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Fußball-Nationalmannschaft
Ein Saarländer als Gute-Laune-Onkel

Watutinki. Kevin Trapp ist überglücklich, dass er zur WM fahren darf. Die Harmonie in der Torwart-Troika ist damit gesichert. Von Frank Hellmann

Kevin Trapp zählt zu jenen Profifußballern, die sich regelmäßig über die Plattform Instagram mitteilen. Unter seinem Profil ist auch der Verlauf des Trainingslagers in Südtirol dokumentiert: vom Einstieg in den Flieger am Frankfurter Flughafen am 23. Mai („on the way to the @dfb_team“) bis zur Abreise auf der Rückbank des Fahrdienstes mit Ilkay Gündogan und Sami Khedira am Donnerstag vergangener Woche („Goodbye Eppan“). Natürlich darf neben den Trainingsimpressionen auch das Mannschaftsfoto nicht fehlen, auf dem der 27-jährige Saarländer neben Manuel Neuer und Timo Werner sitzt. Mittig in der unteren Reihe. Den Ball fest in den Händen.


Der ehemalige Bundesliga-Torwart des 1. FC Kaiserslautern und von Eintracht Frankfurt weiß, dass ihn weiche Faktoren in den WM-Kader gespült haben. Ginge es nach harten Fakten – wie den Pflichtspielminuten der abgelaufenen Spielzeit –, dann hätte eher Bernd Leno als Stammtorwart von Bayer Leverkusen (39 Spiele/ 3570 Minuten) und nicht der Ersatzmann von Paris St. Germain (16 Spiele/ 1439 Minuten) dabei sein müssen. Es allerdings ein offenes Geheimnis, dass sich Marc-André ter Stegen und Leno aus DFB-Juniorenzeiten nicht sonderlich gut vertrugen.

Mit der Nummer eins Manuel Neuer, Vertreter ter Stegen und Ersatz-Ersatz Trapp hat Bundestorwarttrainer Andreas Köpke eine Troika zusammen, die den Harmoniefaktor ohne großes Zutun von außen hochhalten wird, zumal die Rollen klar verteilt sind. Der in Merzig geborene Schlussmann ist das Gegenteil von einem Stinkstiefel und fügt sich in die jüngere Historie: Wie für keinen anderen WM-Fahrer sind Einsatzmöglichkeiten für den dritten Torwart kaum vorhanden, der deshalb vor allem positiv aufs Binnenklima einwirken soll. Schon der 2014 nominierte Roman Weidenfeller oder der 2010 überraschend geholte Hans-Jörg Butt hatten die Berufung als Dankeschön verstanden.



Auch Trapp ist froh, dass er überhaupt zur Besatzung gehört, die gestern von Frankfurt aus mit Flug LH 2018 zur Mission Titelverteidigung nach Moskau abgehoben ist. Über den Schreck am Tag der endgültigen Kadernominierung kann er rückblickend herzlich lachen. „Montagmorgen hat’s bei mir an der Zimmertür geklopft. Ich dachte schon: Oh, nein! Es war dann nur die Putzfrau.“

We are ready 🇩🇪 @dfb_team #ZSMMN #DieMannschaft #HereToCreate

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Zwischen Training und Ersatzbank hat der Trapp die nächsten Wochen genügend Zeit, sich über seine nähere Zukunft Gedanken zu machen. Den bis 2020 laufenden Vertrag in der französischen Hauptstadt erfüllen und womöglich weiterhin hinter Alphonse Areola im zweiten Glied stehen? Oder eine neue Herausforderung suchen? Zumal sich Gerüchte um eine Verpflichtung von Gianluigi Buffon halten. Der 40-Jährige hatte vor wenigen Wochen seinen Abschied von Juventus Turin nach 17 Jahren verkündet. Seine Karriere will er aber fortsetzen und hat auch Gespräche mit Paris bestätigt. Kommt er, wäre für Trapp wohl kaum noch Platz. Der hatte ja schon im Winter über einen Wechsel nachgedacht, um seine Situation Richtung WM-Teilnahme eventuell noch zu verbessern.

Immerhin hat der neue PSG-Trainer Thomas Tuchel dem Saarländer umgehend zur Nominierung gratuliert. Dass ein Deutscher nun in Paris das Sagen hat, sieht Trapp relativ neutral. Nur deswegen werde er ja nicht Stammspieler. „Natürlich wird es Gespräche gegeben. Das ist ja fast Pflicht“, sagt Trapp, für den sich Vereinskollege Julian Draxler aufrichtig gefreut hat: „Kevin hat ja weniger gespielt in der abgelaufenen Saison, aber hart auf das Ziel WM hingearbeitet, das war ein großer Traum von ihm. Er hat wirklich nie locker gelassen, in Paris und hier in jedem Training Gas gegeben.“

Die deutsche Nummer 12 sieht sich nicht allein für die Trainingsleistungen, sondern auch für seine Grundhaltung belohnt: „Ich habe einfach gesagt, ich lasse mich nicht unterkriegen. Ich habe alles dafür getan. Ich wollte unbedingt mit, nachdem ich es 2016 nicht zur EM geschafft habe.“ Noch mehr Glücksgefühle hatte indes seine Lebensgefährtin Izabel Goulart gepackt: „Sie hat mir danach gesagt, sie hätte vier Tage nicht geschlafen, weil sie so nervös war, ob ich dabei bin. Sie hat vor Freude sogar geweint.“

Das Klatschmagazin „Bunte“ fragt gerade, ob das brasilianische Model und der deutsche Nationaltorwart „das heißeste Paar der Fußball-WM“ wären. Als „Victoria’s-Secret“-Engel hat die 33-Jährige schon ein Dutzend Titelseiten diverser Magazine eingenommen. Trapp hat keine Scheu, über diese besondere Beziehung zu sprechen. „Sie ist sehr wichtig für mich und ein ganz großer Rückhalt. Ich bin erst 27, aber so eine Unterstützung habe ich selten erlebt. Sie hat auch einen großen Job und trägt viel Verantwortung, aber sie ist mir gegenüber immer so positiv“, sagt er. Und da scheint einer mächtig stolz auf seine Partnerin zu sein, der allein bei Instagram 4,2 Millionen Abonnenten folgen. Fast drei Mal so viel wie Deutschlands dritter WM-Torwart im Portfolio führt.