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Ein Sieg für die Glücksgefühle150 Polizisten und ein Leichtverletzter

Ein Sieg für die Glücksgefühle150 Polizisten und ein Leichtverletzter

Saarbrücken. Es gab am Samstag viel zu feiern beim Fußball-Drittligisten 1. FC Saarbrücken. Zunächst 15 Jahre grenzüberschreitende Fan-Freundschaft mit den Anhängern des AS Nancy, dann den 2:0 (1:0)-Erfolg über den Chemnitzer FC und den damit verbundenen (fast) sicheren Klassenverbleib

Saarbrücken. Es gab am Samstag viel zu feiern beim Fußball-Drittligisten 1. FC Saarbrücken. Zunächst 15 Jahre grenzüberschreitende Fan-Freundschaft mit den Anhängern des AS Nancy, dann den 2:0 (1:0)-Erfolg über den Chemnitzer FC und den damit verbundenen (fast) sicheren Klassenverbleib. Mit nunmehr 41 Punkten, fünf ausstehenden Spielen und zehn Zählern Vorsprung auf die Abstiegsplätze kann der Verein die konkreten Planungen für die kommende Saison angehen. "Vizepräsident Harald Ebertz und ich werden uns am Montag und Dienstag noch einmal besprechen und nach dem Pokalspiel am Mittwoch (Anm. d. Red.: der FCS spielt im Halbfinale des Saarlandpokals in Siersburg) die Gespräche mit den Spielern aufnehmen", sagte FCS-Trainer Jürgen Luginger.

Die spannende Frage, wer bleibt, ist in der Mannschaft kein großes Thema. "Man fragt zwar schon mal nach, wie so die Gefühlslage ist - aber viel geredet wird darüber nicht", sagte Kapitän Marc Lerandy, "wenn ich zu entscheiden hätte, dann dürften alle bleiben."

Das Spiel begann mit einem Paukenschlag: Ein weiter Einwurf von Tim Stegerer wurde vom Chemnitzer Thomas Birk verlängert, Manuel Stiefler drückte den Ball aus vier Metern zum 1:0 über die Linie - da waren erst 67 Sekunden gespielt.

Die 22 Akteure auf dem Rasen gönnten den 3711 Zuschauern danach 35 Verschnauf-Minuten. Dann fiel der Chemnitzer Josip Landeka im Strafraum über das Bein von Stegerer - Schiedsrichter Arne Aarnink (Nordhorn) gab keinen Strafstoß, verzichtete im Gegenzug auch auf den Platzverweis gegen Toni Wachsmuth. Der hatte als letzter Mann Marcel Ziemer zu Fall gebracht.

Dusel vor der Halbzeit

Saarbrücken duselte sich in die Halbzeit. Fabian Stenzel traf den Pfosten, Silvio Bankert die Latte, Anton Fink scheiterte an Benedikt Fernandez - alles in den letzten 90 Sekunden vor dem Pausenpfiff. "Das war richtig knapp", sagte Torwart Fernandez, "es ist in der Kabine dann lauter geworden. Wir wollten uns besser konzentrieren." Das gelang. Die Himmelblauen aus Chemnitz hatten zwar insgesamt mehr vom Spiel, eine echte Chance hatten aber sie nicht mehr.

Die Entscheidung fiel in der 73. Minute. "Michael Petry hat perfekt abgelegt", witzelte Torschütze Lukas Kohler über den verunglückten Kopfball seines eingewechselten Mitspielers, "die Laufwege sind ja seit der Regionalliga eingeübt." Lukas Kohler nahm den Ball direkt und traf aus fast 25 Metern flach ins linke Eck zum 2:0-Endstand. Ein Traumtor.

Der FCS feierte einen glücklichen Erfolg über einen starken Gast - auch wenn Marc Lerandy das etwas anders sah: "Das hat mit Glück nicht viel zu tun - es steckt viel Arbeit dahinter. Wir haben endlich einen Stamm gefunden - und das macht es allen leichter." Saarbrücken. 150 Polizisten waren am Samstag beim Drittligaspiel des 1. FC Saarbrücken gegen den Chemnitzer FC im Einsatz, teilte Udo Schneider, Leiter der Polizeiinspektion Saarbrücken-St. Johann, gestern in einer Pressemitteilung mit. Wegen Verstößen gegen das Sprengstoff- und Betäubungsmittelgesetz, Beleidigung und einer Gefährdung des Straßenverkehrs hat die Polizei in 15 Fällen Ermittlungen aufgenommen. Vier Personen wurden vorläufig festgenommen. Von 13 weiteren wurden die Personalien festgestellt. Einen Verletzten gab es: Ein Fan kam bei der Flucht vor der Polizei zu Fall und zog sich eine leichte Kopfverletzung zu.

Laut Mitteilung wurden vor dem Spiel Pyrotechnik und Böller gezündet. Eine erste Festnahme sei bereits um 13 Uhr erforderlich gewesen. Während des Spieles blieb es laut Aussagen der Polizei ruhig. Nach dem Spiel marschierten insgesamt 250 Fans von AS Nancy und des 1. FC Saarbrücken Richtung Innenstadt, um am Saarbrücker Schloss ein Gruppenfoto zu schießen. Dabei sollen sie laut Polizei wieder Pyrotechnik abgebrannt haben und einen Autofahrer gefährdet haben. Daher mussten die Einsatzkräfte "konsequent eingreifen. Cafébesucherinnen und -besucher waren durch das Fanverhalten verunsichert und in Teilen auch gefährdet", heißt es in der Mitteilung. Die Polizei rechtfertigte damit auch Straßensperrungen.

"Hampel", ein Saarbrücker Ultra, sagt: "Wir hatten nicht den Eindruck, dass sich Passanten von uns bedroht gefühlt haben - eher gegenteilig, sie grüßten und schossen Fotos mit uns." Zum Abbrennen von Pyro sagte er, dass es sich dabei "lediglich" um Rauchtöpfe gehandelt habe, die vor Betreten der Bahnhofstraße gezündet wurden. "Bedrohlich fanden wir eher die Polizei, die uns in Vollmontur mit Schlagstöcken und Tränengas bewaffnet begleitete. Wir waren nur Fans, die feiern wollten, solch ein großer Polizeieinsatz war sicher nicht nötig." Torsten Hart, Mitarbeiter des Awo-Fanprojekts "Innwurf", erklärte, dass "Pyrotechnik verboten ist und wir das auch nicht verharmlosen wollen, aber die Jungs haben nach meinen Informationen darauf geachtet, dass es zu keiner Fremdgefährdung kam. Gewalt gegen Personen konnten wir auch nicht feststellen." kip

Foto: Franz/Spektrum

Foto: Becker&Bredel/dpa