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Fußball-Bundesliga
Ein Saarländer wird zum Mainzer Helden

Torwart Florian Müller bedankt sich nach Spielende bei den mitgereisten Fans. Dass der FSV Mainz 05 einen Punkt holte, war das Verdienst des 20-jährigen Saarländers, der eine Top-Leistung zeigte.
Torwart Florian Müller bedankt sich nach Spielende bei den mitgereisten Fans. Dass der FSV Mainz 05 einen Punkt holte, war das Verdienst des 20-jährigen Saarländers, der eine Top-Leistung zeigte. FOTO: Carmen Jaspersen / dpa
Hamburg. Der Lebacher Florian Müller feiert in Hamburg ein überragendes Bundesliga-Debüt. Ansprüche will der 20-Jährige aber nicht stellen.

Einen schlechteren Zeitpunkt für ihren Urlaub hätten die Eltern von Florian Müller nicht wählen können. Während ihr 20 Jahre alter Sohn am Samstag in Hamburg ein überragendes Bundesliga-Debüt im Tor des FSV Mainz 05 feierte, weilten Vater und Mutter Müller in Österreich. „Was Flo hier in seinem ersten Spiel rausgerissen hat, war überragend“, lobte Trainer Sandro Schwarz den Saarländer: „Er hat uns heute den Punkt gerettet.“


Es war einzig und allein dem Torwart zu verdanken, dass die Mainzer trotz einer erschreckend schwachen Leistung beim Hamburger SV mit einem schmeichelhaften 0:0 die Heimreise antraten. Mit einem Zähler also, der im Abstiegskampf noch von entscheidender Bedeutung sein kann. „Flo hat uns heute den Arsch gerettet“, brachte es Mittelfeldspieler Danny Latza auf den Punkt.

Mit zahlreichen tollen Paraden trieb der U20-Nationaltorwart aus Lebach, der über seinen Heimatverein Lebach und den 1. FC Saarbrücken schon in der Jugend in Mainz gelandet war, die Hamburger zur Verzweiflung und sorgte so dafür, dass die Rheinhessen auf dem Relegationsplatz nach wie vor sieben Punkte Vorsprung auf den HSV haben. „Es ist ein Punkt für die Moral und die kommenden Wochen“, befand Schwarz.

Am Freitag hatte der FSV-Trainer dem Debütanten mitgeteilt, dass er im so wichtigen Spiel beim HSV zwischen den Pfosten stehen würde. Weil René Adler wegen einer Grippe und Robin Zentner wegen Problemen am Oberschenkel passen mussten, schlug die große Stunde von Müller. „Nervös war ich eigentlich nicht“, erklärte er cool.

Und in der Tat war auf dem Feld beim Mainzer Torhüter nichts von großer Anspannung zu spüren. Mit jeder gelungenen Parade wurde das Auftreten des kecken Debütanten selbstbewusster. Schon vor der Pause war die eigentliche Nummer drei in der Mainzer Torwart-Hierarchie gegen Sven Schipplock, Walace und Filip Kostic bravourös zur Stelle. „Es war sicher nicht schlecht, dass ich mich gleich auszeichnen konnte“, sagte Müller.



Zur Krönung parierte der Saarländer in der 62. Minute auch noch einen Strafstoß von Kostic. „Ich habe mich früh für die Ecke entschieden“, schilderte Müller die Szene: „Ich denke, das hat der Mannschaft noch einmal Auftrieb gegeben.“ Zumal Leon Balogun nach seinem vorangegangenen Foul an Luka Waldschmidt die Gelb-Rote Karte sah und die Mainzer die Partie deshalb dezimiert zu Ende spielen mussten. Für Sportdirektor Rouven Schröder war der gehaltene Elfmeter „das i-Tüpfelchen auf seine Leistung. Dass Florian Müller heute unser bester Mann war, sagt alles über unsere Vorstellung aus.“

Große Ansprüche will Müller trotzdem nicht stellen. „Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht“, antwortete der Torwart auf die Frage, ob er nun den Kampf um die Nummer eins aufnehmen wolle. Sein gelungenes Debüt wollte er in Ruhe mit seiner Freundin feiern. Denn die hatte es – anders als die Eltern – mit ein paar Freunden rechtzeitig nach Hamburg geschafft.