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Saarsport-Tribüne
Ein Sinneswandel und eine unsägliche Posse

FOTO: SZ / Roby Lorenz
Die Stadion-Posse in Saarbrücken ist – im Unterschied zum Vorhaben, eine Tour-Etappe ins Saarland zu holen – noch nicht vorbei. Und die Frage, wer dafür die politische Verantwortung trägt, bleibt unbeantwortet. Kai Klankert
Kai Klankert

Die Worte des saarländischen Sportministers Klaus Bouillon (CDU) sind bemerkenswert: „Selbst wenn wir die Tour de France bekämen, habe ich keine Chance zuzusagen.“ Er begründet dies mit Kosten von einer Million Euro, wovon 400 000 Euro auf die Landeshauptstadt Saarbrücken fallen würden, weil diese in Bouillons Plan als Etappenort vorgesehen war. „Für einen Tag so viel Geld auszugeben, ist nicht transportierbar“, erklärte der Minister am Montag bei der Haushalts-Debatte im Landtag.


Mehr Sinneswandel, mehr Rolle rückwärts geht gar nicht. Als wäre der finanzielle Aufwand vorher nicht bekannt gewesen. Bouillon, der glühende Radsport-Fan, ist plötzlich in der Realität angekommen. Das Spektakel von 2002 lässt sich nun mal nicht einfach so wiederholen. Die Zahl der Unterstützer seines Vorhabens war überschaubar, jetzt rudert er zurück, bevor es allzu peinlich wird.

Vielleicht hat Bouillon auch erkannt, gemeinsame Sportprojekte mit der Stadt Saarbrücken derzeit lieber zu vermeiden. Was sich die Stadtverwaltung und die Lokalpolitik in der Posse um das Ludwigsparkstadion erlaubt, ist schon abenteuerlich. Aus 16 Millionen Euro Baukosten werden in wenigen Monaten 28 Millionen, es wird gelogen, dass sich die nicht mehr vorhandenen Balken im Stadion biegen. Und zu guter Letzt alle FCS-Fans über einen Kamm geschoren und beschimpft. Ob man den 1. FC Saarbrücken nun mag oder nicht – das geht gar nicht.



Da erscheint der Lösungsansatz von Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) gar nicht so schlecht. Abtauchen und in Sachen Stadion bei fast jeder Gelegenheit die Dezernenten Heiko Lukas (Bau) und Harald Schindel (Sport) sowie Jürgen Schäfer (Geschäftsführer der GIU) vorschicken – und das bei einem der größten und wichtigsten Bauprojekte der Stadt überhaupt. Gemäß dem Motto: Sage ich nichts, ist auch nichts Falsches dabei.

Die Frage, wer eigentlich die politische Verantwortung für das Stadion-Desaster trägt, bleibt unbeantwortet – wie viele andere Fragen auch. Glaubt tatsächlich jemand, dass Anfang 2020 im Ludwigsparkstadion gespielt werden kann? Oder dass die 28 Millionen reichen werden? Die Stadion-Posse wird weitergehen. Im Unterschied zur Tour de France im Saarland. Zumindest dieses Kapitel ist (wenig glorrreich) beendet.