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Ein Unfall mit unklaren Folgen

München. Felix Neureuther musste nach einem Autounfall am Freitag seine Anreise nach Sotschi auf diesen Samstag verschieben. Noch ist unklar, welche Auswirkungen der Zwischenfall hat – sportlich und juristisch. Von sid-MitarbeiterThomas Häberlein

Felix Neureuther trug eine Batman-Kappe auf dem Kopf, aber er sah ganz und gar nicht aus wie ein Superheld. Nein, Felix Neureuther sah dankbar aus, wie einer, der noch mal mit dem Schrecken davon gekommen ist. Und so klang Neureuther auch. "Mir geht es ganz gut soweit", sagte er, "es ist Gott sei Dank sehr glimpflich ausgegangen". Er wiederholte dies ein paar Mal, und es ließ sich erahnen, wie arg ihm bei diesem Autounfall am frühen Freitagmorgen der Schrecken in die Glieder gefahren war.

Neureuther schaute ernst, er sprach ungewohnt leise. Nur selten setzte er ein Lächeln auf. Doch dieses wirkte gequält, auch als er beinahe beiläufig sagte: "Einem Start sollte nichts im Wege stehen." Die Worte klangen ein bisschen wie das Pfeifen im Walde. Neureuther hörte sich nicht an wie einer, der sich in der kommenden Woche, am Mittwoch im Riesenslalom oder am Samstag im Slalom, noch seinen großen Traum von einem Olympiasieg in Sotschi erfüllen kann.

Neureuther sprach am Freitagnachmittag zu einem Zeitpunkt, als er gerade den Flughafen in Sotschi hätte erreichen sollen - zu seinem Leidwesen aber stand er in der Münchner Innenstadt vor der Praxis seines Vertrauensarztes Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Bei dem Unfall am Morgen, bei dem Freundin Miriam Gössner als Beifahrerin mit dem Schrecken davongekommen war, hatte er sich ein Schleudertrauma und eine Zerrung der Bänder im Nacken zugezogen. Und zwei Rippen, ergänzte er, "haben auch etwas abbekommen". Am Samstag, sagte er noch, wolle er nun in Sotschi ankommen.

Der Autounfall, der ihm beinahe den Traum vom Olympiasieg gekostet hat oder vielleicht noch kostet, sorgte auch in Sotschi für fast lähmendes Entsetzen. Ein Ausfall Neureuthers, betonte Alpindirektor Wolfgang Maier aufgewühlt, wäre für den deutschen Verband "eine mittlere Katastrophe". Verbands-Cheftrainer Charly Waibel gab zu bedenken, "das Gemeine" an einem Schleudertrauma sei, dass sich "die Folgen erst in den nächsten Tagen zeigen".

Neureuther war nach seinem Unfall zunächst wie geplant an den Flughafen bei München gefahren. Dort checkte er sein Gepäck für den Flug über Frankfurt nach Sotschi ein. Auf Anraten seines Trainers Albert Doppelhofer fuhr der 29-Jährige dann aber in die Praxis von Müller-Wohlfahrt. Dort wurde Neureuther ab dem Morgen mehrere Stunden lang untersucht. Neureuther sagte, er sei "bei Blitzeis auf der Autobahn" ins Schleudern geraten, "und dann bin ich links in die Leitplanke rein". Die Polizeiinspektion in Weilheim bestätigte, dass Gössner nach dem Unfall die Polizeiinspektion Garmisch über den Unfall informiert habe. Dennoch ermitteln die Polizei und die Staatsanwaltschaft München II gegen Neureuther wegen "unerlaubten Verlassens einer Unfallstelle". Der Schweizer Skirennfahrer Sandro Viletta ist überraschend Olympiasieger in der Super-Kombination. Viletta fuhr am Freitag nach Rang 14 in der Abfahrt im Slalom ganz nach vorn. In 2:45,20 Minuten lag der 28-Jährige in Krasnaja Poljana 34 Hundertstelsekunden vor dem Kroaten Ivica Kostelic. Dessen Vater Ante hatte den schwierigen Slalom gesetzt. Kostelic galt wegen seiner starken Abfahrt am Morgen als Gold-Favorit. Bis auf Kostelic hatten die anderen Favoriten mit dem Rennausgang nichts zu tun. Alexis Pinturault (Frankreich) schied kurz vor dem Slalom-Ziel aus. Vancouver-Olympiasieger Bode Miller (USA) wurde Sechster, Kombinations-Weltmeister Ted Ligety (USA) verpasste die Top 10.

An diesem Wochenende stehen der Super-G der Damen mit Maria Höfl-Riesch und Viktoria Rebensburg (Samstag) und der der Herren (Sonntag) an. Nach Gold in der Super-Kombination und Platz 13 in der Abfahrt setzt Höfl-Riesch beim dritten von fünf anvisierten Starts auf Angriff.