Ein Saarländer mitten im WM-Skandal?

Ein Saarländer mitten im WM-Skandal?

Nach Präsident Wolfgang Niersbach droht dem nächsten Funktionär das Aus beim DFB. Vize-Generalsekretär Stefan Hans soll ein brisantes Dokument nicht weitergeleitet haben. Der Saarländer bangt um seinen Job.

Der Deutsche Fußballbund (DFB) steckt in der größten Krise seiner Geschichte. Dabei scheint diese noch nicht mal hausgemacht. Sondern vom Organisationskomitee (OK) der Weltmeisterschaft 2006. "Es war nur ein kleiner Kreis von vier, fünf, sechs oder sieben Personen eingeweiht", sagt Anti-Korruptions-Expertin Sylvia Schenk mit Blick auf die vermeintlichen Bestechungsgelder und die Zusammensetzung des OK. "Dass da etwas nicht stimmt, hätte auch der beste Compliance-Officer nur im Nachhinein oder durch Zufall gemerkt", antwortet sie auf die Frage, ob dem DFB eine Abteilung für "Verhaltensmaßregeln und Richtlinien" (Compliance) geholfen hätte - oder in Zukunft sollte.

Gut, seit dem Rücktritt von DFB-Chef Wolfgang Niersbach sind beim DFB eh kaum noch Funktionäre im Amt, die auch beim OK die Fäden gezogen haben. Einer davon ist Stefan Hans. Ein gebürtiger Saarländer, der heute in Bingen lebt. Ex-DFB-Chef und Ex-OK-Chef Theo Zwanziger holte den Bliesener ins WM-OK. Beide kannten sich aus dem Mainzer Landtag. Zwanziger war CDU-Abgeordneter; Hans arbeitete als Regierungsdirektor im Finanzministerium. Zwanziger verpflichtete ihn im Oktober 2002 schließlich als Abteilungsleiter "Finanzen und Logistik" für das OK. Daher sollte Hans auch Einblick in Zahlungen und Verträge des Organisationskomitee gehabt haben.

Nach der WM, am 1. Januar 2007, und nach dem altersbedingten Ausscheiden von DFB-Chefjustiziar Goetz Eilers, übernahm Hans beim DFB den neu gestalteten Posten "Direktion Personal, Recht und Finanzen." Ab 2012 war er zusätzlich Stellvertreter des damaligen DFB-Generalsekretärs Wolfgang Niersbach . Als dieser 2012 DFB-Präsident wurde, verzichtete Hans zugunsten von Helmut Sandrock auf den Generalsekretärs-Posten. Den hat Sandrock heute noch inne. Auch er war als "Turnierdirektor" Mitglied des WM-OK.

Seit gestern hält sich nun das Gerücht, dass Hans im vergangenen Sommer von Niersbach die Anweisung bekommen habe, alle verdächtigen Dokumente rund um die WM 2006 im DFB-Archiv zu sammeln. Nach Informationen verschiedener Medien soll Hans dabei auch jenes brisante Dokument entdeckt haben, mit dem Concacaf-Boss Jack Warner offenbar kurz vor der WM-Vergabe bestochen werden sollte, und das der damalige OK-Präsident Franz Beckenbauer unterschrieb. Aber Hans leitete das erst in dieser Woche öffentlich gewordene Dokument angeblich nicht an Niersbach weiter. Dabei galt der 53-Jährige als einer der engsten Vertrauten des DFB-Chefs. Das Motiv für das Ausbleiben der Info scheint also unklar. Dennoch habe der DFB Hans einbestellt, um ihn anzuhören. Erst danach wolle der Verband über Konsequenzen entscheiden. Der DFB hat sich aber gestern zu diesem Vorgang nicht geäußert.

"Ich habe Hans vergangene Woche noch auf das Dokument mit den 6,7 Millionen Euro angesprochen", berichtet Franz-Josef Schumann, Präsident des Saarländischen Fußball-Verbandes (SFV). "Er hat verneint, dass er davon etwas wusste. Ich habe es ihm geglaubt", berichtet Schumann, der "sehr enttäuscht" wäre, "wenn er gelogen hätte: Ich habe ihn als Quereinsteiger beim DFB als sehr zuverlässigen, anständigen Kerl kennengelernt". Am kommenden Dienstag fährt Schumann zur Sitzung des DFB-Präsidiums mit den Landesverbandspräsidenten. "Ich gehe davon aus, dass wir dort über den Stand der Ermittlungen genau unterrichtet werden." Auch über das Schicksal von Stefan Hans. Sollte er entlassen werden, wären beim DFB vom OK nur noch einer über: Helmut Sandrock.Franz Beckenbauer schweigt zum WM-Skandal beharrlich - und er erhält Rückendeckung von Bayern Münchens Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge: "Ich verstehe, dass der DFB hier größtes Interesse haben muss, die Angelegenheit aufzuklären. Aber ich würde mir auch dort manchmal einen etwas sensibleren Umgang mit der Person Franz Beckenbauer wünschen." Am Dienstag hatte der DFB bestätigt, dass Beckenbauer und Ex-Fifa-Vizechef Jack Warner ein Dokument unterschrieben haben, welches den Verdacht des versuchten Stimmenkaufs nahelegt (wir berichteten). Warner wies gestern den Verdacht der Bestechlichkeit trotz der eindeutigen Beweislage zurück.

Fernab von Warner hat die maltesische Polizei die Räume des nationalen Fußballverbandes durchsucht. Dabei suchte die Spezialeinheit für Wirtschaftskriminalität nach Dokumenten, die mit einem Testspiel Maltas gegen den FC Bayern im Januar 2001 zusammenhängen. Beide sollen einen lukrativen TV-Vertrag für das Spiel zugunsten Maltas ausgehandelt haben. Kurz darauf stimmte Malta bei der WM-Vergabe für Deutschland. Ungeklärt ist auch weiter die Frage nach dem Nachfolger von Wolfgang Niersbach als DFB-Präsident. Vize-Chef Rainer Koch und Schatzmeister Reinhard Grindel gelten als heiße Kandidaten.

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