Ein Skandal und seine Folgen

Ein Skandal und seine Folgen

Es ist der Ausraster dieser WM: Uruguays Stürmerstar Luis Suárez hat dem Italiener Giorgio Chiellini offensichtlich in die Schulter gebissen. Und die ganze Fußballwelt lacht, schimpft, streitet über den Vorfall.

Luis Suárez als Zombie, Vampir oder James-Bond-Bösewicht "Beißer": Nach dem mutmaßlichen Biss in die Schulter des italienischen Verteidigers Giorgio Chiellini macht sich die Fußballwelt über den uruguayischen Stürmerstar lustig. Unzählige Fotomontagen und hämische Sprüche kursieren im Internet, findige Marketingstrategen nutzten den Vorfall sofort für bissige Werbung. Doch für den 27 Jahre alten Stürmer des FC Liverpool könnte die Affäre weniger lustig enden. Der Weltverband Fifa untersucht die Szene im Spiel Italien gegen Uruguay (0:1) und könnte Suárez für den Rest der WM sperren.

Andere Sportler äußerten sich schockiert bis belustigt. Manchester-United-Spieler Rio Ferdinand schrieb bei Twitter: "Sagt mir, dass Suárez nicht jemanden gegessen hat . . . Er war der Held vor ein paar Tagen." Der frühere Boxer Evander Holyfield , selbst einmal von Mike Tyson ins Ohr gebissen, meinte ironisch: "Ich schätze, dass jeder Teil des Körpers essbar ist."

Bissige Kommentare gibt es häufig auch in der Politik, aber doch bitte nicht so. "Man muss sich durchbeißen, aber ich verwende dafür nicht meine Zähne", sagte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD ) gestern. Ihre Parteifreundin, Arbeitsministerin Andrea Nahles , zeigte sich konsterniert: "Das ist ja unglaublich. Also ich war schon ein bisschen geschockt."

Natürlich hatten auch Medien und Promis ihren gruseligen Spaß mit dem "Beißer" Suárez: Die "Süddeutsche Zeitung" nannte ihn den "weißen Hai des Weltfußballs", die belgische Zeitung "Het Laatste Nieuws" titelte "Der Zahn Gottes". Vergleiche mit Graf Dracula und dem Filmkannibalen Hannibal Lecter gab es obendrauf. Komiker Matze Knop verpasste der Nummer 9 von Uruguay einen Maulkorb fürs Achtelfinale, Oliver Pocher führte den Bissbeweis per Gebisslinientechnologie.

Doch ob grotesker Spaß oder ein "Verbrechen" ("Algemeen Dagblad"), die Beißattacke machte Suárez auf einen Schlag zur Social-Media-Berühmtheit. Und möglicherweise ergeben sich für Suárez jetzt auch ganz neue Werbemöglichkeiten - in der Lebensmittelbranche. "Wenn Du immer noch hungrig bist, dann nimm einen Biss aus einem Big Mac", twitterte McDonald's Uruguay , nachdem die TV-Bilder am Dienstagabend um die Welt gegangen waren.

Die Kette Pizza-Express schrieb zu der Wiederholungstat: "Suárez hat wieder jemanden gebissen? Wir müssen dem Mann dringend einen 10-Pfund-Gutschein für eine Pizza geben." Denn Suárez war in seiner Karriere bereits zweimal wegen Beißereien im Spiel gesperrt worden. Stattdessen könnte man ja auch zu einem Schokoriegel greifen, bot der Hersteller Snickers an und übertitelte ein Werbebild mit den Worten: "Befriedigender als Italienisch."

Die Fifa geht mit dem Thema weniger amüsiert um. Ein Ermittlungsverfahren wurde eingeleitet, Suárez droht eine drakonische Strafe. Er selbst versuchte, den Zwischenfall zu verharmlosen: "Das passiert im Spiel und auf dem Platz." Uruguays Nationalspieler stellten sich demonstrativ vor ihren Kollegen. "Die Bilder zeigen nichts, es war ein Zweikampf. Wenn man das Foto von Chiellini sieht, das sind alte Narben. Er ist ein gewaltiges Klatschmaul, eine schlechte Person und eine Heulsuse", spottete Kapitän Diego Lugano. Chiellini solle sich wie ein richtiger Mann benehmen, die Niederlage annehmen und seine Fehler eingestehen, forderte er.

Zum Thema:

Auf einen BlickPressestimmen zur Beißattacke von Uruguays Luis Suárez im Spiel gegen Italien:Tuttosport (Italien): "Suárez riskiert, den Rest der WM zu verpassen für einen Moment beschämenden Wahnsinns."El Observador (Uruguay ): "Bei dem mutmaßlichen Biss reagierte der Italiener mit einem Stoß, der voll in die rechte Augenhöhle ging, die sofort anschwoll."Kurier (Österreich): "Uruguay ein Biss-chen besser."Algemeen Dagblad (Niederlande): "Suárez nimmt der WM ihren x-ten Star, indem er sich selbst auf verbrecherische Weise ausschaltete."De Volkskrant (Niederlande): "Erneut siegt der Verrückte im Kopf von Suárez."Het Laatste Nieuws (Belgien): "Der Zahn Gottes." dpa

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