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Ein Traditionsverein am Abgrund

Ein Traditionsverein am Abgrund

Das Schicksal des Fußball-Traditionsclubs MSV Duisburg liegt nach der Lizenzverweigerung durch die Deutsche Fußball-Liga in den Händen von Juristen. Die Fans der Zebras sind geschockt. Der Zweitligist steht am Abgrund.

Die unerwartete Lizenzverweigerung für Fußball-Zweitligist MSV Duisburg hat beim Bundesliga-Gründungsmitglied einen Orkan der Emotionen freigesetzt. Nach einem angeblich dilettantischen Bilanzierungsfehler bei der Einreichung der nachgebesserten Lizenz-Unterlagen haben die Zebras ihr Schicksal nicht mehr selbst in der Hand. Beim möglichen Gang des Clubs vor das ständige Schiedsgericht kommen nur Gründe für die Entscheidung des Lizenzierungsausschusses auf den Prüfstand, aber keine neuen Fakten.

"Das ist eine Katastrophe", kommentierte MSV-Ikone Bernard Dietz die Hiobsbotschaft der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Für Deutschlands erst kürzlich in den Vereinsvorstand berufenen Europameister-Kapitän von 1980 kam die Ablehnung der Pläne zur Schließung der Finanzierungslücke von 2,5 bis 3,0 Millionen völlig unerwartet: "Wir hatten fest damit gerechnet, dass die eingereichten Unterlagen die Bedingungen erfüllen. Das Geld war schließlich da."

Die DFL-Prüfer sahen den Nachweis der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zur neuen Saison nicht erbracht. Dem Vernehmen nach soll ein Darlehen zur Rettung über rund 360 000 Euro in den Unterlagen, die Geschäftsführer Roland Kentsch eigenen Angaben zufolge erst zehn Minuten vor Fristablauf zur DFL gesendet hatte, doppelt aufgeführt gewesen sein. Ein Clubsprecher verwies auch "auf Informationen, dass wir die Unterlagen nicht fristgerecht eingereicht hätten".

Sollte das Schiedsgericht die erste Lizenzverweigerung im deutschen Profi-Fußball seit 13 Jahren (Tennis Borussia Berlin 2000) besiegeln, würde der sportliche Absteiger SV Sandhausen im Unterhaus bleiben. Für die eingefleischtesten MSV-Anhänger ein unerträgliches Szenario: Wegen Ausschreitungen am Stadion bei spontanen Protesten von etwa 600 Anhängern musste die Polizei mit einem Großaufgebot anrücken. Die Hooligans drangen gewaltsam in die Arena ein, richteten Sachschäden an und brannten Pyrotechnik ab.

Ex-Präsident Walter Hellmich, der im Winter mit 600 000 Euro eine Insolvenz abgewendet und auch diesmal eine halbe Million Euro beigetragen hatte, schob den Schwarzen Peter auf seine Nachfolger in der MSV-Spitze: "Hätte mir die Führung gesagt, dass sie noch mehr Geld benötigt, dann hätte ich das doch gegeben", sagte der Bauunternehmer.