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Formel 1: Ein Supertalent ruiniert sich seine Karriere

Formel 1 : Ein Supertalent ruiniert sich seine Karriere

Max Verstappen ist bislang die größte Enttäuschung der neuen Formel-1-Saison. Beim Großen Preis von Spanien muss er liefern.

Max Verstappen suchte die Ablenkung auf dem Meer. Mit einem Jetski pflügte der 20-Jährige durch die Wellen vor seinem Wohnort in Monte Carlo. Das tat gut nach dieser bisher so miserablen Saison, bevor der Heißsporn von Red Bull in Barcelona wieder im Rampenlicht steht.

„Es könnte ein ganz entscheidender Moment für die Saison sein, und ich bin gespannt, wie jeder auftreten wird“, sagt Verstappen vor dem Großen Preis von Spanien an diesem Sonntag (15.10 Uhr/RTL). Aber natürlich wird ganz besonders sein eigener Auftritt beim Europa-Auftakt der Formel 1 mit Spannung erwartet. Verstappen, das Supertalent, ist der große Verlierer der bisherigen Saison. Anstatt um den Titel zu kämpfen, steht sich der 20-Jährige bisher selbst im Weg. Nach seinem Unfall in China mit Sebastian Vettel (Ferrari) und dem spektakulären teaminternen Crash zuletzt in Aserbaidschan mit Daniel Ricciardo steigt der Druck, und die Kritik an Verstappen nimmt zu.

„Normalerweise wächst man an seinen Fehlern. Max aber wird nur kleiner“, stellt Ex-Weltmeister Niki Lauda fest: „Er lernt nicht dazu.“ Und die Fachzeitschrift Auto, Motor und Sport analysiert, dass ihm die rasante Karriere manchmal die Sinne vernebelt: „Max ist der Meinung, dass er über Wasser gehen kann. Seiner Meinung nach müsste er schon längst Weltmeister sein.“

Spätestens in diesem Jahr sollte es auch so weit sein, der Niederländer träumte vom Titel, sein Red Bull ist nach einer langen Durststrecke endlich siegfähig. Doch anstatt mit Vettel und Mercedes-Weltmeister Lewis Hamilton auf Augenhöhe zu fahren, liegt er nach vier Rennen wegen zwei Nullrunden nur auf Rang acht in der WM-Wertung – bei schon 52 Punkten Rückstand auf den führenden Hamilton. Auch in seiner vierten Saison in der Königsklasse kennt er nur einen Modus: volle Attacke. „Vorsichtiger fahren macht dich langsamer“, sagt Verstappen gerne.

Keine Angst, kaum Respekt vor den Branchengrößen Hamilton und Vettel – viele Fans verehren Verstappen dafür, er gilt als der aufregendste Fahrer im Feld. Aber das ist im Grunde nichts wert, für die Krone muss er seine Ungeduld am Steuer in den entscheidenden Momenten ablegen. Selbst Ehrgeizlinge wie Ayrton Senna, Michael Schumacher oder Vettel brachten ihr Temperament unter Kontrolle, als die Mischung aus Talent und Auto titelfähig wurde. Verstappen lässt diese Reifeprüfung bisher vermissen. „Da will einer zu viel und zu schnell – immer noch“, schreibt die Neue Zürcher Zeitung, Verstappen ruiniere „sich vielleicht sogar die Karriere“.

In Barcelona steht Verstappen wieder im Fokus, aber „natürlich freue ich mich auf das Wochenende, da ich gute Erinnerungen an meinen ersten Formel-1-Sieg habe“, sagt er. 2016 stieg Verstappen in Spanien mit 18 Jahren und 228 Tagen zum bisher jüngsten Grand-Prix-Sieger der Geschichte auf. Doch das Versprechen, das er damals abgab, konnte er bisher nicht einlösen.