerin Risa Ozaki, damals die Nummer 70. Doch: Schon bei diesem Auftritt schmerzte ihr Rücken. Hobgarski legte eine Pause ein, zwei Wochen war sie in der Reha in Donaustauf bei Klaus Eder, dem Wunderheiler der Fußball-Nationalmannschaft. Erst im Juli konnte sie wieder Tennis spielen, gut zwar. Doch dann traf sie ein Hexenschuss. „Immer, wenn es bergauf ging, kam etwas dazwischen“, sagt Hobgarski.

Umso erstaunlicher, dass sie es ausgerechnet in diesem verhexten Jahr nach New York zu den US Open schaffte. Für Hobgarski war es das erste Grand-Slam-Turnier. „Ich bin nicht ganz topfit hingefahren, aber ich wollte unbedingt die Erfahrung mitnehmen“, erklärt sie. In der Qualifikation traf die Saarländerin auf Lucie Hradecká. Gegen die elf Jahre ältere Tschechin hatte sie Anfang August in Bad Saulgau gewonnen. Nun standen sie sich im legendären Flushing Meadows erneut gegenüber, auf Platz acht, bei über 30 Grad. Der erste Satz dauerte 48 Minuten, Hobgarski schaffte zwei Breaks, führte mit 5:3. Dann machten sich ihre Verletzungspausen bemerkbar. Am Ende des ersten Durchgangs musste sie sich knapp geschlagen geben. Danach hatte Hradecká leichtes Spiel. Ergebnis: 5:7, 1:6. „Sie hat sich den Sieg über ihre Fitness geholt“, sagt Hobgarski: „Im Prinzip hat nicht sie mich geschlagen, sondern die Hitze mich.“

Im Oktober schlug Hobgarski noch beim WTA-Turnier in Luxemburg auf. Dann wurde wegen einer Zyste aus einer geplanten Zahn-OP eine Notoperation. Sie sagt: „Meine Saison war nach der OP eigentlich schon beendet.“ Hobgarski durfte keinen Sport machen. Einen Monat lang. Ganz daran gehalten hat sie sich nicht. Im Dezember kämpfte sie sich bei den deutschen Meisterschaften in Biberach bis ins Finale. Dort unterlag sie der topgesetzten Hamburgerin Tamara Korpatsch mit 7:5, 0:6, 1:6. „Es ist echt gut gelaufen, besser als ich erwartet habe, weil ich wegen der Operation nicht viel Spielpraxis hatte“, sagt Hobgarski.

Im neuen Jahr will sie wieder Turniere spielen, sich in der Weltrangliste schnell in die Top 200 vorarbeiten, um wieder bei einem Grand Slam dabei sein zu können. „Mein Ziel wäre die Qualifikation bei den French Open“, sagt Hobgarski. Das Turnier in Paris ist der zweite Grand Slam des Jahres, im Mai, auf Sand, ihrem Belag.

Bis dahin hat Hobgarski einiges aufzuholen. Nicht nur körperlich. Während ihrer Pause fiel sie in der Weltrangliste auf Platz 283 zurück. Lange hatten diese Zahlen für Hobgarski nicht die größte Bedeutung. Jetzt sagt sie: „Ich werde nicht jünger, da ist klar, dass die Rangliste ein Thema wird.“ Offen erklärt die 20-Jährige: „Wenn ich in drei Jahren noch auf Platz 280 stehe, muss ich mich fragen: Was mache ich falsch?“ Wenn es nirgendwo zwickt, ist Tennis für Katharina Hobgarski manchmal doch ein Zahlenspiel.

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