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Ein Sieg für das Selbstvertrauen

Ein Sieg für das Selbstvertrauen

Gelsenkirchen. Joachim Löw wirkte so, als hätte er gerade eine Abschlussklausur geschrieben - und zwar keine schlechte. Locker, lässig und lächelnd saß der 48-Jährige auf der Pressetribüne. Er wusste, dass da "sehr gute Ansätze zu sehen waren" bei der Abschlussklausur seiner Mannschaft am Samstag gegen die Serben in Gelsenkirchen

Gelsenkirchen. Joachim Löw wirkte so, als hätte er gerade eine Abschlussklausur geschrieben - und zwar keine schlechte. Locker, lässig und lächelnd saß der 48-Jährige auf der Pressetribüne. Er wusste, dass da "sehr gute Ansätze zu sehen waren" bei der Abschlussklausur seiner Mannschaft am Samstag gegen die Serben in Gelsenkirchen. Der 2:1-Sieg im letzten Spiel vor dem EM-Auftakt in Klagenfurt gegen die Polen war "eine Energieleistung", wie Löw erklärte, "der Wille war stets zu spüren. Der Sieg ist gut für das Gefühl und das Selbstvertrauen."

74 Minuten lag sein Team mit 0:1 hinten. Das Gegentor in der 18. Minute war dabei mal wieder eines aus der Kategorie: "Wie mache ich Fußball-Deutschland extrem nervös?". Man nehme einfach Abwehrspieler Christoph Metzelder, lässt einen Serben alleine auf ihn zulaufen und lässt "Metze" entscheiden, ob er ihn stören soll - oder ob er besser bei seinem Gegenspieler Bosco Jankovic bleiben soll. Metzelder entschied sich für den Mittelweg. Er ging einen Schritt nach vorne. Zu wenig, um zu stören, und zu viel, um am Mann zu bleiben. Ergebnis: Pass auf Jankovic in den Rücken der Abwehr, 0:1 - und Deutschland zweifelt an seiner Abwehr. "In solchen Situationen muss du als Abwehrspieler in die Rückwärtsbewegung gehen", erklärte Löw, und Metzelder meinte: "Das war mein Fehler."

Da die Serben ansonsten aber wenig Interesse am Offensivfußball zeigten, und da Michael Ballack ("starke Präsenz, gute körperliche Verfassung") im Mittelfeld zusammen mit Torsten Frings gut funktionierten, kamen die Deutschen am Ende zu einem Sieg, an dem der starke Marcel Jansen auf links und der eingewechselte Stürmer Oliver Neuville maßgeblich beteiligt waren. Jansen bereitete mit einer harmlosen Fleischwunde in der rechten Wade nach einem Zuckerpass von Ballack das 1:1 von Neuville (74.) vor. Und Jansen war es auch, der acht Minuten später an der Strafraumgrenze einen Freistoß herausholte, den Ballack ins linke Eck ballerte.

Und so feierten die 53951 Fans nach dem Spiel die noch müde wirkende Mannschaft, und Löw wirkte entspannt. "Wir werden kommende Woche frischer sein", sagte er voller Zuversicht. Auch wenn sein zu Beginn eingesetztes Sturmduo mit Mario Gomez und Kevin Kuranyi völlig neben sich stand und zu oft technische Mängel zeigte. Miroslav Klose spielte wegen einer leichten Sprunggelenkverletzung gar nicht (Löw: "Wir wollten kein Risiko eingehen"). Lukas Podolski kam in der zweiten Halbzeit ins Spiel - nicht im Sturm, sondern im linken Mittelfeld - und zeigte, dass er auch dort "eine Alternative ist. Sowohl in der Anfangsformation als auch als Einwechselspieler", so Löw.

Die Frage nach der Anfangsformation gegen die Polen habe noch "Fragezeichen", so Löw. Die Trainingsleistungen in Tenero im Trainingslager ab Dienstag sollen entscheidend sein. Sie spielen "eine wichtig Rolle", so Löw, ehe er Poldis bisherigen Trainingsleistungen lobte. Und so liegt der Schluss nahe, das der gebürtige Pole gegen die Polen von Beginn an stürmen wird.

Auf einen Blick

Länderspiel in Gelsenkirchen:

Deutschland - Serbien 2:1 (0:1).

Deutschland: Lehmann (FC Arsenal) - Lahm (Bayern München - 46. Podolski/Bayern München), Mertesacker (Werder Bremen - 46. Arne Friedrich/Hertha BSC), Metzelder (Real Madrid), Jansen (Bayern München - 84. Westermann/FC Schalke 04) - Fritz (Werder Bremen), Frings (Werder Bremen - 70. Rolfes/Bayer Leverkusen), Ballack (FC Chelsea), Schweinsteiger (Bayern München - 79. Odonkor/Betis Sevilla) - Kuranyi (FC Schalke 04 - 70. Neuville/Bor. Mönchengladbach), Gomez (VfB Stuttgart).

Serbien: Stojkovic (Sporting Lissabon) - Rukavina (Borussia Dortmund), Ivanovic (FC Chelsea), Vidic (Manchester United), Dragutinovic (FC Sevilla) - Babovic (FC Nantes), Smiljanic (Espanyol Barcelona), Kuzmanovic (AC Florenz), Jankovic (US Palermo - 82. Tosic/Partizan Belgrad) - Sasa Ilic (Red Bull Salzburg - 73. Milovanovic/Roter Stern Belgrad) - Pantelic (Hertha BSC - 46. Lazovic/PSV Eindhoven).

Schiedsrichter: Fautrel (Frankreich) - Zuschauer: 53951 (ausverkauft). - Tore: 0:1 Jankovic (18.), 1:1 Neuville (74.), 2:1 Ballack (82.). - Gelbe Karten: - / Ivanovic. dpa